Am 22. September 2026 wurden im Allianz Forum in Berlin 20 Professorinnen und Professoren mit dem Unipreneurs-Preis ausgezeichnet. Die Ehrung soll jene würdigen, die Forschung nicht im Labor stehen lassen, sondern daraus Unternehmen und wirtschaftliche Anwendungen machen. Vergeben wird der Preis laut Veranstaltern alle drei Jahre; er gilt als höchste deutsche Auszeichnung für Unternehmertum an Hochschulen.

Ausgewählt wurden die Geehrten aus mehr als 800 Nominierungen. Zuvor waren knapp 10.000 Wissenschaftsgründer befragt worden. Organisiert wurde die Auszeichnung vom Stifterverband, unterstützt vom Startup-Verband, Bitkom und AddedVal.io. Die Schirmherrschaft hatten das Bundesforschungsministerium unter Dorothee Bär und das Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche übernommen.

Gelobt aus der Ferne

Im Saal fehlten allerdings beide Ministerinnen. Die Preise überreichten die Parlamentarischen Staatssekretäre Matthias Hauer und Johannes Steiniger. In einer Pressemitteilung des Stifterverbands lobten Bär und Reiche die Preisträger und die Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz und Unternehmertum – persönlich anwesend waren sie nicht.

Nach Angaben mehrerer Teilnehmer wurde während der Veranstaltung bekannt, dass Bär an diesem Tag bei der „Red Ladies Wiesn“ in München war. Die Veranstaltung auf dem Oktoberfest stand unter ihrer Schirmherrschaft und sammelte zugunsten des Hauner Vereins 46.000 Euro für einen Operationsroboter für minimalinvasive Eingriffe an Säuglingen. Belegt ist, dass Bär am Mittag des 22. September an diesem Charity-Termin teilnahm. Ob sie am Abend noch in München war, ist nicht bekannt; eine Reise nach Berlin wäre zeitlich grundsätzlich möglich gewesen.

Bärs Ministerium begründete ihre Abwesenheit nicht und verwies lediglich auf die Teilnahme von Staatssekretär Matthias Hauer. Das Wirtschaftsministerium bestätigte, dass Reiche nicht persönlich anwesend war. Zu nicht öffentlichen Terminen der Ministerin machte es keine Angaben. Schon 2025 hatte Bär die Schirmherrschaft der Damen-Wiesn übernommen, war damals wegen einer Sitzungswoche in Berlin aber nicht persönlich dort. Beim Unipreneurs-Jahrestreffen 2025 nahm unter anderem der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst teil.

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Aus dem Hörsaal in die Straße

Die 20 Ausgezeichneten haben laut Stifterverband zusammen rund 600 Start-ups als Mentoren, Beiräte oder Investoren begleitet. 90 Prozent von ihnen gründeten selbst Unternehmen. Einer von ihnen ist Christof Paar, Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Sicherheit und Privatsphäre. Er gründete 2004 die Escrypt GmbH, die 2012 an ETAS/Bosch verkauft wurde. Technologien aus Bochum werden laut Max-Planck-Gesellschaft in mehreren zehn Millionen Autos eingesetzt.

Andere Preisträger arbeiten in der Batterieforschung, Krebsgenomik, Photonik und chirurgischen Robotik. Das passt zur Entwicklung der deutschen Gründungsszene: Seit Mitte 2025 stieg die Zahl der Start-up-Gründungen, im Juni 2026 wurden mehr als 600 Start-ups gegründet. Seit Jahresbeginn 2026 kamen sechs deutsche Start-ups mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde US-Dollar hinzu. Der Startup-Verband zählt insgesamt 36 deutsche Unternehmen dieser Größenordnung.

Auf der Unipreneurs-Website stehen dazu zahlreiche Namen und Einrichtungen aus dem deutschen und europäischen Gründungs- und Technologieumfeld. Genannt werden etwa Alexander von Frankenberg, Anna Christmann, Christian Miele, Dorothee Bär, Katherina Reiche, Philipp Westermeyer und Rafael Laguna de la Vera. Bei den Investoren und Venture-Capital-Fonds finden sich HV Capital, Speedinvest, UVC Partners, eCapital, Auxxo, matterwave ventures und seed & speed.

Auch Hochschul- und Gründungsinitiativen wie UnternehmerTUM, Science & Startups, exist, BRIDGE, GUIDE und das Centrum für Entrepreneurship & Transfer sind dort aufgelistet. Dazu kommen das Barkhausen Institut, das Center for NanoScience, das Buchholz Lab und das Center of Science of Materials Berlin. Unter den Start-ups und Technologieunternehmen stehen Nyris, TUM.ai, Vitolus, JUNI, Balance of the Microverse und Place Beyond Bytes. Regionale und thematische Netzwerke bilden GOe FUTURE, Jena Innovation, NXTGN, RheinMain StartUpLabs, SOUTHWESTX und Werkraum.thws. Weitere Angaben zu den genannten Personen oder Organisationen enthält der Text nicht.

Wem gehört die Idee?

Parallel zur Preisverleihung wird über den Zugang wissenschaftlicher Ausgründungen zum geistigen Eigentum der Hochschulen gestritten. Die TransferAllianz fordert transparente, gründungsfreundliche und investitionsfähige Bedingungen, lehnt aber ein pauschales Gründungsprivileg ab. Gerade für junge Teams kann der Unterschied zwischen einer gut nutzbaren Lizenz und monatelangem Verhandeln ziemlich entscheidend sein.

Beide Ressorts bezeichnen Innovation, Forschungstransfer und Wettbewerbsfähigkeit als politische Schwerpunkte. Der Unipreneurs-Preis sitzt damit mitten in einem Spannungsfeld: Forschung soll frei bleiben, zugleich aber schneller in Produkte, Therapien und Unternehmen gelangen. Und irgendwo dazwischen liegen Verträge, Patente und die Frage, wer das Risiko trägt.

Was dauerhaft bleiben soll

Eine längerfristige Perspektive liefert der Gründungsradar. Seit 2012 erstellt ihn der Stifterverband gemeinsam mit dem heutigen Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Ziel ist es, Impulse für die Weiterentwicklung der Gründungsförderung an Hochschulen zu geben.

2023 wurden an deutschen Hochschulen 2.927 betreute Gründungen registriert – mehr als 2021. 1.184 davon entfielen auf den Wissens- und Technologietransfer und damit auf mehr als ein Drittel aller Gründungen. 290 dieser Gründungen basierten auf Patenten. Im Vergleich zu 2012 hat sich die Zahl der Gründungen mit Wissens- und Technologietransfer mehr als verdoppelt; auch der Anteil patentbasierter Gründungen ist seit 2012 gestiegen.

Der Gründungsradar 2025 trägt das Schwerpunktthema „Verstetigung“. Gemeint ist, zeitlich befristete Förderstrukturen in dauerhafte und tragfähige Strukturen umzuwandeln: Expertise durch erfahrenes Personal aufbauen, Ressourcen dauerhaft sichern und die kontinuierliche Unterstützung durch Hochschulleitungen gewährleisten. An der TU Dresden, dem Ort dieses Berichts, klingt das weniger nach Festrede als nach täglicher Arbeit – mit Förderanträgen, Laborlicht und der nächsten Idee, die vielleicht irgendwann ein Unternehmen wird.