Thilo von Groote erhält Paul Martini Early Career Award für Prävention akuter Nierenschäden nach Operationen
PD Dr. Thilo von Groote von der Universitätsklinik Münster gehört zu den drei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die mit dem „Paul Martini Early Career Award für klinische Forschung 2026“ ausgezeichnet wurden. Die mit jeweils 6.000 Euro dotierten Preise wurden beim Herbstsymposium der Paul-Martini-Stiftung in Berlin verliehen.
Geehrt werden jährlich bis zu drei Forschende bis zum vollendeten 35. Lebensjahr für herausragende Leistungen in der klinischen Forschung und der klinischen Pharmakologie. Von Groote untersuchte, wie sich akute Nierenschädigungen (AKI) nach großen Operationen verhindern lassen. Seine Arbeit basiert auf der prospektiven, randomisiert-kontrollierten Studie „BigpAK-2“ mit Patientinnen und Patienten, die ein erhöhtes AKI-Risiko hatten.
Vier Stellschrauben gegen Nierenschäden
Die biomarkergesteuerte, leitliniengerechte Präventionsstrategie setzte an mehreren Punkten an: Das Herz-Kreislauf-System wurde nach dem Eingriff gezielt optimiert, nierenschädigende Substanzen und Kontrastmittel sollten vermieden werden. Dazu kamen eine strukturierte Flüssigkeitstherapie sowie die frühzeitige Kontrolle postoperativer Blutzuckerentgleisungen.
Nach Einschätzung der Jury kann die Forschung zu mehr Patientensicherheit und besseren Operationsergebnissen beitragen. Für den Münsteraner Mediziner ist das Preisgeld mit 6.000 Euro verbunden. Bewertet werden bei dem Nachwuchspreis neben messbaren Erfolgen, darunter Publikationen in der klinisch ausgerichteten Forschung, auch der Innovationscharakter eines Projekts und sein Nutzen für Patientinnen und Patienten. Entscheidend sind objektivierbare Ergebnisse, die zur Weiterentwicklung und langfristigen Sicherung der klinischen Forschung in Deutschland beitragen.
Die beiden weiteren Auszeichnungen gingen an Dr. Stefanie Zorn von der Universitätsklinik Ulm sowie an PD Dr. Justin Ferdinandus von der Universitätsklinik Köln. Zorn entwickelte Kriterien für die pädiatrische Diagnostik bestimmter genetisch bedingter Adipositasformen und für die Charakterisierung ihrer klinisch-metabolischen Profile. In einer multinationalen Verlaufsstudie analysierte sie die Wachstumsverläufe adipöser Kinder und verglich Kinder mit und ohne Adipositas-assoziierte Gene. Gemeinsam mit der Universität Cambridge untersuchte sie außerdem das metabolische Profil von Menschen mit genetisch bedingter Adipositas. Ihre Ergebnisse könnten die Diagnose und die Auswahl einer passenden Therapie bei betroffenen Kindern verbessern. Zugleich weisen sie auf eine bislang unbekannte Funktion des an der Gewichtsregulation beteiligten Hormonrezeptors MC4R im Lipidstoffwechsel hin.
Ferdinandus befasste sich mit älteren Menschen mit klassischem Hodgkin-Lymphom, für die bislang kein wirksamer Therapiestandard bestand. In einer Kohortenstudie der Deutschen Hodgkin Studiengruppe (GHSG) zeigte er, dass das auf einem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat basierende Chemotherapieschema BrECADD bei 61- bis 75-Jährigen wirksam und verträglich ist. Die Behandlungsdauer kann abhängig vom Ansprechen in der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) individuell angepasst werden. Die Studie zeigte ein hohes Ansprechen und dauerhafte Remissionen.
Auszeichnung mit langer Vorgeschichte
Der Preis erinnert an den Bonner Wissenschaftler und Arzt Professor Paul Martini (1889–1964). Martini prägte die klinisch-therapeutische Forschung insbesondere mit seiner 1932 veröffentlichten Methodenlehre der therapeutischen Untersuchung. Die Awards stehen dabei neben dem jährlich verliehenen Paul-Martini-Preis.
Für 2026 hatte die Paul-Martini-Stiftung den „Paul Martini Early Career Award Klinische Forschung“ ausgeschrieben. Eine dreiköpfige Jury unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Robert Zeiser von der Universität Freiburg beziehungsweise des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung wählt die Preisträgerinnen und Preisträger aus. Familienzeiten und vergleichbare besondere Umstände können auf Antrag bei der Altersgrenze berücksichtigt werden.
Die Ausschreibung verlangte ein Abstract mit den Abschnitten Hintergrund, Methoden, Ergebnisse, Diskussion und Zusammenfassung; mehr als 500 Wörter durfte es nicht umfassen. Wer bis zu zwei Publikationen einreichte, musste Erst- oder Letztautorin beziehungsweise Erst- oder Letztautor sein. Die Arbeiten mussten im laufenden Jahr oder in den vergangenen zwei Jahren veröffentlicht oder zur Veröffentlichung angenommen worden sein.
Zur Bewerbung gehörten außerdem ein Bewerbungsschreiben mit dem Titel des Projekts beziehungsweise der Arbeiten und Anschrift, das Abstract, gegebenenfalls zugehörige Publikationen und Dokumente, ein Lebenslauf mit beruflicher Stellung und Tätigkeit ohne Foto sowie ein Publikationsverzeichnis des laufenden Jahres und der vergangenen drei Jahre. Einsendeschluss war der 15. August 2026. Bewerbungen sollten als PDF per E-Mail an andrea.sydow@paul-martini-stiftung.de geschickt werden.
Die Verleihung am 30. Oktober 2026 fand beim Jubiläumssymposium der Paul-Martini-Stiftung in der Kaiserin-Friedrich-Stiftung in Berlin statt. Heute, am 3. November 2026, ist die Nachricht auch in Münster angekommen – und dürfte dort nicht nur wegen des Geldes für Gesprächsstoff sorgen. Weitere Informationen stehen unter www.paul-martini-stiftung.de/home/.
Brücke zwischen Labor, Klinik und Versorgung
Die gemeinnützige Paul-Martini-Stiftung fördert die wissenschaftliche Entwicklung moderner Arzneimitteltherapien für eine wirksame und sichere Patientenversorgung. Seit 60 Jahren verbindet sie akademische Wissenschaft, Kliniken, forschende Pharmaindustrie und Politik. Zu ihren Aktivitäten gehören jährliche Symposien und Workshops sowie die Verleihung des Paul-Martini-Preises und der Early Career Awards.
Träger der Stiftung ist der Verband forschender Arzneimittelhersteller mit Sitz in Berlin. Er vertritt derzeit 51 forschende Pharmaunternehmen beziehungsweise Mitgliedsunternehmen. Benannt ist die Stiftung nach Paul Martini, dessen Beiträge zur klinisch-therapeutischen Forschung bis heute den Rahmen für die Auszeichnung bilden.
