Frankreichs Schüler:innen protestieren gegen Kürzungen, Rassismus und Polizeigewalt
In Frankreich blockieren Schüler:innen seit einer Woche ihre Schulen. Sie protestieren gegen Kürzungen, Rassismus, Leistungsdruck und Strafen im Schulalltag – aber auch gegen ganz konkrete Missstände: fehlende finanzielle Mittel, zu wenige Lehrkräfte und den schlechten Zustand vieler Schulgebäude. Seit Ende September sind Jugendliche in mehr als 180 französischen Städten aktiv.
Am 3. Oktober 2026 um 18 Uhr sprechen Aktivist:innen aus Frankreich über die Bewegung. Die Diskussion findet in Berlin, Bremen, Flensburg, Ingolstadt, Leipzig, München und Münster sowie online statt. An der Universität Bremen ist der Treffpunkt am Eingang des MZH.
Proteste zwischen Schulhof und Polizeieinsatz
Begonnen hatten die Aktionen in Bezirken nahe Paris und in den Banlieues. Danach breiteten sie sich unter anderem nach Lille, Lyon, Grenoble und Nizza aus. Laut Bildungsministerium waren 416 Schulen von Protesten oder Störungen betroffen. An 45 Schulen gab es Blockaden, an 46 weiteren wurden Blockadeversuche gemeldet.
Die französische Regierung reagierte mit Polizeieinsätzen. Genannt werden Gummigeschosse, Taser, Schlagstöcke und Tränengas. Nach Regierungsangaben wurden 440 Menschen festgenommen. Innenminister Laurent Nuñez zufolge wird den meisten Festgenommenen Sachbeschädigung oder ein Angriff auf Ordnungskräfte vorgeworfen. Es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Verletzten, darunter auch schwer verletzte Schüler.
Das Bildungsministerium meldete 31 verletzte Schüler:innen und Beschäftigte, mindestens zehn davon aus dem Bildungswesen. Bildungsminister Édouard Geffray bezeichnete das Demonstrationsrecht als grundlegende Freiheit, betonte aber, es dürfe Gewalt nicht rechtfertigen. Wer Gewalt legitimiere oder zur Ausweitung der Blockaden aufrufe, gefährde Schüler:innen und Beschäftigte des öffentlichen Dienstes, warnte Geffray. Die Regierung kritisierte die Gewalt bei den Protesten und verteidigte das Vorgehen der Sicherheitskräfte.
Gewerkschaften sehen die Sache anders. Sie warnten davor, die Polizei gegen ihrer Ansicht nach legitime Proteste junger Menschen einzusetzen, und verurteilten Polizeigewalt gegen die Demonstrierenden. Jugendliche setzen ihre Aktionen nach Angaben der Veranstalter:innen trotz der Repressionen fort. Auch Lehrkräfte streikten gegen die Repressionen und beteiligen sich inzwischen gemeinsam mit ihren Schüler:innen an den Protesten.
Worum es den Jugendlichen geht
Die Kritik reicht von überfüllten Klassen bis zur schlechten Ausstattung der Lycées. Dazu kommen fehlende Lehrkräfte, kaputte oder sanierungsbedürftige Schulgebäude und der Eindruck, dass im Alltag immer mehr gespart und gleichzeitig mehr verlangt wird. Kürzungen, Rassismus, Leistungsdruck und Strafen im Schulalltag gehören ebenfalls zu den genannten Gründen.
Parallel war ein nationaler Streiktag im öffentlichen Dienst geplant. Im Mittelpunkt standen drohende Einsparungen in Milliardenhöhe im Haushaltsentwurf von Premierminister Sébastien Lecornu. Hintergrund ist eine französische Staatsverschuldung auf historischem Rekordniveau. Die Proteste an den Schulen treffen damit auf eine größere Auseinandersetzung über öffentliche Dienste – und auf ziemlich viel Frust, der sich nicht einfach wieder in Luft auflöst.
Diskussion am 3. Oktober
Bei der Veranstaltung soll die aktuelle Situation der Bewegung besprochen werden. Außerdem geht es darum, wie Unterstützung geleistet werden kann. Ein Video mit Angaben zur Zahl der Festgenommenen und Berichten von Betroffenen gibt zusätzlich Einblick in die Lage.
In Berlin findet die Diskussion im Rosa & Karl, Sonnenallee 152, 12059 Berlin, statt. In Bremen ist das MZH der Universität Bremen der Veranstaltungsort; Treffpunkt ist am Eingang.
Für Flensburg, Ingolstadt und Leipzig ist der Ort auf Anfrage erhältlich. In München wird als Veranstaltungsort Leviné, Astallerstraße 11, 80339 Berlin, angegeben. In Münster trifft man sich im Linken Zentrum, Achtermannstraße 19, 48143 Münster.
Wer online teilnehmen möchte oder Informationen zu den Orten in Flensburg, Ingolstadt und Leipzig braucht, soll die Veranstalter:innen per Direktnachricht oder E-Mail kontaktieren. Beginn ist überall um 18 Uhr.
