An der TU Chemnitz beginnt das Wintersemester in wenigen Tagen. Für manche Studieninteressierte dürfte dabei nicht nur das Fächerangebot zählen, sondern auch die Frage: Was bleibt am Monatsende überhaupt übrig? Ein möglicher Grund für ein Studium in Chemnitz sind die vergleichsweise niedrigen Mietpreise.

Die Plattform WG-Gesucht ließ deshalb ein Institut untersuchen, wie sich günstige Mieten auf die finanzielle Situation von Studierenden auswirken können. Im Artikel der „Freien Presse“ wird Chemnitz als Stadt mit besonders günstigen durchschnittlichen Angebotsmieten bezeichnet. Konkrete weitere Ergebnisse dieser Untersuchung sind dort wegen einer Bezahlschranke nicht enthalten.

288 Euro für ein WG-Zimmer

Eine gemeinsame Untersuchung des Moses Mendelssohn Instituts (MMI) und WG-Gesucht.de verglich die durchschnittlichen WG-Zimmer-Mieten an 88 deutschen Hochschulstandorten mit jeweils mehr als 5.000 Studierenden. Die untersuchten Orte bilden rund 90,5 Prozent der etwa 2,7 Millionen Studierenden in Deutschland ab. Fern- und Verwaltungshochschulen wurden ausgeschlossen.

Chemnitz landet dabei auf Platz eins der günstigen Standorte: Durchschnittlich 288 Euro Warmmiete kostet ein WG-Zimmer. Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt lag zu Beginn des Sommersemesters bei 405 Euro. In München wurden 800 Euro ermittelt, in Frankfurt am Main 675 Euro, in Berlin 650 Euro und in Hamburg 620 Euro.

Die 288 Euro liegen unter der derzeitigen BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 Euro. Auch die Wohnheime des Studentenwerks Chemnitz-Zwickau bewegen sich darunter beziehungsweise in diesem Bereich: Je nach Typ und Ausstattung kosten die Zimmer derzeit zwischen 237,50 und 344,50 Euro.

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Bei den genannten Beträgen handelt es sich um Warmmieten. Meist sind Strom und Internet bereits dabei, ebenso die Möblierung und technische Ausstattung der Gemeinschaftsräume. Für die Studie wurden unbefristete Angebote bestehender WGs mit zwei oder drei Personen berücksichtigt; Tauschangebote blieben außen vor.

Wohnen wird vielerorts zur Rechenaufgabe

Die am 18. September 2025 veröffentlichte MMI-Analyse zeigt zugleich, wie eng die Lage andernorts geworden ist. Zum Wintersemester 2025/26 stiegen die durchschnittlichen Wohnkosten für Studierende auf 505 Euro monatlich. Im Sommersemester 2025 waren es 493 Euro, im Wintersemester 2024/25 noch 489 Euro. Gegenüber dem Sommersemester entspricht das einem Plus von 12 Euro beziehungsweise 2,4 Prozent, gegenüber dem Vorwinter von 16 Euro beziehungsweise 3,3 Prozent. Erstmals wurde damit die Marke von 500 Euro überschritten.

An den zehn größten Hochschul- und Millionenstädten blieben die Durchschnittspreise gegenüber dem vorherigen Semester nahezu unverändert. Viele mittelgroße Hochschulstädte überschritten dagegen erstmals die 500-Euro-Marke. In 70 von 88 Städten war zu Semesterbeginn kaum ein gewöhnliches WG-Zimmer innerhalb der aktuellen BAföG-Wohnkostenpauschale verfügbar. In 44 Städten, in denen 54,5 Prozent der Studierenden Deutschlands eingeschrieben sind, war öffentlich nahezu kein Zimmer für höchstens 380 Euro zu finden.

Gemessen an den Studierendenzahlen wohnen rund drei Viertel der Studierenden oberhalb dieser Pauschale. Im Koalitionsvertrag ist eine Erhöhung auf 440 Euro angekündigt. Würde sie umgesetzt, lägen noch in 44 Städten die Durchschnittspreise darüber; im günstigeren Segment wären es 25 Städte. Mehr als die Hälfte der Studierenden läge dann weiterhin über der Pauschale.

Seit 2020 sind die WG-Zimmerpreise laut WG-Gesucht.de um rund 21 Prozent gestiegen. Das Preisgefälle zwischen West- und Ostdeutschland besteht weiter, schwächt sich laut Analyse aber langsam ab. Auch ostdeutsche Hochschulstädte verzeichneten zuletzt Mietsteigerungen – allerdings ausgehend von einem niedrigeren Preisniveau.

Ostdeutsche Standorte bleiben günstiger

Die höchsten durchschnittlichen Wohnkosten nach Bundesländern wurden für Berlin mit 650 Euro, Hamburg mit 620 Euro und Bayern mit 603 Euro ermittelt. Am unteren Ende lagen Sachsen-Anhalt mit 350 Euro, Thüringen mit 362 Euro und Sachsen mit 377 Euro.

Seit 2019 stiegen die Preise besonders stark in Berlin, wo 170 Euro dazukamen, in Bayern mit einem Plus von 133 Euro und in Baden-Württemberg mit 120 Euro. Nordrhein-Westfalen lag im Durchschnitt bei 474 Euro, Niedersachsen bei 415 Euro. Zwischen den einzelnen Städten klaffen dort trotzdem große Lücken: Köln und Düsseldorf kamen jeweils auf 600 Euro, Bonn auf 525 Euro. Bielefeld lag bei 360 Euro, Hildesheim bei 362 Euro und Osnabrück bei 395 Euro.

Die aktuelle Marktbeobachtung basiert auf 10.660 Inseraten für bestehende Zwei- bis Drei-Personen-WGs auf WG-Gesucht.de. Erfasst wurden unbefristet angebotene Zimmer ohne Tauschangebote. Der Deutschlanddurchschnitt wird nach der Zahl der Studierenden an den einzelnen Hochschulstandorten gewichtet. Wie viele junge Menschen wegen hoher Wohnkosten oder fehlenden Wohnraums auf ein Studium an einem bestimmten Ort verzichten, untersucht die Analyse nicht.

Was sich ändern könnte

Das MMI nennt mehrere mögliche Hebel: Die BAföG-Wohnkostenpauschale könnte regelmäßig angepasst, der Kreis der BAföG-Berechtigten ausgeweitet und das Bundesprogramm „Junges Wohnen“ fortgeführt und ausgebaut werden. Außerdem brauche es stärkere Unterstützung für Studierendenwerke, Stiftungen und lokale Initiativen sowie eine größere Verpflichtung der Bundesländer, Wohnraum für Studierende und Auszubildende zu schaffen.

Das MMI untersucht die Wohnungsmärkte für Studierende und Auszubildende seit 2011; das Hochschulstädtescoring wird seit 2013 jährlich zum Wintersemester veröffentlicht. Für Studierende, die in diesen Tagen in Chemnitz ankommen, bleibt die Rechnung trotzdem erfreulich überschaubar: 288 Euro im Durchschnitt – und vielleicht ein bisschen mehr Luft für Mensa, Skripte oder den Kaffee, der in der Prüfungsphase garantiert nicht ausbleibt.