Am Samstag, 14. November 2026, wird es in der Evangelischen Kirche Meiderich mehrstimmig: Der UDE-Kammerchor salto chorale, der Kammerchor der Universität Duisburg-Essen, präsentiert sein Programm „Motetten im Wandel“. Die Kirche ist für den Chor ein vertrauter Konzertort, beinahe ein zweites Zuhause.

Los geht’s um 17 Uhr, Einlass ist ab 16:15 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die Evangelische Kirche Meiderich liegt an der Adresse Auf dem Damm 6, 47137 Duisburg. Wer anreist, kann sich an Bus und Bahn halten. Veranstalter ist der Verein pro doMMo.

Von Josquin bis Rutter

Das Programm verfolgt die Entwicklung mehrstimmiger geistlicher Musik über rund 700 Jahre bis in die Neuzeit. Auf dem Programm stehen unter anderem Werke von Josquin Desprez (ca. 1450/55–1521), Thomas Tallis (ca. 1505–1585), Johann Sebastian Bach (1685–1750), Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) und Anton Bruckner (1824–1896). In den Angaben zum Konzert wird außerdem Desprez genannt.

Die musikalische Leitung übernimmt Jan Andrees. Jonathan Strerath spielt an der Truhenorgel – ein Instrument, das weniger nach großer Orgel klingt als nach konzentrierter Nähe: ein kleiner, tragender Klang, der zwischen den Stimmen seinen Platz sucht. Zum Abschluss erklingt John Rutters „Missa Brevis“. Rutter wurde 1945 geboren.

Weitere Informationen stehen unter prodommo.de/motetten-saltochorale-2026.

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Eine Gattung mit vielen Gesichtern

Wer bei einer Motette automatisch an leisen Chorgesang denkt, liegt nicht völlig daneben – aber die Geschichte dieser Form ist deutlich bewegter. Im 13. Jahrhundert waren Motetten häufig zweistimmig, im 16. Jahrhundert meist fünf- bis sechsstimmig. Ab etwa 1550 entstanden mehrchörige Werke mit acht bis zwölf Stimmen. Thomas Tallis’ 40-stimmige Motette Spem in alium gilt dabei als Ausnahme.

Ihre Ursprünge liegen vor allem an der Pariser Notre-Dame-Schule und in der Praxis der Organa. Nach der umstrittenen Theorie Wilhelm Meyers entwickelte sich die Motette aus den Clausulae, strophischen Einschüben in Organum-Sequenzen. Diese Clausulae wurden meist a cappella über einem Cantus firmus gesungen. Bewegtere Diskantstimmen orientierten sich rhythmisch an eigenen Texten und bildeten kurze Zwischenspiele, den motetus. Weitere Bezeichnungen waren mutetus, motellus, motecta, modulus und modulatio.

Die um 1200 entstandene Discantus vulgaris positio unterschied den Motetus ausdrücklich vom Tenor durch abweichende Notenwerte und Pausen. Damit markierte sie den Übergang vom Konduktenstil zur Polyphonie und zum Kontrapunkt. Weitere Entstehungstheorien stammen von Wolf Frobenius und Christopher Page.

In der mittelalterlichen Motette wurden mehrere Texte, teils in unterschiedlichen Sprachen, gleichzeitig über einem lateinischen Cantus firmus gesungen. Dieser stammte meist aus einem Gregorianischen Choral, selten aus einem weltlichen Volkslied. Vermutlich wurde er häufig instrumental ausgeführt, damit die übrigen Stimmen und ihre Texte verständlicher blieben. Auch weltliche Kompositionen konnten als Motetten bezeichnet werden.

Im 14. Jahrhundert kam die Isorhythmie hinzu. Philippe de Vitry und besonders Guillaume de Machaut nutzten diese Technik; Guillaume Dufay gehörte um 1435 zu den letzten bedeutenden Komponisten, die sie verwendeten.

Renaissance, Barock und die Rückkehr zu Bach

In der Renaissance blieb der Name erhalten, der Kompositionscharakter veränderte sich jedoch grundlegend. Der Cantus firmus wurde gedehnt, war rhythmisch kaum noch erkennbar und beeinflusste die Diskantstimmen nicht mehr. Lag er in der Tenorlage, sprach man von einer Tenormotette. Aus der älteren Form wurde ein kurzes kontrapunktisches Chorstück ohne festen Bezug zu einem bestimmten Feiertag; als Texte dienten meist Antiphonen.

