Heute, am 2.10.2026, lohnt sich von der TU Dresden aus ein Blick auf eine auffällige Schieflage in der deutschen KI-Landschaft: Deutschland forscht bei künstlicher Intelligenz auf internationalem Spitzenniveau, bringt Forschungsergebnisse aber vergleichsweise selten in Unternehmen. Der neue KI-Atlas des Leibniz-Instituts für Raumbezogene Sozialforschung untersucht dafür Forschung, Firmengründungen, Wagniskapital und Rechenzentren.

Die Forschung verteilt sich über viele Regionen. Das Geld sitzt dagegen vor allem in München und Berlin. Zwischen 2021 und 2025 flossen rund 5,8 Milliarden Euro nach München und 2,9 Milliarden Euro nach Berlin. Zusammen vereinten die beiden Städte damit etwa zwei Drittel aller Investitionen in deutsche KI-Unternehmen. Im Atlas heißt diese Kluft zwischen breiter Forschungslandschaft und konzentriertem Kapital „Wissenschafts-Paradoxon“.

Dresden forscht weit vorn, bleibt beim Kapital aber zurück

Für Mitteldeutschland liefert der Atlas nur wenige regionale Angaben. In seiner Rangliste erscheint – abgesehen von Berlin – keine ostdeutsche Stadt. Eine eigene Auswertung der OpenAlex-Literaturdatenbank, auf der auch der Atlas basiert, zeichnet allerdings ein anderes Bild. Zwischen 2010 und 2025 kamen aus Dresden 2.855 KI-Veröffentlichungen; das bedeutet Rang 8 unter den deutschen Städten. Leipzig folgt mit 2.746 Veröffentlichungen auf Rang 10.

Danach stehen Magdeburg mit 1.196 Veröffentlichungen und Jena mit 1.070. Es folgen Weimar, Ilmenau, Freiberg, Chemnitz, Halle und Erfurt. Die TU Dresden veröffentlichte allein 2.164 Arbeiten und gehört damit zu den zehn forschungsstärksten Einrichtungen Deutschlands. Zusammengenommen kommen die mitteldeutschen Standorte auf etwa ein Zehntel aller deutschen KI-Veröffentlichungen – einen größeren Anteil als Berlin.

Bei dieser Auswertung wurde jede Veröffentlichung dem Standort der beteiligten Einrichtung zugeordnet, nicht einer größeren Stadtregion. Umlandstandorte wie Garching bei München werden dadurch nicht mitgerechnet. Das ist ein kleines Detail, verändert aber den Blick auf die Landkarte: Wo eine Stadt endet und ihre Forschungsumgebung beginnt, ist für Statistiken eben nicht ganz nebensächlich.

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Der große Abstand beim Wagniskapital

Beim Wagniskapital fällt die Lücke zur Forschungsleistung deutlich aus. Mitteldeutschland steht für etwa 9 Prozent der KI-Forschung, erhält aber nur 0,8 Prozent des Wagniskapitals. München vereint knapp 12 Prozent der Forschung und gut 40 Prozent des Kapitals auf sich.

Aus Mitteldeutschland weist der Atlas nur Dresden mit ausgewiesenen Investitionen aus: 114 Millionen Euro. Für Leipzig, Jena, Magdeburg, Halle und Chemnitz nennt er keine Investitionen. Das heißt nicht automatisch, dass dort gar kein Geld geflossen ist; im Atlas sind für diese Städte jedenfalls keine entsprechenden Investitionen ausgewiesen.

Als mögliche Ansatzpunkte nennt der Atlas spezialisierte KI-Anwendungen. Sie könnten an bestehende Stärken in der Robotik und bei Dienstleistungen für Unternehmen anknüpfen. Gerade dort, wo Forschung nicht als möglichst große Universalmaschine verkauft werden muss, sondern ein konkretes Problem löst, könnte der Weg vom Labor in die Firma kürzer sein.

Viele Unternehmen halten sich noch zurück

Deutschlandweit nutzen laut Atlas bislang 23 Prozent der kleinen Unternehmen überhaupt eine KI-Technologie. Bei den mittleren Unternehmen sind es 36 Prozent. Zwischen wissenschaftlicher Veröffentlichung, einer Gründung und dem Einsatz in einem Betrieb liegen also weiterhin einige Schritte – und offenbar auch manche Finanzierungslücke.

Die zweite angegebene Quelle, ein PDF des KI-Verbands, enthält ausschließlich technische PDF-Rohdaten und keinen lesbaren Nachrichtenartikel. Zusätzliche belastbare Fakten lassen sich daraus deshalb nicht entnehmen. Für die Einordnung bleiben die Zahlen des KI-Atlas und der OpenAlex-Auswertung: viel Forschung an vielen Orten, während das Wagniskapital auffällig stark in München und Berlin gebündelt ist.

Von der TU Dresden aus betrachtet wirkt das fast greifbar. Hinter den 2.164 Arbeiten stehen Labore, Arbeitsgruppen und jahrelange Forschungsarbeit; auf der anderen Seite stehen Investitionsentscheidungen, die sich auf wenige Städte konzentrieren. Die Karte der Ideen ist groß. Die Karte des Geldes deutlich kleiner.