Neue Notfallzentren sollen Deutschlands Rettungsversorgung entlasten
Heute, am 16.10.2026, lohnt sich an der Uni Lübeck ein Blick auf das aktuelle „Schleswig-Holstein Magazin“: Die Ausgabe lief am Donnerstag, 15. Oktober 2026, von 19:30 bis 20:00 Uhr und wird am Freitag, 16. Oktober 2026, noch einmal von 03:45 bis 04:15 Uhr sowie von 10:00 bis 10:30 Uhr ausgestrahlt. Insgesamt stehen acht Beiträge auf dem Programm – ein ziemlich dichter Rundgang durch Politik, Alltag, Wissenschaft, Sport und Kultur im Norden.
Im Mittelpunkt steht die Notfallversorgung. Der Bundestag beschloss am 15. Oktober 2026 ein Gesetz, das Menschen mit dringendem medizinischem Bedarf schneller an die passende Stelle bringen und zugleich Notaufnahmen sowie Rettungsdienste entlasten soll. Für Patientinnen und Patienten könnte das künftig bedeuten: erst eine gezieltere Einschätzung, dann die richtige Tür – Krankenhaus, Praxis, Videosprechstunde oder Rettungsdienst.
Neue Wege durch den Notfall
Der Anlass ist ernst. 2024 wurden in deutschen Krankenhäusern rund 13 Millionen ambulante Notfälle behandelt, fünf Prozent mehr als 2023 und so viele wie seit Beginn der Erfassung 2018 nicht. Durchschnittlich versorgten Notfallambulanzen täglich etwa 35.600 Menschen. Ärzte und Rettungsdienstmitarbeiter berichten, dass Notaufnahmen und Notrufnummern auch bei kleineren Beschwerden, chronischen Erkrankungen oder Einsamkeit genutzt werden. Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) sprach von vielen Fällen, die keine dringenden Notfälle seien, und nannte harmlose Infekte als Beispiel.
Prof. Hans-Jörg Busch aus Freiburg widersprach allerdings einer allzu einfachen Schuldzuweisung an die Patienten. Vielerorts könnten Menschen bereits schneller und gezielter versorgt werden, sagte er. Gleichzeitig gilt fast jede zweite deutsche Notaufnahme als überlastet. Laut einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin sehen sich 60,6 Prozent der Kliniken unter anderem deshalb unter Druck, weil Patienten mangels freier Betten nicht auf reguläre Stationen verlegt werden konnten. Fast zwei Drittel der Krankenhäuser meldeten unbesetzte Stellen im ärztlichen Dienst oder in der Pflege der Notaufnahme; nur knapp ein Drittel hielt die Personalausstattung für ausreichend. Eine weitere Umfrage von ZDF frontal und „Spiegel“ kam zu dem Ergebnis, dass die Überlastung teilweise die Patientensicherheit gefährden kann.
Geplant sind bundesweit Integrierte Notfallzentren, kurz INZ, getrennt für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche. Rund 750 solcher Zentren sollen an Krankenhäusern entstehen, rund um die Uhr erreichbar sein und ambulante wie stationäre Versorgung verbinden. Dort wird zunächst eingeschätzt, was gebraucht wird. Weniger schwere Fälle könnten an Kooperationspraxen oder KV-Notdienstpraxen weitergeleitet werden. Beteiligt sein sollen die Krankenhausnotaufnahme, Notdienstpraxen der Kassenärztlichen Vereinigungen und perspektivisch eine digitale Ersteinschätzung.
Die bisherige Rufnummer 116117 wird in eine Terminservicestelle und eine Akutleitstelle aufgeteilt. Beschwerden sollen telefonisch oder digital nach medizinischer Dringlichkeit bewertet werden. Die Akutleitstelle verweist Not- und Akutfälle an geeignete Einrichtungen, ist digital mit den Rettungsleitstellen unter 112 vernetzt und soll rund um die Uhr telemedizinische sowie aufsuchende Notdienste für Akutfälle vermitteln. Für lebensgefährliche Notfälle und schwere gesundheitliche Störungen bleibt die 112 direkt zuständig – daran ändert sich nichts. Hausbesuche bleiben möglich, sollen aber erst vermittelt werden, wenn weder Praxis, Telemedizin noch Notfallzentrum passen. Bei leichteren Erkrankungen können Videosprechstunden Wege und Wartezeiten sparen.
Auch die Rettung bekommt neue Vorgaben. Rettungswagen sollen standardisierte Informationen zum Zustand von Patienten an Krankenhäuser oder Arztpraxen übermitteln; ein verbindliches technisches System soll freie Krankenhausressourcen anzeigen. Für die Digitalisierung stellt der Bund 225 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität bereit. Künftig sollen Rettungsleitstellen Anrufer bundesweit telefonisch zur Reanimation anleiten und mit Ersthelfer-Apps verbunden sein. Freiwillige in der Nähe eines Kreislaufstillstands könnten dann sofort alarmiert werden.
