Am Bodensee wird das Wasser knapp. Am Pegel Konstanz wurden zuletzt 2,53 Meter gemessen – bis zur Marke von 2,50 Metern fehlen nur drei Zentimeter. Für die Jahreszeit ist das ein extrem niedriger Stand. Heute, am 30. September 2026, zeigt eine eigene Messreihe für Konstanz sogar 252 Zentimeter, Stand 08:00 Uhr.

Von der Uni Saarland aus wirkt der See weit weg. Die Zahlen sind es nicht. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) erwartet wegen der anhaltenden Trockenheit und des natürlichen Jahresverlaufs in den kommenden Wochen tendenziell weiter sinkende Pegel. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet zunächst nicht mit einer nachhaltigen Entspannung. In der Nacht zum Donnerstag soll zwar eine Kaltfront schauerartig verstärkten Regen bringen. Örtlich könnten innerhalb weniger Stunden etwa 20 Liter pro Quadratmeter fallen – der Regen kann aber auch schwach ausfallen.

Ein See im ungewöhnlich frühen Tief

Die Ursachen liegen laut LUBW schon Monate zurück: ein schneearmer Winter und damit fehlendes Schmelzwasser aus den Alpen, zu geringe Niederschläge und die hohe Verdunstung während des warmen Sommers. Ein neuer Allzeitrekord ist beim aktuellen Pegelstand nach den Angaben der LUBW noch nicht erreicht. Die niedrigsten Wasserstände werden am Bodensee üblicherweise erst im Winter gemessen.

Seit Beginn der Auswertung im Jahr 1850 lag der niedrigste registrierte Wasserstand bei 2,26 Metern. Dieser Wert wurde Ende Februar und Anfang März 1858 gemessen. Normalerweise folgt der See einem klaren Rhythmus: Auf meist hohe Wasserstände im Frühsommer und Sommer folgen sinkende Zuflüsse im Spätsommer. Im Herbst und Winter fällt ein großer Teil des Niederschlags in den Alpen als Schnee und bleibt zunächst gespeichert. Der Pegel sinkt weiter, bis die Schneeschmelze im Frühjahr wieder Wasser liefert.

2026 hat sich dieses Muster ungewöhnlich früh und kräftig gezeigt. Am 13. August wurden in Konstanz 275 Zentimeter gemessen – rund 130 Zentimeter unter dem saisonalen Mittelwert und der niedrigste Wert für einen 13. August seit Beginn der Messreihe 1850. Im Sommer lagen Kiesflächen, Sandbänke, Baumstämme und Pfahlreihen frei. Niedrigwasser gehört zwar zum natürlichen Jahresverlauf, 2026 tritt es aber bereits im Sommer besonders deutlich auf, statt vor allem im Winter.

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Die Messwerte im Überblick

Die am 30. September 2026 um 08:00 Uhr ausgewiesenen Werte liegen am Pegel Konstanz unter der kritischen Marke von 300 Zentimetern. Der letzte Wert beträgt 252 Zentimeter, das 24-Stunden-Mittel 252,3 Zentimeter. Das Maximum lag in diesem Zeitraum bei 253, das Minimum bei 252 Zentimetern. Als aktueller Rekordtiefstand 2026 werden 289 Zentimeter genannt; der aktuelle Wert liegt damit 37 Zentimeter unter dem bisherigen Allzeit-Tiefstand. Für 2022 ist als vorheriger Rekordtiefstand 326 Zentimeter angegeben.

Messstelle Letzter Wert 24-Stunden-Mittel Maximum Minimum
Konstanz 252 cm 252,3 cm 253 cm 252 cm
Bregenz 256,4 cm 256,9 cm 257,9 cm 256,2 cm
Romanshorn 394,715 m ü. M. 394,719 m ü. M. 394,724 m ü. M. 394,714 m ü. M.
Berlingen 394,214 m ü. M. 394,210 m ü. M. 394,221 m ü. M. 394,204 m ü. M.
Radolfzell 204 cm 204,7 cm 205 cm 204 cm

Die eigene Jahresübersicht für den Pegel Konstanz zeigt, wie lange die Marke von 300 Zentimetern unterschritten wurde:

