Semesterbeitrag und Wohnkosten steigen: Studieren im Saarland wird teurer
Wer sich an der Universität des Saarlandes für das Wintersemester 2026/27 einschreibt oder zurückmeldet, muss tiefer in die Tasche greifen: Der Semesterbeitrag steigt um 18 Euro auf 412,30 Euro pro Semester. Nach Angaben des AStA lagen die Beiträge 2015 noch unter 200 Euro. Für viele Studierende ist das keine Kleinigkeit, sondern eine weitere Abbuchung, die sich im ohnehin engen Monatsbudget bemerkbar macht.
Die jüngste Erhöhung entfällt vollständig auf das Deutschlandsemesterticket. Es kostet inzwischen 226,80 Euro pro Semester. Seit dem Wintersemester 2024/25 erhalten Studierende der Universität des Saarlandes das bundesweit gültige Ticket verpflichtend. Im Sommersemester 2023 war der Wechsel noch freiwillig: Vom saarlandweiten Semesterticket für 130 Euro konnten Studierende damals für 164 Euro auf die deutschlandweite Variante umsteigen.
Ticket in der App, Anmeldung jedes Semester
Das Deutschlandsemesterticket kann nach erfolgreicher Einschreibung oder Rückmeldung jeweils für ein Semester bezogen werden. Dafür ist eine Registrierung im Portal des Saarländischen Verkehrsverbunds, kurz SaarVV, nötig. Dort finden sich auch Informationen zum Abrufprozess und zur SaarVV-App.
Wichtig ist der kleine digitale Stolperstein: Für jedes Semester muss die Anmeldung erneut erfolgen. Ohne diese Registrierung verschwindet das Ticket aus der App. Möglich ist die Anmeldung in der Regel erst etwa drei Wochen vor Semesterbeginn auf der SaarVV-Website. Während des Semesters verlängert sich das Ticket für seine sechsmonatige Laufzeit jeweils am ersten Tag eines Monats automatisch in der App. Eine neue Registrierung ist dafür nicht nötig.
Wohnen in Saarbrücken wird teurer
Neben dem Semesterbeitrag steigen auch die Wohnkosten. Laut Studentenwohnreport von MLP und dem Institut der deutschen Wirtschaft haben sie sich in Saarbrücken innerhalb von drei Jahren um 5,8 Prozent erhöht. Damit liegt die Stadt gleichauf mit Hamburg und über dem bundesweiten Anstieg von 2,6 Prozent.
Eine studentische Musterwohnung mit 30 Quadratmetern kostet der Studie zufolge durchschnittlich 585 Euro Miete im Monat. München liegt zum Vergleich bei rund 880 Euro, Berlin bei 725 Euro und Frankfurt bei 721 Euro. Saarbrücken ist damit zwar nicht die teuerste Hochschulstadt, billig fühlt sich die Rechnung am Monatsende trotzdem nicht an.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband gibt an, dass in Deutschland mehr als jeder dritte Studierende von Armut betroffen ist. Wenn dann Ticket, Miete, Lebensmittel und vielleicht noch ein kaputter Laptop zusammenkommen, wird aus einer Erhöhung schnell ein echtes Problem.
Deutschlandweiter Blick auf die Wohnkosten
Die durchschnittlichen Wohnkosten für Studierende steigen zum Wintersemester 2025/26 erstmals auf über 500 Euro: 505 Euro pro Monat. Im Sommersemester 2025 waren es 493 Euro, im Wintersemester 2024/25 noch 489 Euro. Gegenüber dem vorherigen Semester entspricht das einem Plus von 12 Euro beziehungsweise 2,4 Prozent, gegenüber dem Vorjahreswintersemester einem Anstieg von 16 Euro beziehungsweise 3,3 Prozent.
Das Moses Mendelssohn Institut (MMI) hat dafür 88 deutsche Hochschulstandorte mit mehr als 5.000 Studierenden untersucht. Fern- und Verwaltungshochschulen wurden ausgeschlossen. Grundlage waren 10.660 Inserate für unbefristete Zimmer in bestehenden Zwei- bis Drei-Personen-WGs. Berücksichtigt wurden Warmmieten, die meist Strom, Internet sowie Möblierung und technische Ausstattung gemeinschaftlicher Räume einschließen. Der Deutschland-Durchschnitt wurde nach der Zahl der Studierenden an den einzelnen Hochschulstandorten gewichtet.
