Wohnraummangel zum Semesterstart: Berliner Studierende warten bis zu ein Jahr auf ein Zimmer
Am 29. September 2026, kurz vor dem offiziellen Start des Wintersemesters, drehen sich die Gespräche unter neuen Studierenden in Berlin, Brandenburg und an der Uni Frankfurt nicht nur um Stundenpläne und Seminarräume. Es geht um ein Zimmer, um eine warme Mahlzeit und um die Frage, wo man nach der Vorlesung noch hingehen kann.
Das Wintersemester beginnt in Berlin und Brandenburg offiziell am 1. Oktober. An den meisten Hochschulen startet die Vorlesungszeit am 12. Oktober, unter anderem an der Humboldt-Universität, der Freien Universität Berlin, der Technischen Universität Berlin, der Universität Potsdam und der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).
Zimmer gesucht, Warteliste gefunden
Viele Hochschulstandorte haben Wohnheime in Hochschulnähe. Der Haken liegt, wie so oft, in der Verfügbarkeit: Die Wartelisten sind lang. Zum Semesterstart könnten in Potsdam etwa 600 Bewerberinnen und Bewerber leer ausgehen, in Cottbus mehr als 500.
In Potsdam wurde auf dem Campus Golm ein neues Wohnheim eröffnet. Erste Studierende zogen bereits im Juni ein. Zur Auswahl stehen Einzimmer-Apartments, Zweier-WGs und Familien-Apartments. Westbrandenburg verfügt über 3.606 Wohnheimplätze, das Studierendenwerk Ost an vier Hochschulstandorten über 3.776 und Berlin über 9.124.
In Berlin standen Ende September rund 4.000 Studierende auf der Warteliste; kurz vor Semesterbeginn war die Zahl erneut gestiegen. Die Wartezeit beträgt etwa ein Jahr. Eine weitere Erhebung nennt 4.763 Bewerberinnen und Bewerber bei 9.200 Plätzen des Berliner Studierendenwerks – Ende September war dort kein Platz frei.
Die durchschnittliche monatliche Miete liegt in Berlin bei 352 Euro, in Ostbrandenburg bei 262 Euro und in Westbrandenburg bei 330 Euro. In den Berliner Wohnheimen kosten Zimmer mit 10 bis 25 Quadratmetern zwischen 347 und 422 Euro. Küche und Bad werden dabei mit bis zu 14 weiteren Bewohnerinnen und Bewohnern geteilt. Etwas, worüber man beim Besichtigungstermin vielleicht lieber zweimal nachdenkt.
Eine Alternative ist das Programm „Wohnen für Hilfe“. Es vermittelt Studierende an Privathaushalte. Die Studierenden unterstützen die dort lebenden Menschen im Alltag und zahlen als Gegenleistung meist nur die Nebenkosten.
Mensa, Backshop und ein ziemlich günstiges Mittagessen
Wer morgens aus dem Wohnheim stolpert, landet nicht selten erst einmal bei Kaffee und belegtem Brötchen. Das Berliner Studierendenwerk betreibt Dutzende Mensen, Mensa-Backshops und Mensa-Coffeebars und versorgt täglich etwa 22.000 Gäste. Das günstigste Tagesgericht kostet 1,75 Euro.
In Westbrandenburg ist das vegetarische und vegane Angebot weiterhin besonders gefragt. Sieben Einrichtungen bieten zusätzlich Frühstück, warme Gerichte, Snacks und Getränke an. Im vergangenen Jahr gingen dort insgesamt 1.169.939 Essen über die Ausgabe, knapp 5.000 Portionen pro Öffnungstag. Das günstigste Essen kostet 2,15 Euro – der Geruch von warmem Mittagessen gehört damit für viele genauso zum Campus wie das hektische Blättern in den Unterlagen.
Nach der Vorlesung: Sport, Bühne und Pop-Chor
Freizeit beginnt nicht erst am Wochenende. Hochschulsportarten wie Yoga, Basketball und Handstand-Training bringen Bewegung in den Stundenplan – manchmal auch Muskelkater in den nächsten Morgen.
Die Studierendenwerke betreiben außerdem Probenräume für Musik, Studentenclubs und Kulturstätten. In Cottbus zeigt die Kleinkunstbühne „Bühne acht“ eigene Theaterstücke. Das „Stuck“ in Frankfurt (Oder) bietet Räume für Veranstaltungen und kulturellen Austausch.
In Berlin gibt es Theater- und Improgruppen sowie Musical-, Zeichen- und Tanzkurse. Wer lieber auf die Bühne geht, kann bei der Talentshow „Mix It! Open Stage“ mitmachen oder im Pop-Chor „Unität“ singen. Mehr als 200 Mitglieder hat der Chor – da fällt eine schiefe Note vielleicht nicht sofort auf.
