Marburger Symposium bündelt Forschung und Versorgung zu Post-COVID und ME/CFS
Am Universitätsklinikum Marburg beginnt am Mittwoch, 21. Oktober 2026, um 15 Uhr die Online-Reihe „verstehen – unterstützen – gemeinsam“ zu Post-Covid. Zum Auftakt geht es um „ME/CFS – Fragen und keine Antworten?“ – ein Titel, der ziemlich genau die Unsicherheit beschreibt, mit der viele Betroffene, Angehörige und auch Behandelnde zu tun haben.
Durch die erste Veranstaltung führen Prof. Dr. Bernhard Schieffer, Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin, und Dr. Elisabeth Schieffer, Bereichsleitung ME/CFS. Die Reihe richtet sich an Patienten, Angehörige und Interessierte. Die Teilnahme ist online möglich; die Anmeldung erfolgt über diesen Raum der Philipps-Universität Marburg.
Drei Termine, ein breites Publikum
Nach dem Auftakt folgen zwei weitere Termine: Am Mittwoch, 25. November 2026, um 15 Uhr steht die „Perspektive der Genesenen: Gespräch mit Menschen, die Post-COVID erlebt und sich davon erholt haben“ auf dem Programm. Am Mittwoch, 9. Dezember 2026, ebenfalls um 15 Uhr, geht es im „Medikamentenkompass“ um Arzneimittel und Orientierung im Behandlungsalltag.
Eine weitere Veranstaltung des Universitätsklinikums ist das „Post-COVID & ME/CFS Symposium – Online-Teilnahme“ am 11. November 2026. Der offizielle Termin ist mit 09:45 bis 17:00 Uhr angegeben; im Beschreibungstext wird als Beginn 09:00 Uhr genannt. Veranstaltungsort ist online, Veranstalter das Universitätsklinikum Marburg. Eingeladen sind Mitarbeitende, Patientinnen und Patienten, Angehörige sowie die interessierte Öffentlichkeit.
Die Teilnahme am Symposium ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich. In den Feldern zum Kostenträger soll jeweils „-“ eingetragen werden. Fortbildungspunkte gibt es laut Veranstaltungsangabe weder bei der Ärztekammer noch beim Deutschen Pflegerat: jeweils 0. Kontakt für Rückfragen ist Rebecca Goy unter progress.mr@uk-gm.de.
Forschung, Versorgung und ein ziemlich voller Konferenztag
Inhaltlich verbindet das Symposium wissenschaftliche Entwicklungen, klinische Herausforderungen und gesundheitspolitische Perspektiven zu postinfektiösen Erkrankungen. Der Schwerpunkt liegt auf Post-COVID und ME/CFS. Vorgestellt werden unter anderem die Projekte MIRACLE, VITAL und PROGRESS, außerdem die Arbeit der Hessischen Netzwerkkoordinationsstelle für Post-COVID, das vom Hessischen Ministerium für Digitalisierung und Innovation geförderte Projekt SYMPTOM-AI sowie die Weiterentwicklung des Zentrums für postinfektiöse Syndrome Marburg (CEPIS).
Geplant sind Keynote Lectures, Rapid-Fire-Vorträge und eine wissenschaftliche Poster-Session. Bei einer Podiumsdiskussion sitzen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gesundheitswesen, Wissenschaft und Betroffenenorganisationen zusammen. Es soll um aktuellen Stand und künftige Perspektiven gehen – und um den interdisziplinären Austausch zwischen Forschung, klinischer Versorgung, Politik, Gesundheitswesen und Betroffenen. Ein ambitionierter Plan für einen Tag vor dem Bildschirm, aber vielleicht gerade deshalb sinnvoll: Viele Fragen passen nicht in eine einzige Fachschublade.
30 Projekte des Bundes – und 73 Millionen Euro
Der größere Rahmen reicht weit über Marburg hinaus. Das Bundesministerium für Gesundheit fördert von 2024 bis 2028 insgesamt 30 Versorgungsforschungsprojekte zu Long COVID und ähnlichen Erkrankungen. Dafür stehen insgesamt 73 Millionen Euro bereit; die einzelnen Projekte laufen etwa drei bis vier Jahre. Untersucht werden Long COVID und Post-COVID, Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen – darunter ME/CFS auch ohne vorherige COVID-19-Erkrankung – sowie Long-COVID-ähnliche Beschwerden, die zeitlich im Zusammenhang mit einer COVID-19-Impfung auftreten.
Ausgewählt wurden die Projekte im Herbst 2024, gestartet sind sie Ende 2024 beziehungsweise Anfang 2025. Im Februar 2025 fand ein vom BMG geleitetes Auftakttreffen statt. Die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS begrüßte den Beginn der Vorhaben.
