Gesundheitsversorgung 2040: Oberhavel diskutiert über Fachkräfte, Telemedizin und neue Versorgungsmodelle
Heute, am 29. September 2026, geht es im Oranienburger Kreistagssaal um eine Frage, die sich nicht bequem vertagen lässt: Wie soll die Gesundheitsversorgung in Oberhavel im Jahr 2040 aussehen? Ab 18 Uhr lädt der Kreisverband Oberhavel von Bündnis 90/Die Grünen zum Zukunftsdialog „Gesundheitsversorgung von morgen: Impulse und Austausch in Oranienburg“ ein.
Der Abend findet im Kreistagssaal, Havelstraße 3, 16515 Oranienburg, statt und dauert von 18 bis 21 Uhr. Teilnehmen können Menschen aus Fachpraxis, Verwaltung, Politik, Wissenschaft und Bürgerschaft; eine Anmeldung ist über den im Artikel verlinkten Anmeldelink möglich. Nach den Vorträgen sind moderierte Gespräche an runden Tischen vorgesehen. Dort sollen medizinische Leistungserbringer, Verwaltung, Krankenkassen sowie Bürgerinnen, Bürger, Patientinnen und Patienten miteinander ins Gespräch kommen – nicht nur über Probleme, sondern über konkrete, tragfähige Ideen.
Gesundheitsversorgung unter Druck
Initiator ist Andreas Nagel aus dem Löwenberger Land, Vorstandsmitglied des Kreisverbands Oberhavel von Bündnis 90/Die Grünen. Die Veranstaltungsreihe „Zukunftsdialoge Oberhavel 2040“ nimmt eine Entwicklung in den Blick, die vielerorts längst im Alltag angekommen ist: Bis 2040 werden mehr kranke und pflegebedürftige Menschen erwartet, während gleichzeitig weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen.
Im Norden Oberhavels kommt hinzu, dass es häufiger Engpässe bei Haus- und Fachärzten gibt als im Berliner Umland. Diskutiert werden deshalb Gesundheitszentren, mobile Angebote, Telemedizin und größere Pflege-Teams. Auf der Tagesordnung stehen außerdem der Fachkräftemangel und der demografische Wandel, ungesteuerte Nachfrage und lokale Fehlverteilungen, sektorale Grenzen, noch unzureichend entwickelte ambulante und pflegerische Versorgungsstrukturen sowie eine bislang schwache Digitalisierung.
Die zentralen Fragen klingen schlicht, sind aber ziemlich knifflig: Welche strukturellen Veränderungen sichern eine verlässliche Gesundheitsversorgung und gute Arbeitsbedingungen für medizinische Leistungserbringer? Und wie muss Versorgung organisiert werden, damit sie auch 2040 funktioniert?
Impulse liefern Prof. Dr. Markus Kösters, Versorgungsforscher an der TU Dresden, und Dr. med. Elke Keil, Chefärztin des Klinikums Oranienburg. Danach wird an den Tischen weitergeredet. Der Raum dürfte also nicht lange still bleiben.
Das Wetter spielt am Dienstag vermutlich mit: Bis zu 25 Grad und kein Niederschlag sind angekündigt. Wer vorher noch einen ruhigeren Ton sucht, kann ab 12.15 Uhr in der Oranienburger St.-Nicolai-Kirche kostenlos Orgelmusik zur Mittagszeit hören.
Eine App gegen die Lücke bei LRS
Auch abseits der Gesundheitspolitik gibt es in Oberhavel Ideen, die Versorgung und Bildung neu denken. Der 19-jährige Oranienburger Abiturient Sami Magdouli entwickelt eine App für Schülerinnen und Schüler mit Lese-Rechtschreibschwäche. Bei „Die Schule der Löwen“ erreichte er mit seinem Projekt den zweiten Platz.
Die Anwendung soll Betroffene unterstützen, die wegen großer Klassen und fehlender Diagnosen oft zu wenig Hilfe bekommen. Magdouli ist in der Berliner Startup-Szene aktiv und hat seine Idee dort mehrfach vorgestellt. Vor dem Online-Start will er die App noch weiterentwickeln. Langfristig plant er, sie an Schulen und Bildungseinrichtungen zu verkaufen; später zieht er auch eine Arbeit im Silicon Valley in Betracht.
Wenn der Anruf an der Mailbox endet
Für Amy Pelzer aus Gransee ist dagegen schon der Signalton einer Mailbox eine Grenze: Sobald er ertönt, beendet sie den Anruf. Damit ist sie nicht allein. Laut Umfragen haben 44 Prozent der 16- bis 29-Jährigen notwendige Anrufe aus Angst vor dem Telefonieren aufgeschoben.
Diese Angst wird als Telephobie bezeichnet. Dahinter stecken unter anderem die Sorge, einen Fehler zu machen, abgelehnt oder negativ bewertet zu werden. Eine Mailbox verschärft das Gefühl noch: Was einmal gesprochen ist, lässt sich danach nicht korrigieren oder löschen. WhatsApp und andere moderne Kommunikationsmittel können dauerhaftes Vermeiden erleichtern, weil Nachrichten schnell getippt sind und kein Gegenüber sofort reagiert.
