Med Berlin, 7. Oktober 2026 – Bei Fresenius Medical Care (FMC) in Bad Homburg steht ein Wechsel an der Unternehmensspitze bevor. Vorstandschefin Helen Giza verlässt den Dialysekonzern Ende dieser Woche vorzeitig – nach knapp vier Jahren an der Spitze und drei weiteren Jahren als Finanzvorständin.

Am 12. Oktober übernimmt Shervin J. Korangy das Amt. Der 51-Jährige – in anderen Angaben wird er mit 52 Jahren geführt – wurde vom Aufsichtsrat einstimmig bestellt, einschließlich der Stimmen der Arbeitnehmervertreter. Genaue Gründe für den Führungswechsel nannte FMC nicht.

Neues Profil für die nächste Wachstumsphase

Korangy gehörte seit 2023 dem FMC-Aufsichtsrat an und legte sein Mandat nun nieder. Zuletzt war er Vorstandschef von BVI Medical, einem US-Hersteller chirurgischer Produkte beziehungsweise Spezialisten für Augenheilkunde.

Aufsichtsratschef Michael Sen sprach von einem Wendepunkt für FMC. Die Transformationsziele der vergangenen Jahre seien weitgehend erreicht, nun solle das Unternehmen von einem anderen Führungsprofil profitieren. Nach Informationen eines Insiders stand die Entscheidung im Zusammenhang mit Gesprächen über Gizas Vertragsverlängerung. Ihr Vertrag wäre 2027 ausgelaufen. Außerdem habe der Aufsichtsrat eine überzeugende Wachstumsstrategie vermisst.

Die 58-jährige Giza hatte zwar die Kosten gesenkt, mit den schwachen Aussichten aber Anleger enttäuscht. FMC verlor gegenüber dem US-Wettbewerber DaVita an Boden. Giza begründete die verhaltene Prognose mit stagnierenden Behandlungszahlen im wichtigen US-Markt und hohen Kosten für die Einführung eines neuen Dialysegeräts. Hinzu kommt, dass während der Corona-Pandemie mehr Dialysepatienten starben. Das Jahr 2026 hatte Giza als „Übergangsjahr“ bezeichnet.

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Die Börse reagiert empfindlich

Die FMC-Aktie quittierte die Nachricht zunächst mit einem deutlichen Rückgang und fiel zeitweise um mehr als 8 Prozent auf 36,71 Euro. Der geplante Turnaround des Unternehmens hatte sich bislang ohnehin nicht nennenswert im Aktienkurs niedergeschlagen.

Fresenius hatte die kriselnde Dialysesparte 2023 dekonsolidiert, unter anderem wegen der hohen Schuldenbelastung. Der frühere Mutterkonzern hält weiterhin 32 Prozent an FMC. Der jetzige Wechsel fügt sich zudem in eine Reihe von Neubesetzungen im Fresenius-Konzern ein: Michael Sen übernahm im Oktober 2022 den Vorstandsvorsitz bei Fresenius von Stephan Sturm. Kurz darauf wurde Carla Kriwet nach rund zwei Monaten als FMC-Chefin durch Helen Giza ersetzt.

FMC beschäftigt nach eigenen Angaben fast 110.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für sie beginnt nun eine neue Etappe – mit Korangy an der Spitze und ziemlich viel Erwartungsdruck im Gepäck.

Ein globaler Dialyseanbieter unter Druck

Fresenius Medical Care, ISIN DE0005785802, wurde 1996 gegründet und gilt als weltweit größter Anbieter von Dialyseprodukten und -dienstleistungen. Zum Portfolio gehören unter anderem Dialysegeräte und Verbrauchsmaterialien. Außerdem betreibt das Unternehmen zahlreiche Dialysezentren weltweit und versorgt Menschen mit chronischem Nierenversagen.

Der Bedarf an Dialyseleistungen steigt, weil die Bevölkerung älter wird und die Raten von Diabetes und Bluthochdruck zunehmen. FMC profitiert damit grundsätzlich von der wachsenden Nachfrage nach langfristigen Behandlungslösungen. Gleichzeitig bleibt das Geschäft empfindlich: Die Abhängigkeit von bestimmten Märkten und Regionen kann die operative Entwicklung und den Aktienkurs beeinflussen, ebenso regulatorische Risiken durch neue Gesundheitsvorschriften und der zunehmende Wettbewerb.

Zur Strategie gehören Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie die Entwicklung neuer Produkte. Die globale Präsenz soll durch Akquisitionen wachsen. Auch die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung spielt eine Rolle, etwa durch Telemedizin.

Für die finanzielle Gesundheit sind Verschuldung und Liquidität wichtige Kennzahlen. Bei der Rentabilität werden unter anderem das Kurs-Gewinn-Verhältnis und die Eigenkapitalrendite betrachtet. Laut der Einordnung von Hyperspecs verzeichnete FMC in den vergangenen Jahren kontinuierliches Umsatzwachstum und eine solide Gewinnmarge. Analysten bewerten die Aktie dennoch unterschiedlich: Einige sehen weiteres Wachstumspotenzial, andere bleiben wegen der bestehenden Risiken vorsichtig.

Wie sich der Kurs entwickelt, hängt damit an mehreren Fäden – an der finanziellen Performance, den Marktbedingungen und daran, ob Korangy die strategischen Ziele tatsächlich umsetzen kann. Eine laufende Marktbeobachtung und Risikomanagement bleiben nötig. Ein langfristiger Anlageansatz könnte sich lohnen, sofern die Strategie aufgeht und die Nachfrage nach Dialyseversorgung anhält.

Quelle 1: n-tv · Quelle 2: manager magazin · Quelle 3: Hyperspecs