RUB-Rektor Martin Paul: Hochschulen müssen für Wahrheit kämpfen!
Im Jubiläumsjahr von Scholars at Risk (SAR) steht das Motto „Truth matters“ im Mittelpunkt, und das hat nicht nur symbolische Bedeutung. Der Rektor der Ruhr-Universität Bochum (RUB), Prof. Dr. Martin Paul, unterstützt die Ziele von SAR, einem internationalen Netzwerk, das sich dem Schutz von Forschenden und der Förderung akademischer Freiheit widmet. In einem aktuellen Interview im „Free to Think“-Podcast betont Paul, dass das Streben nach Wahrheit eine fundamentale Aufgabe jeder Universität sei und dass Bedrohungen gegen Wahrheit, Forschung und freie Meinungsäußerung weit verbreitet sind. Dies wird deutlich, wenn man sich die jüngsten Entwicklungen an Universitäten weltweit anschaut, wo die Wissenschaftsfreiheit zunehmend unter Druck steht.
Wie die Forschung und Lehre berichtet, gab es im „Free to Think 2024“-Report von Scholars at Risk eine Analyse von 391 Angriffen auf Hochschulgemeinschaften in 51 Ländern und Regionen. Dabei sticht Deutschland hervor, das im Bericht als „völlig frei“ eingestuft wird, obwohl es einen leichten Rückgang im Jahr 2023 gab. Der Executive Director von SAR, Robert Quinn, weist darauf hin, wie wichtig es ist, den freien Austausch von Ideen zu schützen, da Angriffe auf die Hochschulbildung letztlich auch die Demokratie untergraben.
Universitäten im Spannungsfeld
In den letzten Monaten gab es an deutschen Hochschulen Spannungen, insbesondere nach den Konflikten im Nahen Osten. Die Polizei schränkte propalästinensische Studierendenproteste ein, teilweise mit Gewaltanwendung. Solche Entwicklungen werfen Fragen auf zur Rolle der Hochschulen als Orte pluralistischer Diskurse. Es gibt Besorgnis über die wachsenden antisemitischen Vorfälle, die dazu führten, dass das Berliner Hochschulgesetz verschärft wurde. So trennten sich verschiedene Institutionen, darunter die Max-Planck-Gesellschaft, von wissenschaftlichen Köpfen aufgrund von Antisemitismus-Vorwürfen. Solche Vorfälle rufen nach einem klaren Bekenntnis zu den Werten, die Universitäten repräsentieren sollten.
Um dem entgegenzuwirken, engagiert sich die RUB aktiv für den Schutz bedrohter Forschender, bietet Seminare zur studentischen Interessenvertretung an und widmet sich der Ausstellung „Garden of Refuge“. Diese wurde von Studierenden des SAR-Seminars gestaltet und ehrt zu Unrecht inhaftierte Forschende. Eine klare Kommunikation darüber, wie die Werte der wissenschaftlichen Freiheit auf dem Campus gelebt werden, sei dabei unerlässlich, betont Paul.
Globale Perspektiven
Die Situation der Wissenschaftsfreiheit hat sich weltweit in den letzten Jahren verändert. Die Humboldt-Stiftung hebt die Bedeutung der Philipp Schwartz-Initiative (PSI) hervor, die 2015 ins Leben gerufen wurde, um gefährdete Forschende zu unterstützen. Technologische Entwicklungen und Konflikte in Ländern wie Russland, Afghanistan und China haben das Bild von Wissenschaftsfreiheit verfälscht, das viele wahrnehmen. Während China unter einem hohen wissenschaftlichen Output leidet, wird die Repression oft toleriert. Robert Quinn betont, dass weniger repressive Vorfälle nicht zwingend für mehr Freiheit sprechen, sondern eher für eine effektivere Unterdrückung.
Wie das Beispiel der USA zeigt, wo sich die anfänglich große Freiheit zunehmend ins Negative wandelt, ist für die internationale Gemeinschaft der Schutz der Wissenschaftsfreiheit von höchster Priorität. Gemeinsam müssen Maßnahmen ergriffen werden, um bedrohte Forschende und Studierende zu unterstützen, und es gilt, den Angriffen auf die Hochschulbildung entschieden entgegenzutreten.
Die RUB bleibt dabei ein Vorreitermodell, indem sie sich seit 2016 als Fördermitglied für SAR engagiert und als Gründungsmitglied der deutschen Sektion des Scholars at Risk Networks aktiv zur Diskussion und zum Schutz akademischer Werte beiträgt.