Empfohlen werden gezieltes Üben und vorbereitete Notizen. Eltern und das Umfeld sollten Jugendliche ermutigen, statt ihnen Telefonate abzunehmen. Ein kleiner Spickzettel neben dem Handy kann dabei schon helfen – und der erste Anruf muss ja nicht gleich beim Amt sein.
Brief aus Mühlenbecker Land an Merz
Der CDU-Ortsvorstand im Mühlenbecker Land fordert in einem Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz ein Umdenken in der Bundespolitik. Die Ortsverbände sollten zur Bundespolitik ihrer Partei nicht länger schweigen, heißt es sinngemäß aus dem Ortsvorstand. Politik müsse stärker im Alltag der Menschen ankommen, Familien erwarteten spürbare Entlastungen.
Katja Behrendt-Didszun, Vorsitzende des Ortsvereins, wartet zunächst auf eine Antwort des Kanzlers. Zugleich möchte sie andere CDU-Ortsvereine zu ähnlichen Schreiben ermutigen. Ob daraus mehr wird als ein Briefwechsel, zeigt sich später.
Wasserstoffwerk Wensickendorf vor dem Probebetrieb
In Wensickendorf ist das neue Wasserstoffwerk baulich für den Betrieb freigegeben. Die Anlage hat einen Drucktest mit 400 bar bestanden und ist für klimaneutralen Wasserstoff zertifiziert. Jährlich können dort bis zu 380 Tonnen grüner Wasserstoff produziert werden.
Rund 230 Tonnen pro Jahr sind für die Heidekrautbahn, die RB 27, sowie für Busse und Müllfahrzeuge vorgesehen. Dadurch sollen Dieselverbrauch und lokale Emissionen sinken. Der Probebetrieb soll im November beginnen. Bis zu zehn Trailer sollen den Wasserstoff zur Zugtankstelle in Basdorf transportieren.
Wissenschaftlich begleitet wird die Anlage über einen digitalen Zwilling. Er soll den Betrieb optimieren; überwacht wird das Werk rund um die Uhr.
Wie groß der Druck auf das Gesundheitswesen bis 2040 tatsächlich wird, untersucht unterdessen das Fachkräftemonitoring für das Bundesgesundheitsministerium. Der Bericht betrachtet Arbeitskräfteangebot und realisierten Bedarf in 54 Gesundheitsberufen. Es handelt sich um die erste Basisprojektion; Grundlage ist das QuBe-Modellsystem („Qualifikation und Beruf“).
Zusammengeführt werden Daten zur Beschäftigtenstruktur, zur Bevölkerungsentwicklung und zur Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Der projizierte realisierte Bedarf wird dem künftig verfügbaren Arbeitskräfteangebot gegenübergestellt. „Realisierter Bedarf“ meint dabei den Bedarf, der durch tatsächliche Beschäftigung abgebildet wird – nicht die ungedeckte Nachfrage und auch nicht die Zahl offener Stellen.
Die Projektion schreibt heutige Muster der Gesundheitsleistungsinanspruchnahme sowie bisherige Entwicklungen bei Berufswahl, Erwerbsbeteiligung und beruflicher Mobilität fort. Sie ist als Wenn-dann-Analyse angelegt und beschreibt keine zwangsläufige Zukunftsentwicklung. Zwar soll die Zahl der Erwerbstätigen in den untersuchten Gesundheitsberufen bis 2040 weiter steigen, gleichzeitig schrumpft aber die Differenz zwischen Arbeitskräfteangebot und realisiertem Bedarf. Gesundheitsleistungen könnten dann voraussichtlich nicht in derselben Häufigkeit oder Weise wie 2023 in Anspruch genommen werden.
Besonders deutliche Engpässe werden in Pflegeberufen, bei medizinischen und zahnmedizinischen Fachangestellten, bei Hörgeräteakustikerinnen und Hörgeräteakustikern sowie in einzelnen ärztlichen Fachrichtungen erwartet. In anderen Gesundheitsberufen wächst das Arbeitskräfteangebot im Verhältnis zum Bedarf. Die Lage unterscheidet sich also erheblich von Beruf zu Beruf – eine Gesundheitspolitik nach dem Gießkannenprinzip würde daran vorbeigehen.
Die Basisprojektion bietet erstmals einen umfassenden Überblick über 54 Gesundheitsberufe bis 2040. Sie macht Zusammenhänge zwischen demografischem Wandel, Gesundheitsleistungsinanspruchnahme und beruflicher Mobilität sichtbar. So lassen sich berufsspezifische Passungsprobleme frühzeitig erkennen und Handlungsoptionen zur Sicherung der Gesundheitsversorgung ableiten.
Weitere Szenario- und Sensitivitätsanalysen sollen prüfen, wie gesundheitspolitische Reformen, neue Versorgungsmodelle, technologische Entwicklungen und Veränderungen der Morbidität das Arbeitskräfteangebot und den Bedarf beeinflussen. Für Oberhavel beginnt die praktische Debatte darüber heute Abend – an runden Tischen im Kreistagssaal.
