47 Stunden und 15 Minuten. Mehr liegen zwischen dem Abpfiff des Europapokalspiels beim HK Tatran Presov und dem Anwurf des nächsten Bundesliga-Duells für den Bergischen HC nicht. Am Freitagabend um 20 Uhr tritt der BHC beim Aufsteiger HBW Balingen-Weilstetten an – mit müden Beinen, rund 1.200 Reisekilometern und der Hoffnung, dass der erste Europapokalsieg der Vereinsgeschichte etwas in Gang setzt.

In Presov gewann der BHC am Mittwoch 30:29. Zwischenzeitlich lag die Mannschaft 23:26 zurück, drehte die Partie aber noch in der Schlussphase. Sören Steinhaus war nahezu durchgehend im Einsatz und erzielte in der Schlussminute die beiden entscheidenden Treffer. Die Abwehr stabilisierte sich rechtzeitig, obwohl Abwehrchef Gerdas Babarskas fehlte. Torhüter Christopher Rudeck parierte zwei Siebenmeter und zeigte spät noch eine wichtige Parade; weder er noch Christian Van der Merwe wurden über die gesamte Partie hinweg zum entscheidenden Faktor.

Direkt vom Europapokal nach Balingen

„Wir wollen den Sieg mitnehmen und in Balingen alles geben“, sagte Linksaußen Lukas Becher nach dem Spiel. Das klingt entschlossen, der Reiseplan klingt eher nach Kofferpacken im Halbschlaf: Am Donnerstagmorgen fuhr die Mannschaft zunächst per Bus nach Budapest, anschließend ging es per Flug nach Stuttgart. Am Donnerstagabend war nahe Balingen noch eine Halleneinheit vorgesehen. Körperliche Belastung stand dabei nicht im Vordergrund, stattdessen Videoanalyse und taktische Vorbereitung.

Im Rückraum und am Kreis hatte das Trainerteam in Presov die Belastung auf mehrere Spieler verteilt. Bis auf kleinere Blessuren überstanden die BHC-Spieler die Partie laut Trainerteam gut. Bei Neuzugang Janik Schrader bleibt trotzdem die Sorge, ob sein Fuß den Belastungen standhält. Gerdas Babarskas fällt nach einem Blinddarmdurchbruch weiterhin aus, liegt im Krankenhaus; wie lange er fehlen wird, ist noch nicht absehbar.

Trainer Markus Pütz war mit dem Siegeswillen seiner Mannschaft zufrieden, warnte aber davor, die Partie zu kritisch zu bewerten. Der BHC kommt schließlich mit sechs Niederlagen in der Bundesliga nach Balingen. Das Europapokal-Erlebnis soll nun zusätzlichen Schwung geben – gesucht werden die ersten Bundesliga-Punkte der Saison.

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Balingen wartet seit Mittwoch

Der Aufsteiger konnte sich seit Mittwoch der Vorwoche auf den BHC vorbereiten. Arnor Gunnarsson beschreibt Balingen als formstark, mit aggressiver Abwehr und guten Torhüterleistungen. Im Vergleich zur Vorsaison ist die Mannschaft weitgehend unverändert und deshalb besonders gut eingespielt.

Der einzige neu hinzugekommene Leistungsträger ist der serbische Nationaltorwart Vladimir Cupara, der sich die Einsatzzeiten mit Daniel Rebmann teilt. Rebmann parierte bislang 33,78 Prozent der gegnerischen Würfe. Zuletzt gewann HBW im DHB-Pokal 35:28 gegen die TSV Hannover-Burgdorf.

Vier Punkte Vorsprung hat Balingen derzeit auf den BHC. Für Markus Pütz macht das den Aufsteiger zum Favoriten. Der soll seine Vorteile nun gegen eine Mannschaft ausspielen, die praktisch aus dem Reisebus in die nächste Prüfung steigt.