Jahr Minimum Tage unter 300 cm
2019 kein Minimum angegeben 14
2020 kein Minimum angegeben 13
2021 292 cm 13
2022 283 cm 77
2023 277 cm 92
2024 306 cm 0
2025 271 cm 71
2026 252 cm 154

Diese Jahresübersicht basiert ausschließlich auf den eigenen Messdaten und beginnt mit dem Start der Datenerfassung. Längere historische Zeitreihen aus LUBW- oder Pegelonline-Daten sind darin nicht eingebunden. Die Zahlen sind also kein Ersatz für eine vollständige historische Pegelreihe, machen den langen Zeitraum 2026 unter 300 Zentimetern aber ziemlich anschaulich.

Wenn sich die Uferlinie verschiebt

Mit jedem Zentimeter verändert sich die Grenze zwischen Land und Wasser. Wellen, Sedimentbewegungen und Vegetation formen die Übergangsräume neu. Kiesufer, Röhrichte, Flachwasserzonen und Strandrasen bieten dabei jeweils andere ökologische Bedingungen. Naturnahe, flache Ufer können schwankende Wasserstände besser aufnehmen als Mauern, befestigte Böschungen oder intensiv genutzte Flächen.

Bei der Uferneugestaltung in Unteruhldingen wurden Ufer abgeflacht, grobe Befestigungen durch feinere Gesteinskörnungen ergänzt und der Naturstrand erweitert. So entstand ein breiterer Übergangsraum, dessen Aussehen sich mit dem Wasserstand verändern kann. Am See braucht es dafür Raum – für Wasserstandsschwankungen, Flachwasserzonen und natürliche Uferprozesse.

Sinkt das Wasser länger, ändern sich Wassertiefe, Licht, Temperatur und Substrat. Wasserpflanzenbestände können trockenfallen. Freigelegte Kies-, Sand- und Schlammflächen schaffen neue Standortbedingungen. Flachwasserbereiche sind für Fische und wirbellose Tiere Nahrungsraum, Rückzugsort und teilweise Fortpflanzungsstätte. Werden sie kleiner, schrumpft der verfügbare Lebensraum; flaches Wasser erwärmt sich außerdem schneller und kann weniger Sauerstoff aufnehmen.

Das trifft die Arten nicht gleich. Manche profitieren zeitweise von trockenfallenden Flächen, andere verlieren geeignete Lebensräume. Kritisch wird es vor allem bei lang anhaltenden oder häufigen Niedrigwasserphasen, hohen Temperaturen und fehlenden Ausweichräumen. Vielfältige Ufer mit flachen und steileren Abschnitten, unterschiedlichen Substraten, Vegetationszonen und verbundenen Rückzugsräumen erhöhen die Anpassungsfähigkeit.

Auch an Flüssen zählt diese Verbindung. Bei der Gewässerrenaturierung in Balingen wurden Eyach, Steinach und Etzelbach in einen zusammenhängenden Grün- und Freiraum integriert; Uferbereiche wurden ökologisch aufgewertet und miteinander vernetzt. Im Schussenpark Ravensburg wurden befestigte und stark abgegrenzte Bereiche zugunsten eines stärker mit dem Fluss verbundenen Freiraums weiterentwickelt. Zugängliche Ufer, abgestufte Uferbereiche und ein aufgeweiteter Gewässerraum verbinden dort Gewässerentwicklung, Hochwasserschutz, Vegetation, ökologische Vernetzung und Parknutzung.

Wasser nicht einfach wegschicken

Niedrige Wasserstände beeinträchtigen Häfen, Stege, Badebereiche und kleinere Zuflüsse. Gleichzeitig steigt während Hitzeperioden der Wasserbedarf von Vegetation, Landwirtschaft und Bevölkerung. Eine möglichst schnelle Ableitung von Niederschlagswasser reicht angesichts von Trockenheit, Hitze, Niedrigwasser und Starkregen nicht aus.

Nachhaltiges Wassermanagement setzt deshalb auf Rückhaltung, Versickerung, Speicherung, Vegetation