In den zehn größten Hochschul- und Millionenstädten blieben die Durchschnittspreise gegenüber dem vorherigen Semester nahezu unverändert. Die Mieten in den großen Hochschulstädten stagnierten also auf hohem Niveau, während viele mittelgroße Hochschulorte erstmals die Marke von 500 Euro überschritten.
In 70 von 88 Städten war zu Semesterbeginn kaum ein gewöhnliches WG-Zimmer innerhalb der aktuellen BAföG-Wohnkostenpauschale verfügbar. In 44 Städten, in denen 54,5 Prozent der Studierenden eingeschrieben sind, war öffentlich nahezu kein Zimmer innerhalb dieser Pauschale zu finden.
Die derzeitige BAföG-Wohnkostenpauschale beträgt 380 Euro. In 70 Städten lagen die Durchschnittspreise darüber, in 44 Städten überschritten bereits die günstigeren Wohnungssegmente diesen Betrag. Nach Studierendenzahlen wohnen etwa drei Viertel der Studierenden oberhalb der Pauschale.
Eine im Koalitionsvertrag angekündigte Anhebung auf 440 Euro würde die Zahl der Städte mit darüberliegenden Durchschnittspreisen auf 44 reduzieren; im günstigeren Segment wären es dann 25 Städte. Trotzdem würden auch bei einer Pauschale von 440 Euro weiterhin mehr als die Hälfte der Studierenden oberhalb dieses Betrags wohnen.
Große Unterschiede zwischen den Regionen
Die regionalen Abstände bleiben deutlich. Berlin kommt auf durchschnittlich 650 Euro, Hamburg auf 620 Euro und Bayern auf 603 Euro. Nordrhein-Westfalen liegt bei 474 Euro, Niedersachsen bei 415 Euro. Günstiger sind Sachsen mit 377 Euro, Thüringen mit 362 Euro und Sachsen-Anhalt mit 350 Euro.
Auch innerhalb der Bundesländer geht es auseinander: In Köln und Düsseldorf kosten Zimmer durchschnittlich jeweils 600 Euro, in Bonn 525 Euro. Bielefeld liegt bei 360 Euro, Hildesheim bei 362 Euro und Osnabrück bei 395 Euro.
Die Auswertung zeigt weiterhin ein West-Ost-Gefälle, das sich langsam abschwächt. Auch ostdeutsche Hochschulstädte verzeichneten zuletzt steigende Mieten. Besonders stark zogen die Preise seit 2019 in Berlin mit einem Plus von 170 Euro, in Bayern mit 133 Euro und in Baden-Württemberg mit 120 Euro an. Laut WG-Gesucht.de sind die WG-Zimmerpreise seit 2020 insgesamt um rund 21 Prozent gestiegen.
Das MMI nennt mehrere mögliche Maßnahmen: eine regelmäßige Anpassung der BAföG-Wohnkostenpauschale, eine Ausweitung des Kreises der BAföG-Berechtigten und die Fortführung sowie den Ausbau des Bundesprogramms „Junges Wohnen“. Außerdem brauche es stärkere Unterstützung für Studierendenwerke, Stiftungen und lokale Initiativen sowie eine stärkere Verpflichtung der Bundesländer, Wohnraum für Studierende und Auszubildende zu schaffen.
Das Moses Mendelssohn Institut untersucht die Wohnungsmärkte für Studierende und Auszubildende seit 2011. Das Hochschulstädtescoring wird seit 2013 jährlich zum Wintersemester veröffentlicht. Eine DZHW-Studie kam zudem zu dem Ergebnis, dass die vom MMI ermittelten jährlichen Preissteigerungen bei WG-Mieten die tatsächlichen Ausgabensteigerungen zwischen 2016 und 2021 zu 99 Prozent vorhersagten.
