Seit dem 15. Mai 2026 ist im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo ein Ebolafieber-Ausbruch bekannt. Heute, am 29.09.2026, melden die Gesundheitsbehörden 8.067 laborbestätigte Fälle und 3.901 Todesfälle. 2.070 Menschen sind genesen, 773 befinden sich in Isolation oder Behandlung. Betroffen sind sieben Provinzen.

Der Ausbruch wird durch das Bundibugyo-Virus verursacht und gilt inzwischen als zweitgrößter Ebola-Ausbruch weltweit – nach der Epidemie in Westafrika von 2014 bis 2016. Nach Angaben der WHO handelt es sich zugleich um den bislang größten Ebolafieber-Ausbruch in der Geschichte der DR Kongo. Laut Africa CDC ist bisher kein Ebola-Ausbruch in einem vergleichbaren Zeitraum so schnell gewachsen.

Krieg, Flucht und verspätete Behandlung

Das Zentrum und der mutmaßliche Ursprung liegen in Ituri und Nord-Kivu. Inzwischen sind weitere Provinzen betroffen. Die WHO meldete 63 betroffene Gesundheitszonen in sieben Provinzen; neu hinzugekommen sind Bulu in Sud-Ubangi und Dungu in Haut-Uele an der Grenze zum Südsudan.

Die Entwicklung verläuft nicht überall gleich. In Ituri sank die Zahl der Fälle innerhalb von drei Wochen um 25 Prozent, in der benachbarten Provinz Nord-Kivu stieg sie im selben Zeitraum um 56 Prozent. Bis zum 23. September hatte der Kongo 7.890 bestätigte Fälle und 3.799 Todesfälle gemeldet. Die späteren Angaben bis zum 26. September liegen damit deutlich höher.

In Nord-Kivu kam es laut UN zuletzt wieder verstärkt zu Kämpfen. Tausende Menschen flohen oder wurden vertrieben, in der Region sind etwa 100 bewaffnete Gruppen aktiv. Für viele ist schon der Weg zum Gesundheitszentrum ein Risiko. Sie warten deshalb, suchen Hilfe erst spät auf – und kommen dann häufig mit schwereren Krankheitsverläufen. Das erhöht die Sterblichkeit.

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Auch die Kontaktverfolgung bleibt ein mühsames Geschäft. Africa CDC schätzt, dass pro Ebola-Fall etwa 60 Kontakte erfasst werden müssten; derzeit sind es im Durchschnitt nur 20. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte, Konflikte und Vertreibungen erschwerten den Zugang des Gesundheitspersonals zu betroffenen Gemeinden und die Suche nach möglichen Kontaktpersonen. Beengte Lebensverhältnisse erhöhen zusätzlich das Übertragungsrisiko.

Nach Angaben von Tedros gingen die Fallzahlen zuletzt zurück. Kontaktverfolgung, sichere Bestattungen und die Einbindung der Bevölkerung hätten sich verbessert. Trotzdem verläuft die Übertragung in den betroffenen Gebieten weiterhin uneinheitlich. Eingeschränkter Zugang kann dazu führen, dass Kontaktpersonen gar nicht erst ermittelt werden.

Ein Virus ohne passenden Impfstoff

Ebola ist eine lebensbedrohliche, hochansteckende Krankheit. Übertragen wird sie durch Körperkontakt und Körperflüssigkeiten; möglich sind Fieber, Durchfall und Blutungen. Beim Bundibugyo-Typ gibt es bislang keinen zugelassenen Impfstoff und keine zugelassenen Medikamente oder speziellen Therapien. Das erschwert die Bekämpfung – und kann Menschen zusätzlich zögern lassen, ein Behandlungszentrum aufzusuchen.

Das Bundibugyo-Virus ist seit 2007 bekannt. Damals wurden 131 laborbestätigte Fälle registriert, 2012 waren es 38. Die festgestellte Letalität lag bei 30 bis 40 Prozent und damit unter der des häufiger auftretenden Zaire-Stamms. Wie viele Erkrankte sterben, hängt bei Ebola allerdings wesentlich von der Qualität der unterstützenden medizinischen Behandlung ab. Laut WHO verläuft eine Infektion statistisch in etwa der Hälfte der Fälle tödlich.

Seit Juli laufen klinische Studien zu zwei antiviralen Behandlungen. Im Ausbruchsgebiet wurde eine Behandlungsstudie mit vielversprechenden Substanzen begonnen, außerdem befindet sich ein Impfstoffkandidat in der Phase-1-Testung. Die WHO arbeitet daran, klinische Studien zu Impfstoffen und Therapien zu beschleunigen.

In der vergangenen Woche begannen Testimpfungen. Für eine klinische Studie in Ituri wurden 20.000 Dosen des Impfstoffs Ervebo bereitgestellt. Untersucht werden soll, ob Ervebo gegen die aktuell zirkulierende Bundibugyo-Variante schützt – bislang ist ein Schutz nur gegen die Zaire-Variante nachgewiesen. Erprobt wird der Impfstoff an Gesundheitspersonal, das dem Virus besonders stark ausgesetzt ist.