Das Förderprogramm ist in vier Module gegliedert. Im ersten geht es um integrierte und koordinierte Versorgung. Neun Modellprojekte werden in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gefördert. Erprobt werden telemedizinische Diagnostik und Versorgung durch EMOPROM LCN und VALIDATE, lokale interdisziplinäre Netzwerke mit COVICare-M-V und CLOCC sowie eine stärkere Verbindung von Hausarztpraxen und spezialisierten universitären Anlaufstellen durch PROGRESS und PAIS Care Berlin. Dazu kommen Rehabilitationsmaßnahmen, psychotherapeutische Begleitung zur Förderung sozialer und beruflicher Teilhabe, standardisierte Handlungsempfehlungen und die Vernetzung bestehender Versorgungsstrukturen im Projekt GRACI. ACCESS und INCAP widmen sich einer spezialisierten interdisziplinären Versorgung schwer Betroffener.
Zu den geförderten Projekten dieses Moduls gehören PROGRESS als digitale, barrierefreie regionale Versorgungsstruktur für Diagnostik und Therapie von Post COVID, ACCESS für die medizinische Versorgung hausgebundener Menschen mit Post-COVID-Syndrom oder ME/CFS und VALIDATE als sektorübergreifendes Long-COVID-Behandlungsnetzwerk. PAIS Care Berlin untersucht die interdisziplinäre Versorgung bei postakuten Infektionssyndromen in Berlin. COVICare-M-V entwickelt ein koordiniertes Long-COVID-Versorgungssystem in Mecklenburg-Vorpommern, CLOCC ein umfassendes Zentrum für Long COVID beziehungsweise postvirale Erkrankungen dort. INCAP steht für integrierte multiprofessionelle Primärversorgung schwer Betroffener mit Post-COVID-Syndrom, GRACI für hausärztlich koordinierte Versorgung bei postviralen Erkrankungen und ME/CFS. EMOPROM LCN erfasst patientenberichtete Ergebnisse multidisziplinär online – in ambulanten, stationären und rehabilitativen Bereichen.
Modul 2 nimmt Innovationen in der Versorgung in den Blick. Drei Projekte untersuchen mobiles Monitoring mit tragbaren Geräten, die Herzfrequenz, körperliche Aktivität und Schlaf erfassen. Damit sollen Diagnostik gezielter, Post-Exertionelle Malaise (PEM) möglichst verhindert und Behandlungen individueller werden. Weitere Themen sind die ganzheitliche Erfassung körperlicher und mentaler Leistungsfähigkeit im Projekt DEEP-LC, der Zusammenhang zwischen gestörtem Zellstoffwechsel und Post-COVID-Symptomen sowie regenerative Therapieansätze bei RegCM-PCS, laborbasierte diagnostische Tests durch PERCOLATE, künstliche Intelligenz für die klinische ME/CFS-Diagnostik in DETECT-ME/CFS und genetische Krankheitsfaktoren im Projekt genomLC.
Die Projektnamen dazu lesen sich fast wie ein kleines Forschungsalphabet: SynoSys PC nutzt tragbare Datensysteme bei Post COVID. RegCM-PCS untersucht Zellstoffwechsel und regenerative, multimodale Therapieansätze. REMIT erprobt Fernüberwachung und -intervention bei Post- und Long COVID. DEEP-LC erfasst körperliche Belastbarkeit und kognitive Leistungsfähigkeit für Differentialdiagnose und Therapieeinschätzung. DETECT-ME/CFS entwickelt KI-gestützte Diagnosesoftware zur Bewertung klinischer ME/CFS-Typologien. PERCOLATE arbeitet an einer personalisierten Einteilung und Bewertung von Long COVID, U-WaTCH an tragbaren Technologien zur Überwachung und Behandlung. genomLC untersucht den Einsatz der Genomsequenzierung in der Long-COVID-Diagnostik.
Versorgungslage, Daten und die offene ME/CFS-Frage
Im dritten Modul geht es um Versorgungslage und Krankheitsgeschehen. Zwölf Projekte prüfen bestehende Behandlungsempfehlungen und Versorgungspfade – darunter MAP-PCC, SCOPE-CARE, PEXCARE und Long-term post-COVID. Andere untersuchen Veränderungen bei Häufigkeit und Schwere der Symptome, wie PCS-Journey, oder entwickeln mit MultiCARE ein interaktives Vorhersagesystem zur Bedarfsplanung. Auf dem Tisch liegen außerdem gesellschaftliche und makroökonomische Folgen von Long COVID und Post COVID, der mögliche Einfluss der COVID-19-Impfung auf Long COVID in Deutschland im Projekt HELoCO, Zusammenhänge mit Diabetes durch LongCovid-Diab und Long COVID als möglicher Risikofaktor für Hüftfrakturen bei älteren Menschen bei LC_Hip.
Hinzu kommen Risiko- und Schutzfaktoren für langfristige Erkrankungen anhand von Krankenkassendaten sowie der Einfluss von COVID-19-Impfungen in prevCOV. COVIDOM+ untersucht Langzeitfolgen einer SARS-CoV-2-Infektion in der Bevölkerungs
