Proteste in Berlin-Kreuzberg für besseren Zugang zu trans Gesundheitsversorgung
Am 24.10.2026 haben sich in Berlin-Kreuzberg Hunderte Menschen unter dem Motto „Hände weg von Trans Leben!“ versammelt. Sie demonstrierten für einen besseren Zugang zu Gesundheitsversorgung und Hormonpräparaten für Transmenschen. Nach Polizeiangaben kamen etwa 500 Personen am Mariannenplatz zusammen.
Die Kundgebung galt dem queeren Zentrum „Casa Kuà“ und der transfemininen Gruppe „The Dolls“. In „Casa Kuà“, das unter anderem Beratung für Transmenschen anbietet, hatte es am Sonntag der Vorwoche Durchsuchungen gegeben. „The Dolls“ trifft sich dort sonntags. Die Nachricht von der Razzia hatte bereits zuvor Proteste ausgelöst; nun wurde es am Mariannenplatz laut und voll.
Durchsuchung nach Ermittlungen wegen Medikamentenhandels
Am Sonntagabend war „Casa Kuà“ in der Naunynstraße durchsucht worden. Zunächst stellte die Polizei Hormonpräparate für trans Menschen sicher. Anfangs hieß es, diese seien ohne ärztliche Aufsicht verabreicht worden. Am Montag erklärte die Polizei, ermittelt werde wegen des Verdachts auf illegalen Handel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten.
Sichergestellt wurden Medikamente, Betäubungsmittel, Datenträger und Bargeld im vierstelligen Bereich. Während der Durchsuchung versammelten sich vor dem Zentrum spontan rund 140 Menschen. Eine Person erhielt einen Platzverweis. Auch der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano war vor Ort.
Die Staatsanwaltschaft prüft, ob zu den mutmaßlich illegal gehandelten Medikamenten auch Hormonpräparate für Transmenschen gehörten. Das Zentrum weist auf seinen eigenen Ansatz hin: „Casa Kuà“ setzt sich für einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung für transgeschlechtliche, intergeschlechtliche, nicht-binäre und queere Menschen ein. Das deutsche Gesundheitssystem kritisiert das Projekt als diskriminierend; zugleich möchte es traditionelle und konventionelle Behandlungen miteinander verbinden.
Kritik von Linken und dem Bundesverband Trans
Linken-Politiker kritisierten den Polizeieinsatz. Maik Brückner, queerpolitischer Sprecher der Linke-Fraktion im Bundestag, nannte den Vorgang „beschämend“ und forderte Aufklärung. Er verwies auf eine Regelungslücke, bei der die Bundesregierung nicht vorankomme: Für trans Personen sei es dadurch schwieriger, Hormonpräparate zur Transition in Arztpraxen zu erhalten und die Kosten von gesetzlichen Krankenkassen erstatten zu lassen.
Auch die Linke.queer, ein Zusammenschluss queerer Parteimitglieder, bezeichnete den Einsatz als „inakzeptable Repression“. Der Bundesverband Trans sprach von einem alarmierenden Zeichen. Selbstorganisierte Gesundheitsversorgung werde kriminalisiert, während das reguläre Versorgungssystem trans* und nicht-binäre Menschen zunehmend nicht ausreichend versorge.
Die Meldung des rbb 88.8 stammt vom 19. Oktober 2026, 7:30 Uhr. Die Demonstration am Mariannenplatz fand in Solidarität mit „Casa Kuà“ und „The Dolls“ statt. Zwischen Ermittlungsakten, Medikamentenpackungen und den Forderungen der Protestierenden liegt dabei ein ganz praktisches Problem: Wer Hormonpräparate für die eigene Transition braucht, findet nicht immer ohne Weiteres eine Arztpraxis und eine Kassenlösung.
Was der Bundesverband Trans* an der Versorgung ändern will
Der Bundesverband Trans* setzt sich seit vielen Jahren für eine bessere Gesundheitsversorgung von trans* und nicht-binären Personen ein. Ehrenamtlich mandatierte Personen und Fachreferent_innen des Verbandes arbeiten in Gremien, Arbeitsgruppen und Beiräten mit und halten Vorträge zum Thema.
Ein zentrales Arbeitsfeld ist die Mitarbeit an medizinischen Leitlinien. Dazu gehören die AWMF-Leitlinie „Geschlechtsdysphorie und Geschlechtsinkongruenz bei Kindern und Jugendlichen“ sowie die S2k-Leitlinie „Geschlechtsangleichende chirurgische Maßnahmen bei Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie“. Der Verband bringt dabei die Perspektiven von trans* und nicht-binären Personen ein.
Zu den Zielen gehört, die reguläre Gesundheitsversorgung für trans* und inter Personen zugänglicher zu machen. Diskriminierung soll als spezifische Zugangshürde beschrieben und besser verstanden werden. Außerdem will der Verband Diskriminierungserfahrungen und psychosoziale Belastungen in der Gesundheitsversorgung verringern, damit Menschen die Angebote bedarfsgerecht nutzen können.
Die Beratungsarbeit ergänzt diese Tätigkeiten. Fortbildungen, Coachings und Praxisbegleitungen sollen medizinische Fachkräfte für die Belange trans* Personen sensibilisieren und ein offenes Betreuungsklima fördern. Mandatierte Personen arbeiten außerdem zum Thema „Trans* im Alter“, das häufig Überschneidungen mit trans* Gesundheit aufweist.
Weitere Publikationen stellt der Bundesverband Trans* als PDF zum Download bereit; sie können auch über den Kontakt bestellt werden. Genannt werden außerdem die BVT-Pressemitteilung „Neue S3-Leitlinie veröffentlicht: Ziel ist respektvolle trans* Gesundheitsversorgung“, der Kommentar der Leitliniengruppe vom 29.01.2019 zur Stellungnahme der DGSMTW vom 17.11.2018 sowie die Stellungnahme der DGSMTW vom 17.11.2018.
