Campus 1000: Saarbrücken baut 306 neue Wohnplätze für Studierende
Am Campus der Universität des Saarlandes in Saarbrücken ist am 21. Oktober 2026 der zweite Bauabschnitt des Projekts „Campus 1000“ gestartet. Am nördlichen Rand des Campus, hinter der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek, entsteht ein fünfgeschossiges Studierendenwohnhaus. 306 Wohnplätze sollen dort unterkommen – bezahlbarer Wohnraum, der für viele Studierende gerade rechtzeitig kommt.
Die Fertigstellung ist für September 2028 geplant. Die Gesamtkosten einschließlich Baunebenkosten werden derzeit auf rund 34 Millionen Euro geschätzt. Beim Spatenstich waren unter anderem Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, Wissenschaftsminister Jakob von Weizsäcker, Uni-Präsident Ludger Santen sowie Vertreter der WOGE Saar, des Studierendenwerks und des beauftragten Bauunternehmens dabei.
298 Apartments, acht davon doppelt
Das Gebäude wird 298 Apartments umfassen, darunter acht Doppelapartments. 55 Zimmer werden barrierefrei gebaut, vier Erdgeschossapartments sollen vollständig rollstuhlgerecht sein. Auf jeder Etage sind außerdem Gemeinschafts- und Aufenthaltsräume vorgesehen – also Orte, an denen man sich treffen kann, statt nur mit dem Schlüssel in der Hand durch den Flur zu huschen.
Bauherrin ist die landeseigene Wohnungsgesellschaft WOGE Saar. Mit der Umsetzung wurde die Peter Gross Hochbau GmbH & Co. KG beauftragt. Geplant sind eine Massivbauweise aus Betonfertigteilen und Mauerwerk sowie nichttragende Außenwände aus Holz. Auf das Dach kommen Begrünung und Photovoltaikmodule; versorgt wird das Haus mit Fernwärme.
Gefördert werden die Apartments mit Mitteln von Bund und Land über die Saarländische Investitionskreditbank. Ziel des Projekts ist ausdrücklich, bezahlbaren Wohnraum für Studierende zu schaffen. Das klingt sachlich, ist im Alltag aber eine ziemlich große Sache: Wer in Saarbrücken ein Zimmer sucht, weiß, wie schnell aus einer Wohnungsbesichtigung ein kleiner Hindernislauf werden kann.
Der Campus wächst Schritt für Schritt
Der erste Bauabschnitt ist bereits fertiggestellt. Er besteht aus drei Wohnhäusern mit 234 Wohnplätzen; seit Oktober läuft dort die reguläre Vermietung. Ein möbliertes Einzelapartment wurde beispielsweise für 275 Euro Kaltmiete im Monat angeboten.
Zwei weitere Bauabschnitte sollen folgen. Langfristig soll die Zahl der Studierendenwohnungen direkt auf dem Saarbrücker Campus auf mehr als 1.000 steigen. Der Projektname „Campus 1000“ ist damit ziemlich wörtlich gemeint – auch wenn bis dahin noch gebaut, geplant und vermutlich über viele Details gestritten werden muss.
Wohnraumsuche bleibt vielerorts schwierig
Wie dringend zusätzliche Plätze sind, zeigt der Blick über das Saarland hinaus. Die Wohnsituation von Studierenden unterscheidet sich je nach Hochschulstadt deutlich, die Zimmersuche gilt vielerorts als besonders schwierig. WG-Zimmer sind in Chemnitz, Jena und Dresden vergleichsweise günstig. In Berlin, Hamburg und Köln liegen die Mieten dagegen meist deutlich über der BAföG-Wohnkostenpauschale von 360 Euro. München ist mit durchschnittlich 760 Euro inklusive Betriebskosten pro WG-Zimmer die teuerste Stadt.
Öffentliche Wohnheime sind im Schnitt günstiger: Dort beträgt die Durchschnittsmiete rund 280 Euro. Interaktive Deutschlandkarten des Leibniz-Instituts für Länderkunde zeigen Mietpreise und die Versorgung mit öffentlichen Wohnheimplätzen; abrufbar sind sie unter aktuell.nationalatlas.de.
Besonders hohe Wohnheimquoten von 25 bis über 33 Prozent gibt es in kleineren ostdeutschen Hochschulstädten wie Ilmenau, Frankfurt (Oder) und Weimar. Teilweise ist das ein Überbleibsel der DDR-Zeit: 1991 lebten in den neuen Ländern noch 86 Prozent der Studierenden in Wohnheimen. In kleineren westdeutschen Hochschulstädten wie Heidelberg, Göttingen und Tübingen liegen die Versorgungsquoten teilweise bei über 15 Prozent. Berlin bildet mit 5,1 Prozent das Schlusslicht.
In anderen Großstädten führt der Mangel an Wohnheimplätzen bei gleichzeitig angespannten Wohnungsmärkten dazu, dass Studierende teilweise unter prekären Bedingungen leben. Wegen knapper Wohnungsmärkte und unzureichender Investitionen der Bundesländer in den Wohnheimbau treten zunehmend private Investoren auf. Private Wohnheime gewinnen vor allem in Großstädten mit hoher studentischer Nachfrage an Bedeutung; hohe Anteile privater Studentenapartments gibt es unter anderem in Mainz, Regensburg, München und Hamburg.
Nach Angaben des IfL lassen sich mit Zimmern für Studierende oder Berufseinsteiger häufig höhere Renditen erzielen als mit herkömmlichen Mietwohnungen. Eine Entspannung der studentischen Wohnungsmärkte ist derzeit nicht absehbar. Um günstigen Wohnraum konkurrieren Studierende außerdem mit Auszubildenden, Fernpendlern sowie Rentnerinnen und Rentnern. Wer nicht auf umfangreiche finanzielle Unterstützung zurückgreifen kann, weicht häufiger auf günstigere Hochschulstandorte aus oder bleibt bei den Eltern und studiert in Wohnortnähe.
Die Angaben zur Wohnsituation stammen aus der 2024 veröffentlichten Studie „Wohnversorgung Studierender: große Diskrepanzen zwischen den Hochschulstädten“ von Karin Wiest und Volker Bode im Rahmen von „Nationalatlas aktuell“ des IfL. In Saarbrücken wird derweil weiter gebaut. Hinter der Bibliothek wächst bald ein Haus mit vielen kleinen Türen – und hoffentlich mit weniger Absagen davor.
