Am 4. Oktober 2026 ist Jürgen Klopp an der Goethe-Universität Frankfurt ein Rückkehrer mit ungewöhnlich großer Fußballbiografie. Seit Juli arbeitet der 59-Jährige als Bundestrainer, die DFB-Zentrale liegt in Frankfurt. Sein Weg dorthin führte allerdings nicht schnurgerade über große Stadien, sondern zunächst durch Hörsäle, Sporthallen und eine „zuckersüße Cafeteria“.

In den 1990er-Jahren studierte Klopp Sportwissenschaften an der Goethe-Universität und spielte parallel beim FSV Mainz 05 in der 2. Bundesliga. Frankfurt wurde für ihn zur prägenden Lebensphase: Er lernte einige seiner bis heute engsten Freunde kennen und übernahm schon während des Studiums Aufgaben, die in Richtung Trainerarbeit gingen. „Sehr schöne“ Jahre seien das gewesen, sagte er rückblickend.

Schwimmen, Reck und die Weichbodenmatte

Mit den praktischen Prüfungen hatte Klopp zunächst seine liebe Mühe. Beim Schwimmen fiel er durch, bestand die Prüfung aber im zweiten Versuch. Auch das Turnen lag ihm nicht gerade im Blut, besonders das Reck. Geräteturnen ließ er schließlich ganz weg. Beim Stabhochsprung sah er sich wegen seiner Körpergröße im Nachteil.

Theoretische Inhalte bereiteten ihm deutlich weniger Probleme. An Sommertagen lernte er mit Kommilitonen an der Hochsprunganlage. Eigentlich war Lernen geplant; gelegentlich schlief die Gruppe aber auf einer Weichbodenmatte ein. Dazu die Cafeteria, Hitze, Sportplatzluft – viel mehr Studentenleben geht kaum.

Sein früherer Dozent Dietmar Schmidtbleicher beschrieb Klopp als engagierten Studenten mit klaren beruflichen Vorstellungen. Besonders interessierte er sich für Trainings- und Bewegungswissenschaften: für die Verbesserung von Bewegungsabläufen, Ausdauer- und Krafttraining sowie die Förderung von Spielern mit Koordinationsproblemen. Außerdem arbeitete er in einer Forschungsgruppe zu Kreuzbandverletzungen und Rehabilitation mit.

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Schmidtbleicher zufolge war Klopp stark auf Fußball fokussiert und wusste stets genau, was er wollte. Bei einer mündlichen Prüfung soll er auf eine schwierige Frage pragmatisch reagiert haben: „Fragen Sie mich doch lieber etwas, das ich weiß.“ 1995 schloss Klopp sein Diplom in Sportwissenschaften ab.

Vom aktiven Spieler zum Trainer in Mainz

Der Schritt an die Seitenlinie kam am 27. Februar 2001. Nach der Entlassung von Eckhard Krautzun wurde der noch aktive Mainz-05-Spieler zum Interimstrainer ernannt. Eine Trainerlizenz hatte Klopp zunächst nicht. Dafür brachte er sein Sportwissenschaftsstudium, Kenntnisse in Taktik und Trainingslehre und offenbar eine ziemlich klare Vorstellung davon mit, wie Fußball aussehen sollte.

Schon am 28. Februar gewann Mainz Klopps erstes Spiel als Trainer mit 1:0 gegen den MSV Duisburg. Sechs der ersten sieben Ligaspiele gingen an Mainz, das als Tabellen-14. den Klassenerhalt schaffte. Klopp blieb Cheftrainer und machte Željko Buvač zu seinem Assistenten.

2001/02 wurde Mainz überraschend Herbstmeister und belegte am Saisonende Rang vier. Der Aufstieg platzte am letzten Spieltag nach einem 1:3 bei Union Berlin; in der Saison 2002/03 wurde Mainz erneut Tabellenvierter und verpasste die Bundesliga wegen einer um ein Tor schlechteren Tordifferenz. 2003/04 war es dann so weit: Mainz stieg erstmals in die Bundesliga auf. Anschließend erwarb Klopp an der Sporthochschule Köln die Fußballlehrer-Lizenz.

In den Bundesligasaisons 2004/05 und 2005/06 landete Mainz jeweils auf Platz elf. Über die UEFA-Fair-Play-Wertung qualifizierte sich der Verein für den UEFA-Pokal. Gegen FK Mika Aschtarak folgte ein 4:0 und ein 0:0, gegen ÍB Keflavík gewann Mainz zweimal 2:0. In der ersten Runde war gegen den späteren Sieger FC Sevilla Schluss: 0:0 und 0:2. 2006/07 stieg Mainz als Tabellen-16. wieder in die 2. Bundesliga ab. Nach dem knapp verpassten Wiederaufstieg 2007/08 endete Klopps Zeit in Mainz am 30. Juni 2008.