Ervebo ist für Ausbrüche der Ebola-Viruskrankheit, früher Zaire-Ebolavirus genannt, zugelassen und empfohlen. Zwei weitere Studien prüfen, ob der Impfstoff auch gegen den Bundibugyo-Typ schützt. Dass ausgerechnet jetzt so vieles noch offen ist, macht die Lage für die Helferinnen und Helfer vor Ort nicht leichter.

Risiko für Nachbarländer und Europa

Einzelne Fälle wurden zunächst auch im benachbarten Uganda diagnostiziert; der dortige Ausbruch gilt inzwischen als beendet. Länder mit Landgrenze zur DR Kongo gelten wegen der Bevölkerungsmobilität, von Handels- und Reiseverbindungen sowie der epidemiologischen Unsicherheit als stark gefährdet für eine weitere Ausbreitung.

Das ECDC bewertet das Risiko für Menschen in der EU dagegen als sehr gering. Eine Einschleppung und eine Sekundärübertragung in Europa gelten als sehr unwahrscheinlich. Die WHO empfiehlt anderen Staaten, angesichts der Lage keine Grenzen zu schließen und keine Reise- oder Handelsbeschränkungen zu verhängen. Das Auswärtige Amt warnt dennoch vor Reisen in die betroffene Region.

Im Mai 2026 rief die WHO eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite, kurz PHEIC, aus. Die WHO koordiniert die internationale Unterstützung im Ausbruchsgebiet und in den Nachbarländern. Das Robert Koch-Institut ist über internationale Netzwerke eingebunden, darunter WHO-Kooperationszentren für neu auftretende Infektionskrankheiten und biologische Gefahren, das Global Outbreak Alert and Response Network (GOARN) sowie Emergency Medical Teams (EMT). Diese Strukturen unterstützen und koordinieren Maßnahmen bei nationalen und internationalen Gesundheitskrisen.

Was Deutschland vorbereitet

Zwei US-Amerikaner infizierten sich bei Hilfseinsätzen im Ausbruchsgebiet mit dem Bundibugyo-Virus. Sie wurden nach Deutschland evakuiert und unter kontrollierten Bedingungen in STAKOB-Behandlungszentren versorgt: eine Person in der Berliner Charité, eine am Universitätsklinikum Frankfurt. Für die Bevölkerung bestand dadurch kein Risiko. Beide Patienten sind inzwischen genesen und aus der Behandlung entlassen. Schon während des Ebola-Ausbruchs in Westafrika 2014/15 waren mehrere evakuierte Hilfskräfte in deutschen STAKOB-Zentren behandelt worden.

STAKOB ist das bundesweite Expertennetzwerk für die Behandlung und Versorgung von Patienten mit Erkrankungen durch hochpathogene Erreger. Die Geschäftsstelle befindet sich am RKI; der Arbeitskreis hat auch Empfehlungen zu Therapie und Prophylaxe von Ebolafieber veröffentlicht.

Für deutsche Ärztinnen und Ärzte liegen mehrere Anlaufstellen bereit. Das RKI stellt unter www.rki.de/ebolafieber die WHO-Karte der aktuellen Ausbruchsgebiete, Hinweise für zurückkehrende Hilfskräfte, Informationen für Reisende aus dem Nordosten der DR Kongo und angrenzenden Regionen sowie ein Flussschema zu Maßnahmen bei Ebolafieber-Verdacht bereit. Außerdem empfiehlt das Institut, mehrsprachige Informationsposter gut sichtbar in den Ankunftsbereichen deutscher Flughäfen auszuhängen.

Bei fiebernden Personen mit Verdacht auf eine aus dem Ausbruchsgebiet eingeschleppte virale hämorrhagische Infektion soll immer auch an Malaria gedacht werden. Sie muss unverzüglich behandelt werden. Das RKI stellt dafür Hinweise zur Malaria-Diagnostik bei Verdacht auf virales hämorrhagisches Fieber bereit. Das RKI-Rahmenkonzept zu Ebola bündelt Informationen, Empfehlungen und Regelungen zum seuchenhygienischen und klinischen Management in Deutschland.

Die Ebola-Diagnostik erfolgt in spezialisierten Laboren: im Konsiliarlabor für Filoviren an der Universität Marburg, im Nationalen Referenzzentrum für tropische Infektionserreger am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und im Speziallabor für hochpathogene virale Erreger am RKI. Das Institut veröffentlicht außerdem Hinweise zur Diagnostik des Bundibugyo-Virus. Weitere Informationen bietet die Ebola-Website des RKI unter www.rki.de/ebola.

Ein Ausbruch als Warnsignal

Tedros forderte die Länder auf, ihre Vorbereitung