Beim CSU-Parteitag bekam Ilse Aigner viel Applaus von den Delegierten. Friedrich Merz begrüßte die Bayerische Landtagspräsidentin mit Wangenküsschen, während er und Markus Söder eng beieinanderstanden. Die Szene wirkte eingespielt – und hatte eine klare politische Botschaft: Söder wirbt seit Monaten dafür, dass Aigner die nächste Bundespräsidentin wird.

Aigner selbst zeigte sich erfreut über den Rückhalt in der CSU. Die Reaktion des Parteitags wertete sie als Bestätigung ihrer mehr als 40-jährigen Arbeit für die Partei. Entscheiden könne das Gremium allerdings nicht: Über eine Kandidatur befänden die Parteivorsitzenden, betonte sie.

Söder legt nach, Aigner winkt

Am Ende seiner Parteitagsrede warb CSU-Chef Markus Söder erneut für Aigner. Die Entscheidung werde zwar an anderer Stelle getroffen, sagte er, eine mögliche Kandidatur Aigners sei aber eine „tolle Sache“. Dafür gab es starken Applaus.

Aigner saß während der Rede in der ersten Reihe. Anschließend stand sie auf und winkte den Delegierten zu. Söder hatte außerdem angekündigt, am Samstag erneut für sie zu werben, wenn Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den Parteitag besucht. Der Artikel wurde am 24. Oktober 2026 zuletzt aktualisiert.

Eine lange politische Laufbahn

Aigner ist seit Jahrzehnten in der Politik unterwegs. Von 1990 bis 1998 gehörte sie dem Gemeinderat von Feldkirchen-Westerham an, von 1990 bis 1999 dem Kreistag des Landkreises Rosenheim. Im Bayerischen Landtag saß sie von 1994 bis 1998 und arbeitete dort unter anderem im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport, im Ausschuss für Eingaben und Beschwerden sowie im Landessportbeirat.

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Von 1998 bis 2013 war sie direkt gewählte Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis Starnberg, Wahlkreis 224, zuvor 225. Er umfasst die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach und Starnberg. In Berlin war Aigner von 1998 bis 2002 Obfrau der CDU/CSU-Fraktion in der Enquête-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ und von 2002 bis 2005 stellvertretende Vorsitzende der CSU-Landesgruppe.

Außerdem war sie Berichterstatterin im Haushaltsausschuss für den Etat des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Von 2005 bis 2008 führte sie die Fraktionsarbeitsgruppe Bildung und Forschung. Zu ihren weiteren Funktionen zählten der Vorsitz der Arbeitsgruppe Bildung und Forschung, das Amt als Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, die stellvertretende Mitgliedschaft im Haushaltsausschuss und ein Platz im Fraktionsvorstand.

Bei den Bundestagswahlen holte Aigner im Wahlkreis Starnberg 1998 57,0 Prozent der Erststimmen, ein Vorsprung von 30,8 Prozentpunkten. 2002 waren es 63,5 Prozent und 41,6 Prozentpunkte Vorsprung, 2005 59,7 Prozent und 37,7 Punkte, 2009 schließlich 54,0 Prozent und 38,2 Punkte. 2005 und 2009 erzielte sie damit die meisten Erststimmen unter den deutschen Bundestagskandidatinnen.

Zur Bundestagswahl 2013 trat sie nicht erneut an und wechselte zurück in die bayerische Landespolitik. Im Stimmkreis Miesbach gewann sie auch dort überzeugend: 2013 mit 56,8 Prozent und 42,8 Prozentpunkten Vorsprung, 2018 mit 45,7 Prozent und 29,0 Punkten sowie 2023 mit 42,6 Prozent und 23,6 Punkten.

Ministerin, Vize-Regierungschefin, Landtagspräsidentin

Am 31. Oktober 2008 wurde Aigner als Nachfolgerin von Horst Seehofer zur Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ernannt. Die Vereidigung vor dem Deutschen Bundestag folgte am 4. November 2008. Auch im Kabinett Merkel II blieb sie von 2009 bis 2013 Ministerin.

Am 30. September 2013 trat sie auf eigenen Wunsch zurück, um in die bayerische Landespolitik zurückzukehren. Im Oktober 2013 wurde sie im Kabinett Seehofer II zur stellvertretenden Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin ernannt. Zudem übernahm sie den Vorsitz der von der bayerischen Staatsregierung eingerichteten „Plattform Energie Bayern“, die die Energiewende mitgestalten sollte.

Im März 2018 folgte im Kabinett Söder I die Ernennung zur Bayerischen Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr sowie erneut zur stellvertretenden Ministerpräsidentin. Nach der Landtagswahl 2018 schlug die CSU Aigner als Nachfolgerin von Barbara Stamm für das Amt der Landtagspräsidentin vor. Am 5. November 2018 wurde sie mit 198 von 205 Stimmen gewählt.

Als Landtagspräsidentin ist Aigner für die Wahrung der Verfahren und Regeln im Parlament zuständig. Am 30. Oktober 2023 wurde sie mit 164 von 200 Stimmen erneut zur Präsidentin des 19. Bayerischen Landtags gewählt. Kraft ihres Amtes ist sie außerdem Vorsitzende des Verwaltungsrats des Bayerischen Rundfunks und damit unter anderem am Abschluss und an der Aufhebung von Dienstverträgen für über- und außertariflich vergütetes Senderpersonal beteiligt.

In der Debatte über die Vergütungen von ARD-Führungskräften wurde ihre Zustimmung zu einer Abfindung von 700.000 Euro für den BR-Fernsehdirektor Reinhard Scolik kritisiert. Aigner bezeichnete die Abfindung als damals gängige Praxis und rechtlich zulässig. Später erklärte sie, eine Trennung nach einer Vertragsverlängerung sei nicht üblich gewesen und sie sei damit nicht sehr glücklich gewesen.

Der Weg Richtung Schloss Bellevue?

Im Oktober 2019 wurde Aigner in den Hochschulrat der Technischen Universität München berufen, der als Aufsichtsrat der TUM fungiert. Das Gremium besteht aus zehn externen Mitgliedern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sowie zehn Mitgliedern des Universitätssenats.

Spätestens seit April 2025 wird Aigner öffentlich als mögliche Nachfolgerin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier genannt. Im April 2026 erklärte Markus Söder öffentlich seine Unterstützung für eine mögliche Kandidatur. Rückendeckung kam unter anderem von Dorothee Bär, Klaus Holetschek, Ulrike Scharf und Manfred Weber aus der CSU sowie von Florian Streibl von den Freien Wählern. Wohlwollend äußerten sich außerdem Christian Wulff (CDU), Lars Klingbeil, Hubertus Heil und Markus Rinderspacher (SPD).

Ob aus dem Applaus beim Parteitag am Ende tatsächlich eine Kandidatur wird, entscheiden also nicht die Delegierten in diesem Saal. Aigner bleibt vorerst Präsidentin des Bayerischen Landtags, Söder bleibt Werber – und Merz stand beim Parteitag auffallend nah daneben.