Die enge Terminierung kritisierte BHC-Verantwortlicher Föste, ändern lasse sie sich aber nicht mehr. Nach Balingen geht es ohnehin Schlag auf Schlag weiter: Am Dienstag um 18:45 Uhr empfängt der BHC in der Klingenhalle den schwedischen Verein IK Sävehof in der European League. Das DHB-Pokalspiel bei der MT Melsungen ist für Donnerstag, 12. November, angesetzt. Zwei Tage später empfängt der BHC den ThSV Eisenach in der Wuppertaler Uni-Halle.

Ein Aufsteiger mit alter Bundesliga-Geschichte

HBW Balingen-Weilstetten ist Zweitliga-Meister und bestreitet seine 16. Bundesliga-Saison. Der Verein spielte von 2006/07 bis 2016/17 durchgehend in der höchsten deutschen Spielklasse. In der Saison 2026/27 zählt Balingen dennoch zu den Abstiegskandidaten – ebenso wie die SG BBM Bietigheim, die nach nur einem Jahr in die Bundesliga zurückkehrt. Bietigheim schaffte in seinen bisherigen vier Bundesliga-Spielzeiten noch nie den Klassenerhalt.

Die neue Bundesliga-Saison begann traditionell mit dem Supercup: Am 22. August trafen Meister SC Magdeburg und Pokalsieger Füchse Berlin aufeinander. Die reguläre Saison startete am 27. August mit dem Spiel THW Kiel gegen den TBV Lemgo um 19 Uhr. Wegen der Weltmeisterschaft wird die Liga im Januar unterbrochen, nach 34 Spieltagen endet sie am 6. Juni 2027.

Magdeburg und Berlin gelten erneut als wichtigste Meisterschaftsanwärter. Magdeburg gewann in den vergangenen fünf Jahren vier Titel, Berlin wurde 2024/25 deutscher Meister und hat mit Mathias Gidsel den dreifachen Welthandballer im Kader. Zum erweiterten Favoritenkreis gehören die SG Flensburg-Handewitt, die MT Melsungen und der THW Kiel. Kiel trennte sich am Saisonende von Filip Jicha, neuer Trainer ist der Norweger Borge Lund. Außerdem verpflichtete der Verein mehrere namhafte Spieler.

Auch beim VfL Gummersbach hat sich einiges verschoben. Der Tabellenvierte der vergangenen Saison will an diese Leistung anknüpfen, verliert aber Julian Köster an Kiel und Spielmacher Kentin Mahé an die Rhein-Neckar-Löwen. Mahé arbeitet dort erneut mit Trainer Maik Machulla zusammen, unter dem er bereits in Flensburg spielte. DHB-Kapitän Johannes Golla wechselte nach acht Jahren in Flensburg zur MT Melsungen; Flensburg verlor außerdem Lukas Jörgensen und Kevin Möller. Aymeric Minne vom HBC Nantes und Emil Bergholt von Skjern Handbold kamen unter anderem als Verstärkungen. Alex Dujshebaev spielt künftig für den VfL Gummersbach, sein Bruder Dani für die MT Melsungen, während Domen Makuc vom Champions-League-Sieger FC Barcelona zum THW Kiel wechselte.

Neu ist ein einheitliches Ballmodell für alle Bundesliga-Partien. Laut HBL soll das für mehr Wiedererkennung und einheitlichere Wettbewerbsbedingungen sorgen. Dyn überträgt weiterhin alle Bundesliga-Spiele, ausgewählte Partien laufen live in der ARD, den dritten Programmen oder auf sportschau.de. Dort gibt es außerdem Liveticker zu allen Spielen sowie Zusammenfassungen, Analysen und Interviews.

Erst einmal aber zählt die Halle in Balingen. Freitag, 20 Uhr. Der BHC kommt aus Presov, aus einem historischen Europapokalabend, und muss nun trotz schwerer Augen und schwerer Beine wieder in den Bundesliga-Rhythmus finden.