Dortmund, Liverpool – und Titel unter Druck

Am 1. Juli 2008 übernahm Klopp Borussia Dortmund als Nachfolger von Thomas Doll. Der zuvor abstiegsgefährdete BVB wurde 2008/09 Sechster, 2009/10 Fünfter und qualifizierte sich für die Europa League. 2010/11 und 2011/12 folgten die deutschen Meisterschaften.

2012 stellte Dortmund mit 81 Punkten einen Bundesliga-Rekord auf und schlug Bayern München im DFB-Pokalfinale 5:2. Das erste Double der Vereinsgeschichte war perfekt. Ein Jahr später verlor der BVB das Champions-League-Finale gegen Bayern mit 1:2, 2013/14 ging auch das DFB-Pokalfinale gegen München verloren – 0:2 nach Verlängerung. Klopps Verträge wurden 2012 bis 2016 und 2013 bis 2018 verlängert.

Nach einer schwachen Hinrunde 2014/15, in der Dortmund zeitweise Letzter war, vereinbarten Klopp und der Verein im April 2015 die vorzeitige Trennung. Sein letztes BVB-Spiel war das DFB-Pokalfinale am 30. Mai 2015, das Dortmund gegen den VfL Wolfsburg mit 1:3 verlor. Die Saison endete auf Platz sieben, immerhin mit der Qualifikation für den internationalen Wettbewerb.

Am 8. Oktober 2015 übernahm Klopp den FC Liverpool vom entlassenen Brendan Rodgers. Željko Buvač und Peter Krawietz nahm er mit. 2015/16 wurde Liverpool Achter und verlor die Finals im Ligapokal gegen Manchester City sowie in der Europa League gegen den FC Sevilla. 2016/17 und 2017/18 belegte der Klub jeweils Platz vier; das Champions-League-Finale 2018 gegen Real Madrid ging mit 1:3 verloren. Klopps Vertrag wurde 2016 bis 2022 verlängert.

2018/19 wurde Liverpool mit 97 Punkten Vizemeister hinter Manchester City. Am 1. Juni 2019 gewann das Team die Champions League mit 2:0 gegen Tottenham Hotspur. Im August folgte der UEFA Super Cup gegen Chelsea im Elfmeterschießen, im Dezember erstmals die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft.

Die Saison 2019/20 war dann englische Fußballgeschichte. Liverpool verlor erst am 28. Spieltag, wurde am 31. Spieltag – sieben Spieltage vor Saisonende – zum 19. Mal englischer Meister und holte den ersten Premier-League-Titel des Vereins. Die erste Meisterschaft seit 1990 endete mit 99 Punkten, 32 Siegen, drei Unentschieden und drei Niederlagen. Klopp wurde FIFA-Welttrainer des Jahres und Premier-League-Trainer der Saison.

2020/21 wurde Liverpool Dritter und schied im Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid aus. 2021/22 gewann der Klub Ligapokal und FA Cup, beide Finals gegen Chelsea im Elfmeterschießen, wurde in der Liga aber Zweiter hinter Manchester City und verlor das Champions-League-Finale 0:1 gegen Real Madrid. Im April 2022 verlängerte Klopp seinen Vertrag vorzeitig bis 2026.

2022/23 gewann Liverpool den englischen Supercup gegen Manchester City, wurde in der Liga jedoch nur Fünfter und verpasste erstmals seit 2016 die Champions League. Im Achtelfinale war gegen Real Madrid Schluss. Ende Januar 2024 kündigte Klopp seinen Abschied zum Saisonende an: Ihm fehle zunehmend die Energie für die Tätigkeit. Liverpool wurde 2023/24 Dritter hinter Manchester City und Arsenal. Der Ligapokalsieg im Februar 2024 war Klopps achter und letzter Titel mit Liverpool; im Sommer beendete er seine Arbeit beim Klub.

Red Bull, DFB und ein neuer Arbeitsplatz in Frankfurt

Am 9. Oktober 2024 wurde bekannt, dass Klopp ab dem 1. Januar 2025 als „Head of Global Soccer“ für Red Bull arbeiten werde. Seine Aufgaben: das internationale Fußballnetzwerk betreuen, die Spielphilosophie weiterentwickeln, scouten und Trainerfragen begleiten. Zum Netzwerk gehörten unter anderem RB Leipzig, RB Salzburg, New York Red Bulls, RB Ōmiya Ardija und Red Bull Bragantino.

Im Zuge seines Wechsels zum DFB gab Klopp das Amt vorzeitig auf; der Vertrag wäre bis 2029 gelaufen. Am 15. August 2026 wurde er zum 13. Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft ernannt. Deutschland war zuvor bei der Welt