DGOU-Preis für Charité-Studie: Prähabilitation bringt gebrechlichen Hüftpatienten keinen Zusatznutzen
In Berlin ist der DGOU-Preis zur Förderung der Rehabilitationsforschung 2026 an Priv.-Doz. Dr. med. Henryk Haffer vom Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der Charité – Universitätsmedizin Berlin gegangen. Verliehen wurde die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) 2026 in Berlin.
Ausgezeichnet wurde die Studie „Prehabilitation in Primary Total Hip Arthroplasty Patients with Frailty – A Multicenter Randomized Clinical Trial“. Im Mittelpunkt standen 106 Patientinnen und Patienten ab 70 Jahren, die gebrechlich waren oder eine Vorstufe davon aufwiesen und ein künstliches Hüftgelenk benötigten. Die Untersuchung wurde randomisiert an fünf Zentren durchgeführt.
Training vor dem Hüftgelenkersatz
Ein Teil der Gruppe absolvierte vor der Operation ein dreiwöchiges, individuell angepasstes Prähabilitationsprogramm. Auf dem Plan standen Kraft- und Ausdauertraining, Gleichgewichtsübungen, Ernährungsberatung und psychosoziale Unterstützung. Außerdem wurden die Fälle interdisziplinär in einer Fallkonferenz geplant. Die Kontrollgruppe erhielt die übliche Versorgung einschließlich Rehabilitation.
Nach zwölf Monaten zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen – weder bei der Hüftfunktion noch bei Schmerzen oder Lebensqualität. Trotzdem legten die Teilnehmenden in beiden Gruppen deutlich zu: Funktion, Mobilität und Lebensqualität verbesserten sich. Der künstliche Hüftgelenkersatz erwies sich damit auch bei gebrechlichen älteren Menschen ohne Prähabilitation, aber mit entsprechender Nachbehandlung, als wirksame und sichere Behandlung.
Nach Angaben der Autoren handelt es sich um die bislang größte randomisierte Studie zu diesem Thema. Sie liefert Hinweise für die Weiterentwicklung präoperativer Versorgungskonzepte und für einen gezielten Einsatz von Ressourcen bei älteren Patientinnen und Patienten. Prof. Bernd Kladny ordnete die Ergebnisse ebenfalls so ein: Auch Studien, in denen sich kein Vorteil einer Intervention nachweisen lässt, seien methodisch wertvoll. Zugleich spreche die Untersuchung dafür, gebrechlichen Patientinnen und Patienten einen Gelenkersatz nicht vorzuenthalten.
Was hinter „Präha“ steckt
Prähabilitation, kurz „Präha“, meint den Aufbau von Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer vor einer Operation – als Gegenstück zur Rehabilitation danach. Ziel ist, körperlich gestärkt in den Eingriff zu gehen und sich anschließend schneller zu erholen. Üblicherweise trainieren Patientinnen und Patienten in den vier bis fünf Wochen vor der Operation zweimal pro Woche.
Es geht dabei nicht um riesige Muskelpakete. Im Vordergrund stehen die erneute Aktivierung und die Koordination der Muskulatur. Gerade Menschen mit Arthrose bewegen sich wegen starker Gelenkschmerzen oft zu wenig; Muskelkraft und Bewegungskoordination gehen dann zurück. Erforschung findet die Methode unter anderem beim Knie- und Hüftgelenkersatz, aber auch vor größeren Eingriffen wie einer Blasenhebung.
Bei älteren Menschen mit Frailty-Syndrom kommen verringerte Mobilität, nachlassende Körperkraft, schnelle Erschöpfung und eine insgesamt geringere Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen zusammen. Ein mögliches Training sieht etwa ein Zirkelprogramm auf Crosstrainer und Fahrrad vor: vier Minuten Belastung, eine Minute Pause, mehrere Wiederholungen, insgesamt ungefähr 30 Minuten. Beine, Hüfte, Taille und Arme werden dabei beansprucht; Balanceübungen sollen zusätzlich Bänder und Sehnen kräftigen.
Die Trainingsreize bereiten den Körper schrittweise auf die größere Belastung durch die Operation vor. Im Blut lassen sich die Auswirkungen ebenfalls beobachten: Der Stoffwechsel wird angeregt, das Herz pumpt stärker, die Durchblutung nimmt zu, Gefäßwände werden beansprucht und passen sich an, außerdem wird das Immunsystem gestärkt.
Vom Training zum ersten Schritt
Auch Krebspatientinnen und -patienten können vor einer Operation profitieren. Schon eine einmalige Stimulation kann Immunzellen aktivieren. Unterstützend lässt sich Prähabilitation laut dem zugrunde liegenden Bericht zudem während einer Chemotherapie oder Bestrahlung einsetzen.
Kleine Pilotstudien berichten, dass sich Schmerzen halbieren und die Beweglichkeit nach einer Operation verdoppeln konnte. Vor einem Hüftgelenkersatz stabilisierte regelmäßiges Training Muskeln, Sehnen und Bänder rund um die Hüfte; Schmerzmittel konnten dadurch bereits vor dem Eingriff deutlich reduziert werden. Das anschließende Laufenlernen mit dem künstlichen Gelenk ging schneller.
Wer ohne Prähabilitation in die Operation geht, braucht nach dem Eingriff etwa zwölf Wochen, um bei Kraft und Funktionalität das Niveau der zuvor Trainierenden zu erreichen. Der Vorsprung zeigt sich vor allem in den ersten Wochen – genau dann, wenn jeder Schritt noch Arbeit macht und der Körper nicht unbedingt begeistert mitspielt.
Der bereitgestellte Evaluationsbericht des Innovationsfonds enthält ausschließlich komprimierte PDF-Rohdaten und keinen lesbaren Nachrichtenartikel. Für die Einordnung der Berliner Studie standen daraus daher keine weiteren lesbaren Nachrichteninformationen zur Verfügung.
Quelle zur Auszeichnung · Evaluationsbericht des Innovationsfonds · Hintergrund zur Prähabilitation
