Alexandra Wilke stand nach der Basketball-WM nicht lange im Rampenlicht. Die wertvollste Spielerin der deutschen Basketball-Bundesliga kehrte in ihren Alltag als Lehrerin zurück und begrüßte an einem Karlsruher Gymnasium die neue Klasse 5d – mit einem bunt bemalten Plakat.

Die 30-Jährige ist deutsche Meisterin, Nationalspielerin und WM-Vierte. Sie spielt für die Rutronik Stars Keltern. Ihren Hauptberuf übt Wilke nach abgeschlossenem Referendariat als Gymnasiallehrerin für Mathematik und Sport aus. Zwischen Tafel, Stundenplan und Bundesliga-Parkett liegen bei ihr keine Welten, eher ein ziemlich voller Tag.

Der WM-Schub soll in der Liga ankommen

Als Jugendliche wusste Wilke nicht, dass Basketball einmal ein Beruf sein könnte. Eine A-Nationalspielerin kannte sie damals ebenfalls nicht. Inzwischen gibt es mit Nyara und Satou Sabally sowie Leonie Fiebich Vorbilder für junge Basketballerinnen. Viele wechselten in die USA, wo sie bessere Karriere- und Verdienstmöglichkeiten sehen.

Wilke blieb in Deutschland. Sie hofft, dass der Erfolg bei der Heim-WM nun Aufmerksamkeit für die Bundesliga bringt, die am Sonntag startet. Prominente Zuschauer wie Dirk Nowitzki sind bei Spielen der Frauen-Bundesliga bislang allerdings selten. Der große Andrang, der nach einer WM-Medaille gern versprochen wird, muss sich also erst noch zeigen.

Bundestrainer Olaf Lange nahm die Strukturen der Liga deutlich ins Visier. Die medizinische Versorgung bei den Clubs sei „katastrophal“, kritisierte er. Zugleich erklärte Lange, er müsse dafür sorgen, dass deutsche Topspielerinnen ins Ausland wechseln können. Das klingt zunächst widersprüchlich: Die Liga soll wachsen, ihre besten Spielerinnen sollen aber auch anderswo bessere Bedingungen finden. Beides gehört derzeit zur Realität.

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Die Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL) sucht deshalb nach Wegen zu mehr Professionalität. Vorstandsvorsitzende Ireti Amojo bezeichnete die Entwicklung als langfristigen Prozess, als „Marathon“. Die Liga besteht seit 21 Jahren, ist inzwischen aber auf zehn Teams geschrumpft und soll möglichst wieder auf zwölf Mannschaften erweitert werden.

Mehr Teams, mehr Geld, bessere Bedingungen

Wie schwierig das ist, zeigt der VfL VIACTIV-AstroLadies Bochum. Der Verein schaffte zuletzt zweimal den sportlichen Aufstieg, verzichtete aber jeweils aus finanziellen Gründen. Für den Sprung nach oben wären ein deutlich höherer Etat und bessere Infrastruktur nötig. Vielen Vereinen fehlen finanzielle Sicherheiten.

Amojo lehnt eine Absenkung der bestehenden Standards ab. Sie hält diese Vorgaben für notwendig, damit sich die Liga weiterentwickeln und professionalisieren kann. Das ist unbequem, aber nachvollziehbar: Ein zusätzlicher Startplatz allein bringt noch keine Trainingshalle, kein medizinisches Team und keine stabilen Budgets.

Als mögliches Entwicklungsmodell gelten mehr Frauenmannschaften bei großen Männerclubs, ähnlich wie im Fußball. Alba Berlin ist bereits in der Männer- und Frauen-Bundesliga vertreten. Geschäftsführer Marco Baldi sagte, Alba wolle seine Expertise für die Weiterentwicklung des gesamten Frauenbasketballs einbringen.

Nationalspielerin Alina Hartmann kehrte nach mehreren Auslandsstationen nach Deutschland zurück und spielt nun für Alba. Trainingsmöglichkeiten und medizinische Versorgung seien in anderen Ländern häufig besser, erklärte sie. Dadurch werde der Sport attraktiver und erhalte mehr Aufmerksamkeit.