Länder und Kommunen bleiben für die Rettungsdienste verantwortlich, die Länder auch für die regionale Planung und Organisation der Notfallversorgung. Die medizinische Notfallrettung soll jedoch vollständig als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen gelten. Notfallmanagement, Versorgung am Einsatzort und medizinische Betreuung während des Transports werden damit Teil der Krankenbehandlung; Versicherte sollen keine Kostenanteile selbst tragen müssen. Inkrafttreten soll die Reform 2027.
Beifall, offene Rechnungen und späte Änderungen
Der Marburger Bund begrüßt die Reform grundsätzlich. Verbandsvorsitzende Susanne Johna erklärte, integrierte Notfallzentren würden seit Langem gefordert und könnten Verbesserungen bringen. Telefonische Ersteinschätzungen seien ebenfalls sinnvoll. Gleichzeitig kritisierte Johna, dass mehr als die Hälfte der Krankenhäuser kein eigenes INZ erhalten soll. Patienten, die ambulant behandelt werden können, von Notaufnahmen ohne INZ weiterzuleiten, hält sie für problematisch. Kurz vor der Verabschiedung seien außerdem noch mehr als 22 Änderungsanträge eingebracht worden.
Die Finanzierung bleibt ein dicker Brocken. Laut dem Ökonomen Matthias Brachmann erhält ein Krankenhaus für die ambulante Behandlung eines gesetzlich Versicherten in der Notaufnahme durchschnittlich 32 Euro. Die durchschnittlichen Kosten liegen bei 126 Euro – ein Defizit von 94 Euro pro Patient. Bei einer Bundestagsanhörung am 9. September kritisierte Brachmann, dass für integrierte Notfallzentren keine zusätzliche Finanzierung vorgesehen sei. Kassenärzte bezweifeln zudem, dass genügend Personal für eine zusätzliche Praxisstruktur in den Zentren verfügbar ist.
Die Reform war seit Jahren angekündigt. Ein erster Anlauf scheiterte 2019 zunächst am Widerstand der Länder und später an der Corona-Pandemie. Die Ampel-Koalition plante sie als Teil der Krankenhausreform für Herbst 2024; der Bruch der Koalition brachte eine weitere Verschiebung. Jetzt ist der Bundestagsbeschluss da, der Start soll 2027 folgen.
Vom Mittelmeer bis zum Feldweg
Während in Berlin über Rettungsstrukturen beraten wurde, trainierten Husumer Soldaten im Rahmen der Operation „Spartan Arrow“ auf Kreta beziehungsweise im Mittelmeer für die Luftverteidigung. Ein anderer Beitrag begleitet die Polizei bei einer Übung mit gewaltbereiten Fußballfans: Das Team fährt in einem Zug von Ratzeburg nach Lübeck mit. Enge Abteile, angespannte Stimmung, viel Aufmerksamkeit – ganz ohne echten Spieltag wird sichtbar, wie schnell eine Lage kippen kann.
Auf dem Land machen derweil immer größere Landmaschinen den Feldwegen zu schaffen. Landwirte beklagen Schäden und den Zustand des ländlichen Wegenetzes. Dazu kommen Freileitungsmonteure, die mit Unterstützung von Flughelfern und einem Hubschrauber an Strommasten arbeiten. Dabei geht es auch um wichtige Vogelmarker an den Masten – kleine Signale, die für Vögel den Unterschied machen können.
Die Technische Hochschule Lübeck und die Universität Lübeck werben um Studierende ohne Abitur. Unter anderem soll so der fehlende Abiturjahrgang ausgeglichen werden. Für viele, die über Ausbildung und Beruf kommen, dürfte das eine echte Tür sein – und für die Hochschulen eine Möglichkeit, Plätze und Talente zusammenzubringen.
Sport, Bilder und kleine Pferde mit großen Noten
Das Sportwochenende bringt Regionalliga, Marathon und Crossrad zusammen. Wer beim Wort Marathon schon schwere Beine bekommt, kann sich immerhin an den schnellen Rädern festhalten. Kunstfreunde sehen eine neue Ausstellung, die norddeutschen Impressionismus mit Pop Art verbindet. Zwischen flirrenden Farben und kräftigen Formen treffen damit zwei sehr unterschiedliche Bildwelten aufeinander.
Aus Ehndorf kommen Isländer-Fohlen, die Bestnoten erhalten haben. Kleine Pferde, große Bewertung – und vermutlich ziemlich viel Gewieher. Außerdem kehrt Julian Krafftzig, Hobby-Bassist aus Reinbek, nach Aufenthalten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz in den Norden zurück.
Moderiert wird die Sendung unter anderem von Marie-Luise Bram; Redaktionsleiter ist Reinhard Mucker. Zu sehen ist das „Schleswig-Holstein Magazin“ beim NDR, unter anderem in der Wiederholung am Freitag, 16. Oktober 2026, von 10:00 bis 10:30 Uhr.