Wohnraummangel ist kein Berliner Sonderfall
Wie eng der Wohnungsmarkt für Studierende geworden ist, zeigt der Blick nach Schleswig-Holstein. Im laufenden Wintersemester gingen beim Studentenwerk 3.313 Bewerbungen auf öffentlich geförderte Wohnheimplätze ein: mehr als 300 Bewerbungen mehr als im Vorjahr und rund 500 mehr als vor zwei Jahren. Landesweit stehen mehr als 1.500 Personen auf den Wartelisten, in Kiel 771, in Lübeck 564 und in Flensburg 209.
Als Gründe werden Inflation, steigende Mieten auf dem privaten Wohnungsmarkt, insgesamt zu wenig preisgünstiger Wohnraum und die schlechtere finanzielle Lage vieler Studierender genannt. Das Studentenwerk beschreibt die Lage als angespannter und verweist auf die gestiegenen Kosten für Wohnungen und Wohngemeinschaften.
Berlin will das Angebot ausbauen. Das landeseigene Bauunternehmen Berlinovo wollte bis Ende 2026 weitere 700 Plätze fertigstellen. In den folgenden drei Jahren sollen 3.550 weitere Plätze entstehen. Das Berliner Studierendenwerk plant außerdem ein Wohnheimprojekt am Aristotelessteig mit 176 Plätzen. Die Planung ist abgeschlossen, für die Umsetzung fehlen laut Studierendenwerk allerdings die finanziellen Mittel. Die Baukosten werden auf 23 Millionen Euro geschätzt.
In Berlin leben etwa fünf Prozent der Studierenden in Wohnheimen, im Bundesdurchschnitt sind es zehn Prozent. Die Vergleichszahlen beziehen sich auf die Jahre 2018 bis 2020. An Berliner Hochschulen sind etwa 200.000 Studierende eingeschrieben. Rund 80 Prozent der Plätze des Berliner Studierendenwerks werden von internationalen Studierenden genutzt.
Thüringen meldet keinen vergleichbaren Mangel an studentischem Wohnraum. Dort werden rund 17 Prozent der Studierenden in öffentlich geförderten Wohnheimen untergebracht. Nach Angaben eines Ministeriumssprechers belegt das Thüringer Studierendenwerk damit wie seit Jahren den ersten Platz unter den 57 Studierendenwerken in Deutschland. Die Nachfrage bleibt wegen der vergleichsweise niedrigen Mieten hoch. Das Studierendenwerk betreibt rund 8.000 Wohnheimplätze in 71 Wohnanlagen, die durchschnittliche Warmmiete beträgt 245 Euro. Die meisten Plätze gibt es in Jena: rund 3.000.
Datenschutz bei „Wohnen für Hilfe“
Zum Programm „Wohnen für Hilfe“ gehören auch Hinweise zum Umgang mit personenbezogenen Daten. Aufnahmen werden zeitlich unbegrenzt gespeichert. Die Speicherung endet beziehungsweise wird eingeschränkt, wenn die betroffene Person ihre Einwilligung widerruft, der Verarbeitung widerspricht oder die Löschung ihrer personenbezogenen Daten verlangt.
Danach dürfen die Daten nur noch so lange gespeichert werden, wie dies gesetzlich vorgeschrieben oder erlaubt ist – etwa zum Nachweis der Rechtmäßigkeit bereits erfolgter Veröffentlichungen. Bei Veröffentlichungen im Internet, insbesondere in sozialen Medien, ist eine vollständige Entfernung möglicherweise nicht mehr möglich. Dritte könnten Kopien der veröffentlichten Daten erstellt haben.
Wer eingewilligt hat, kann die Einwilligung jederzeit widerrufen. Der Widerruf berührt nicht die Rechtmäßigkeit der Verarbeitung, die bis zum Widerruf erfolgt ist. Nach einem Widerruf werden die Aufnahmen nicht mehr neu verwendet; bereits produzierte Printmedien werden jedoch noch aufgebraucht.
Einwilligende haben das Recht auf Auskunft über ihre personenbezogenen Daten, Berichtigung, Löschung, Einschränkung der Verarbeitung, Widerspruch gegen die Verarbeitung, Datenübertragbarkeit und Beschwerde bei einer Aufsichtsbehörde. Name, Anschrift und Kontaktdaten des Studierendenwerks West:Brandenburg stehen auf der ersten Seite. Der betriebliche Datenschutzbeauftragte ist unter der dort genannten Anschrift oder per E-Mail an datenschutz@stwwb.de erreichbar.
