Das Mainzer Zukunftszertifikat der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) erhält die Hochschulperle des Stifterverbands für Oktober. Die Auszeichnung wurde am 29. Oktober 2026 bekannt – und passt zu einem Programm, das Studierende nicht nur über Klimakrise und Nachhaltigkeit reden lässt, sondern sie mit eigenen Projekten ins Tun bringt.

Offen ist das universitäre Studienprogramm für Studierende aller Fachrichtungen, unter anderem aus Naturwissenschaften, Politik-, Kunst- und Wirtschaftswissenschaften. Es vermittelt den aktuellen Forschungsstand und Lösungsmöglichkeiten, praktische Erfahrungen sowie interdisziplinäre und beruflich relevante Kompetenzen. Wer erfolgreich abschließt, bekommt 12 ECTS und ein offizielles Zeugnis der JGU.

Drei Schritte vom Wissen zur eigenen Idee

Das Zertifikat gliedert sich in die Bereiche „Orientieren“, „Vertiefen“ und „Anwenden“. Im ersten Baustein besuchen die Teilnehmenden die interdisziplinäre Vorlesungsreihe „VOICES FOR CLIMATE“. Sie führt in Klimakrise und Nachhaltigkeit ein, verbindet interaktive Inputs mit Diskussions- und Fragerunden und nimmt Lösungsstrategien für aktuelle Zukunftsfragen in den Blick. Dafür gibt es 2 ECTS.

Beim „Vertiefen“ wählen die Studierenden zwei fachliche Lehrveranstaltungen aus mehr als zehn Fachdisziplinen beziehungsweise aus den Bereichen Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften. Mindestens eine Veranstaltung muss aus einer anderen Fachdisziplin als dem eigenen Studienfach stammen. So kommen unterschiedliche Blickwinkel zusammen – manchmal vermutlich auch ziemlich querbeet.

Inhaltlich geht es um natur- und sozialwissenschaftliche Grundlagen des Klimawandels, ökologische und soziale Folgen der Klimakrise, soziale Ungleichheiten und soziale Gerechtigkeit. Dazu kommen gesellschaftliche Verantwortung, Transformation und nachhaltiges Handeln, kunst- und kulturwissenschaftliche Perspektiven sowie technologische, ökonomische, soziale und strukturelle Lösungen. Auch Zusammenarbeit und demokratische Partizipation gehören dazu. Für diesen Bereich werden 4 ECTS vergeben.

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Konkrete Lernangebote sind etwa das Wald-Zukunfts-Coaching, in dem Studierende eigene Waldführungen entwickeln. Im Escape Game Lab auf dem Gutenberg-Campus entstehen Lernspiele zu Klima- und Nachhaltigkeitsthemen; gefördert wurde das Lab von der Wilhelm-Else-Heraeus-Stiftung.

Der dritte Baustein heißt „Anwenden“ und umfasst 6 ECTS. Im „CLIMATE LAB“ arbeiten fächerübergreifende Kleingruppen an eigenen Nachhaltigkeitsprojekten. Dafür können sie eine eigene Idee mitbringen oder einen vorhandenen Ideenpool nutzen und Kontakt zu universitären sowie externen Partner:innen aufnehmen. „CREDITS FOR CLIMATE ACTION“ bietet alternativ die Mitarbeit in einer Initiative zu Klimakrise und Nachhaltigkeit. Dabei wird Studienwissen praktisch eingesetzt, ergänzt um Kompetenzen und Erfahrungen außerhalb der Universität.

Mehr als Klimawissen

Das Programm zielt auf interdisziplinäres Denken, Kommunikation, Teamarbeit und Problemlösung. Studierende sollen Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Akteur:innen und Systemen analysieren, Nachhaltigkeitswissen aus mehreren Perspektiven erwerben, beurteilen und vermitteln sowie nachhaltigkeitsbezogene Ideen und Innovationen entwickeln und umsetzen.

Auch Gruppenlösungen zu nachhaltigkeitsbezogenen Fragen werden geplant und realisiert. Hinzu kommen die Fähigkeit, Zukunftsentwicklungen, Risiken und Potenziale zu bewerten, eigene Handlungsmöglichkeiten für gesellschaftlichen Wandel auf lokaler und globaler Ebene zu erkennen und die eigenen, fremden sowie gemeinsamen Werte, Denkweisen und Handlungen zu reflektieren. Gesellschaftliche Themen wie Klimakrise, Demokratiekrise und soziale Gerechtigkeit sind dabei ausdrücklich Teil der Lernziele.

Die Modulprüfung besteht aus einem Portfolio mit den Einzelportfolios aller belegten Veranstaltungen. Die Abgabefrist für das Gesamtportfolio liegt bei einer Modulprüfung im Wintersemester am 15. März, bei einer Modulprüfung im Sommersemester am 15. September.

Bewerbung über JOGU-StINe

Die Anmeldung läuft über das Online-Bewerbungsportal JOGU-StINe. Dafür melden sich Interessierte zunächst im Portal an und wählen unter „Bewerbung/Registrierung – Meine Bewerbungen“ in Abschnitt 2 „Studium mit Abschluss“. In der Studienangebotssuche wird bei „Abschlussart“ die Option „Abschlusszeugnis / Zertifikat“ ausgewählt, anschließend das Zertifikat „Klimakrise & Nachhaltigkeit“. Formular ausfüllen, absenden – fertig ist der erste Schritt.

Für das Wintersemester kann man sich vom 16. Mai bis 1. September bewerben, für das Sommersemester vom 18. November bis 1. März. Weitere Informationen gibt es in den FAQ zu Bewerbung, Zulassung, Prüfungen, Zeugnissen und Lernangeboten.

Die Jury des Stifterverbands begründete die Auszeichnung mit der Verbindung von wissenschaftlicher Bildung, gesellschaftlichem Engagement und praxisnaher Anwendung. Genau diese Mischung prägt das Mainzer Programm: Vorlesung, fachübergreifendes Lernen, Projektarbeit und Mitarbeit in gemeinnützigen Organisationen liegen hier nicht in getrennten Schubladen.

Hochschulperlen sind innovative Hochschulprojekte, die der Stifterverband monatlich vorstellt. Aus den Monatsauszeichnungen wird jährlich die Hochschulperle des Jahres gewählt. Die Auszeichnung 2026 wird von der Allianz für Future Skills im Rahmen der Zukunftsmission Bildung des Stifterverbands ausgeschrieben. Diese Zukunftsmission soll Menschen auf eine sich wandelnde Arbeits- und Lebenswelt vorbereiten und Projekte auszeichnen, die Future Skills in Studium und Hochschule verankern.

Weitere Informationen zum Mainzer Zukunftszertifikat stehen unter zukunft.uni-mainz.de/zertifikat, zur Hochschulperle unter stifterverband.org/hochschulperle. Kontakt: Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e. V., Büro Berlin, Peggy Groß, Pariser Platz 6, 10117 Berlin, Telefon 030 322 982-0.