Aus München und Frankfurt gibt es grundsätzlich Interesse am Frauenbasketball. Derzeit haben dort jedoch andere Projekte Vorrang. Bayern-Präsident Herbert Hainer sieht Verbesserungsmöglichkeiten, will beim FC Bayern zunächst den Männerbasketball weiterentwickeln. Beim FC Bayern könne nicht alles gleichzeitig umgesetzt werden, sagte Hainer. Ein Satz, der im Sport fast immer stimmt – und trotzdem nicht sonderlich tröstet.

Was die DBBL selbst meldet

Auf der Website der Damen-Basketball-Bundesligen wird die Saison in den Bereichen 1. DBBL, 2. DBBL und Allgemeine News begleitet. In der 1. DBBL stehen unter anderem die Hinweise „Saison 26-27: Los geht’s gegen den Herner TC!“, „Saisonauftakt in Freiburg: Herner TC startet in die neue …“ und „DBBL-Saisonauftakt am Sonntag in der Sömmeringhalle: A …“.

Die 2. DBBL kündigt ein „Erstes Heimspiel der Saison“ an, berichtet, dass „Talents reisen als Favorit in den Hamburger Norden“, und vermeldet: „Frühe Duftmarke gesetzt“. Unter „Allgemeine News“ finden sich „Stark auf allen Seiten: Thalia wird exklusiver Bildung …“, „Rhein-Main Baskets starten mit Niederlage zurück in di …“ sowie „Entscheidung der Spielleitung der Toyota Damen-Basket …“. Ein konkreter Nachrichtenartikel oder vollständiger Bericht ist in der gelieferten Übersicht nicht enthalten.

Eine gemeinsame Agenda bis 2030

Für die längerfristige Entwicklung wollen DBBL und Deutscher Basketball-Bund (DBB) weiterhin gemeinsam arbeiten. Nach einem Workshop im Sommer 2019 verständigten sich beide Organisationen auf die „Agenda 2030 Damenbasketball in Deutschland“. Sie umfasst sieben Eckpunkte.

  • Die deutsche Damen-Nationalmannschaft soll an Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen teilnehmen; damit verbunden ist die Ausrichtung internationaler Großveranstaltungen.
  • Der Damenbasketball soll zu einer der attraktivsten und erfolgreichsten weiblichen Teamsportarten in Deutschland weiterentwickelt werden.
  • Deutsche Damen-Klubteams sollen an Europapokal-Wettbewerben teilnehmen.
  • Die DBBL soll fortlaufend professionalisiert werden, unter anderem bei Strukturen und Personal.
  • Deutsche Spielerinnen sollen fester Bestandteil der DBBL-Klubs sein.
  • Die Nachwuchsarbeit in der DBBL soll intensiviert werden, um internationale Erfolge im Nachwuchsbereich zu unterstützen und fortzusetzen.
  • Gemeinsam mit dem DBB soll ein ganzheitliches Bildungsprogramm für Trainerinnen und Trainer, Mitarbeitende, Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter sowie weitere Beteiligte aufgebaut werden.

Die sieben Ziele sollen die weitere Professionalisierung ermöglichen und den positiven Entwicklungstrend fortsetzen. Eine Task Force mit Vertreterinnen und Vertretern von DBBL und DBB sowie bei Bedarf externen Expertinnen und Experten soll in Kürze gebildet werden. Ihre erste Aufgabe ist die Erstellung eines Fahrplans für die gemeinsamen Aktivitäten der kommenden zwei Jahre.

DBB-Präsident Ingo Weiss betonte, dass die Weiterentwicklung des Damenbasketballs nur gemeinsam gelingen könne und der DBB die DBBL bei der Professionalisierung unterstützen wolle. DBBL-Geschäftsführer Philipp Reuner erklärte, die Gespräche hätten den gemeinsamen Handlungsbedarf bestätigt; die Eckpunkte bildeten den Auftakt für weitere Maßnahmen und die Ausarbeitung verschiedener Zukunftsthemen. Auf dem Foto sind Philipp Reuner, Kurt Wittmann, Ingo Weiss, Paula Zaschka, Andreas Wagner und Dirk Steidl abgebildet.

Heute, am 1.10.2026, ist die Frage an der Uni Würzburg damit ziemlich greifbar: Reicht der Schwung der WM bis in die kleinen Hallen, in Trainingspläne und Vereinsbudgets? In Karlsruhe hängt derweil ein buntes Plakat für die Klasse 5d. Vielleicht beginnt Nachwuchsarbeit manchmal genau dort – zwischen Matheunterricht, Turnbeutel und dem ersten Wurf auf einen viel zu hohen Korb.