Med Berlin, 8. Oktober 2026 – Fresenius Medical Care (FMC) bekommt überraschend einen neuen Vorstandschef. Helen Giza gibt den Vorsitz kurzfristig ab und verlässt den Bad Homburger Dialysekonzern zum Ablauf des 11. Oktober. Sie hatte FMC vier Jahre lang geleitet; zuvor war sie drei Jahre Finanzvorständin. Giza ist 58 Jahre alt.

Am 12. Oktober übernimmt der 51-jährige Shervin J. Korangy. Der Aufsichtsrat bestellte ihn einstimmig. Gründe für den Wechsel nannte FMC nicht – gerade das sorgt für Gesprächsstoff, weil die Personalie am 8. Oktober bekanntgegeben wurde und ziemlich unvermittelt kommt.

Ein Manager mit Medizintechnik-Erfahrung

Korangy gehörte seit 2023 dem FMC-Aufsichtsrat an. Mit seiner Ernennung zum CEO legte er das Mandat nieder. Seine Nachfolge übernimmt Ann Custin, eine Gesundheitsmanagerin.

Zuletzt war Korangy bis Januar 2026 CEO von BVI Medical, einem US-Hersteller beziehungsweise Anbieter chirurgischer Produkte für die Augenchirurgie. Danach arbeitete er als Senior Advisor für BVI Medical und TPG Capital. Nach Angaben von FMC bringt er Erfahrung in der Führung multinationaler Unternehmen, bei globaler Expansion, Portfolioinnovation und der strategischen Transformation internationaler Organisationen mit. Für die nächste Wachstumsphase setzt der Konzern damit auf ein anderes Führungsprofil.

Aufsichtsratschef Michael Sen sagte, FMC sei unter Giza effizienter, profitabler und widerstandsfähiger geworden. Die Ziele des seit mehr als drei Jahren laufenden Transformationsprogramms seien weitgehend erreicht. Das Programm umfasst Stellenabbau, Klinikschließungen und Teilverkäufe. Bis 2027 sollen dadurch insgesamt 1,2 Milliarden Euro eingespart werden. FMC beschäftigt nach eigenen Angaben knapp 110.000 Menschen.

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Weniger Kliniken, aber noch keine Wachstumsgeschichte

Im US-Geschäft bleibt der Druck trotzdem spürbar. Laut einem Reuters-Insider vermisste der Aufsichtsrat bei Giza eine überzeugende Wachstumsstrategie. Zwar habe sie die Kosten reduziert, die schwachen Aussichten hätten Anleger jedoch enttäuscht. Gegenüber dem US-Wettbewerber DaVita büßte FMC Marktanteile beziehungsweise Wettbewerbsposition ein. Im wichtigen US-Markt kämpft der Konzern zudem mit schwachem Wachstum bei den Patientenbehandlungen.

Auch das Kliniknetz ist kleiner geworden. Ende des vergangenen Jahres umfasste es in den USA 2.622 Kliniken, weltweit betrieb FMC 3.601 Kliniken. Im zweiten Quartal schloss der Konzern im Zuge der geplanten Optimierung des US-Netzwerks etwa 100 Einrichtungen. FMC erwartet dadurch Einsparungen von 250 Millionen Euro im Gesamtjahr; bis 2027 sollen die Einsparungen auf 1,2 Milliarden Euro steigen.

Die Börse reagierte prompt. Die im DAX notierte FMC-Aktie schloss am Mittwoch rund sieben Prozent im Minus. Nach anderer Berechnung fiel der Kurs nach Bekanntgabe der Personalie um knapp fünf Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt die Aktie rund 19 Prozent im Minus. Der Wechsel an der Spitze kommt also in einer Phase, in der Kostendisziplin zwar funktioniert, die Geduld der Anleger aber sichtbar dünn wird.

Giza war seit Dezember 2022 CEO von Fresenius Medical Care und zuvor drei Jahre Finanzchefin des Konzerns. Korangy startet nun am 12. Oktober – mit Erfahrung aus der Aufsicht, einem Hintergrund in der internationalen Medizintechnik und einer ziemlich großen Aufgabe: Aus dem abgeschlossenen Umbau soll Wachstum werden.