Die Grenzen zum weltlichen Madrigal wurden zunehmend unscharf. Als vereinfachte Unterscheidung galt: Lateinische Texte wurden als Motetten, Texte in der Landessprache als Madrigale bezeichnet. Es gab auch weltliche Motetten, häufig mit Fürstenlob als Thema. Höfische Liebe spielte dabei nicht mehr die gleiche Rolle wie im Mittelalter. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entwickelten Giovanni Gabrieli und andere venezianische Komponisten den polychoralen Stil mit wechselnd eingesetzten Kapellen.

Im Barock blieben die Texte der Motetten ausschließlich geistlich. Seit dem Aufkommen des Generalbasses um 1600 wurden auch instrumental begleitete Werke so bezeichnet, darunter Stücke für eine einzige begleitete Stimme, die Voce sola oder petit motet. Der A-cappella-Stil blieb dennoch die Regel.

Johann Gottfried Walther definierte die Motette 1732 als meist stark fugierte und imitatorische Vertonung eines Bibelwortes, grundsätzlich für Gesang ohne Instrumente außer Generalbass; Instrumente konnten die Singstimmen zusätzlich verstärken. In Frankreich hießen voll orchestrierte Werke Grands motets. Bedeutende Vertreter waren Jean-Baptiste Lully, Marc-Antoine Charpentier und Michel-Richard Delalande. Ihre Kompositionen dienten häufig der Verherrlichung des französischen Königshofes und enthielten Solopartien. Lullys Plaude laetare Gallia entstand zur Taufe eines Sohnes Ludwigs XIV.; Charpentiers Te Deum enthält die später verwendete Eurovisionsmelodie.

Heinrich Schütz veröffentlichte mit den Symphoniae sacrae Motetten in lateinischer und deutscher Sprache. Als Höhepunkt seines Motettenschaffens gilt die Geistliche Chormusik von 1648. Von Johann Sebastian Bach sind vier bedeutende doppelchörige Motetten und eine vierstimmige Motette überliefert, außerdem die fünfstimmige Choralmotette Jesu, meine Freude sowie mehrere vierstimmige motettische Sätze für Chor und Basso continuo.

Im 19. Jahrhundert vertonten Motetten meist geistliche Texte, häufig Bibeltexte oder Gesangbuchverse, seltener geistliche Lyrik. Inhaltlich standen ernste geistliche Betrachtungen im Mittelpunkt; starke Kontraste der Texte eigneten sich für eine genaue, textbezogene Vertonung. Die Gattung wurde historisch verstanden und orientierte sich zunächst vor allem an den Bach-Motetten. Ab etwa 1802 wurden sie in Berlin und Leipzig wieder regelmäßig aufgeführt. In zweiter Linie dienten Motetten von Schütz und anderen älteren Komponisten als Vorbilder, Motetten vor 1600 wurden allerdings erst nach 1860 wieder stärker herangezogen.

Die Besetzung war meist a cappella. Gelegentlich wechselten Chor- und Solopartien, etwa bei Felix Mendelssohn Bartholdy. Die Musik folgte dem Text und war überwiegend kontrapunktisch angelegt, mit gleichberechtigten Stimmen.

Vom 20. Jahrhundert bis heute

Auch im 20. Jahrhundert blieb die Motette eine geistliche, meist a-cappella- und historisch orientierte Form. Der Rückbezug auf ältere Komponisten und Formen war stärker als in vielen anderen Gattungen; zugleich verbanden Komponisten historische Modelle mit moderner Tonsprache. Rudolf Stephan sprach in einem Aufsatz vom Niedergang der Motette im 20. Jahrhundert.

Zu den bedeutenden Vertretern zählen Hugo Distler, Ernst Krenek, Francis Poulenc, Johann Nepomuk David, Zoltán Kodály, Ernst Pepping und Siegfried Reda. Arnold Schönberg setzte sich spät mit der Gattung auseinander, unter anderem in Opus 50. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden besonders für Laienchöre und Kantoreien wieder verstärkt Motetten, etwa von Wolfgang Stockmeier und Siegfried Strohbach. Die zeitgenössische Musik der 1950er-Jahre bezog die Motette hingegen kaum ein.