Die Universität Zürich hält an ihrer Kooperation mit der Birzeit University in Ramallah fest – obwohl Harvard seine Zusammenarbeit mit der palästinensischen Hochschule 2025 beendet hat. Birzeit lehne jeden akademischen Kontakt mit israelischen Universitäten ab, begründete Harvard den Schritt. Die eigene Kooperation habe dadurch den Eindruck erweckt, Harvard toleriere diesen Boykott.

In Zürich läuft die Partnerschaft seit Anfang 2011 über die Rechtswissenschaftliche Fakultät. Birzeit hat rund 12.000 Studierende. Anders als bei vielen anderen weltweiten Hochschulpartnerschaften der UZH führt der Austausch allerdings nur in eine Richtung: Noch nie habe sich ein Zürcher Student für ein Studium in Birzeit entschieden. In den vergangenen zehn Jahren kamen laut UZH 42 Studierende von dort nach Zürich. Pro Jahr nehmen ein bis zwei Personen an einem Masterprogramm und etwa drei an einem einsemestrigen Gastaufenthalt teil.

Ein kleines Programm mit politischem Gewicht

Die Auswahl sei mehrstufig und umfasse ein ausführliches Interview, erklärt die UZH. Besonders junge Frauen hätten von dem Programm profitiert. Die Universität nennt es ein «humanitäres Studienprogramm» und will damit nach eigenen Angaben besonnene, menschenrechtsorientierte Kräfte in der palästinensischen Gesellschaft stärken.

Am 5. Oktober stürmten israelische Soldaten den Birzeit-Campus. Mit einem Bulldozer zerstörten sie ein Monument auf einem zentralen Platz. In den Stein waren die Namen von etwa 40 getöteten Studenten und Alumni eingraviert, die als «Märtyrer» bezeichnet wurden.

Auf der Liste standen unter anderem Yahya Ayyash und Fatih Shikaki. Ayyash, früher Elektronikstudent und Mitglied der Hamas, baute Bomben für Selbstmordanschläge gegen israelische Zivilisten. Je nach Quelle wurden dabei etwa 50 bis 90 Menschen getötet. 1996 starb Ayyash durch ein mit Sprengstoff präpariertes Mobiltelefon. Shikaki gründete 1981 den Palästinensischen Islamischen Jihad und wurde 1995 mutmasslich vom Mossad getötet.

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Birzeit sprach von einem «direkten Angriff gegen das kollektive Gedächtnis der Universität» und auf einen «Ort der nationalen Erinnerung». Die israelische Botschaft in Bern bestätigte den Einsatz. Nach ihrer Darstellung entfernten die israelischen Streitkräfte ein Monument und Schilder, auf denen Terroristen und Mörder verherrlicht worden seien.

Vorwürfe gegen den Campus

Israelische Sicherheitsbehörden bezeichnen Birzeit als «Brutstätte der Radikalisierung». Akademische Freiheit werde als Vorwand genutzt, um Gewalt und die Ehrung von Personen mit Terrorismusverbindungen zu unterstützen.

Die Nähe zur Hamas ist an der Universität öffentlich sichtbar. Auf der Website von Birzeit ist weiterhin eine Rede des Hamas-Gründers Ahmad Yassin aus dem Jahr 1997 abrufbar. Bei den Studentenratswahlen 2015 wurde eine Hamas-nahe Gruppe stärkste Fraktion. Nach dem Hamas-Angriff auf Israel im Oktober 2023 veröffentlichte die Universität den Aufruf «Ruhm den Märtyrern, Genesung den Verwundeten und Freiheit den Gefangenen».

Die israelische Botschaft erklärte, studentische Aktivitäten mit Hamas-Bezug an Birzeit seien umfassend dokumentiert. Israelische Behörden vermuteten zudem, die Universität könne als Rekrutierungsstätte für Terroristen und als Finanzierungskanal für entsprechende Netzwerke dienen.

Wenige Tage nach dem Hamas-Angriff, am 31. Oktober 2023, teilte die UZH mit, zusätzliche Mittel zur Fortführung der Kooperation mit Birzeit erhalten zu haben. In dieser Mitteilung wurde die Partnerinstitution irrtümlich als «Birzeit Hebrew University» bezeichnet – ein Fehler, der angesichts der aufgeheizten Lage nicht gerade für Ruhe sorgte.

Dialog trotz Boykott

Die UZH betont, auf gesamtuniversitärer Ebene gebe es kein Abkommen mit Birzeit. Die Zusammenarbeit laufe ausschließlich über die Rechtswissenschaftliche Fakultät. Zugleich unterhält die Zürcher Universität nach eigener Darstellung auch Austauschbeziehungen mit israelischen Universitäten und ist dafür kritisiert worden.

Die Universität verurteilt jede Gewalt zur Durchsetzung politischer oder gesellschaftlicher Ziele. Sie distanziere sich von Personen und Gruppierungen, die zu Fremdenfeindlichkeit und Hass aufriefen, und stehe für Dialog, Vielfalt, Toleranz und friedliches Zusammenleben.

Die Fakultät machte keine Angaben zu den Kosten des stiftungsfinanzierten Programms. Auch den beschriebenen Widerspruch zwischen der Kooperation und der Hamas-Nähe Birzeits beantwortete sie nicht. Das Programm bleibt damit klein, aber politisch schwer beladen.

Birzeit ist nicht nur mit Zürich verbunden. Die Universität nimmt am EU-Programm Erasmus+ teil und unterhält Partnerschaften unter anderem mit der Sorbonne sowie der Freien Universität und der Humboldt-Universität in Berlin. Das zerstörte Ehrenmal wurde inzwischen auf dem Campus ersetzt.

Wenn Recherche an einer Schutzseite hängen bleibt

Eine der weiterführenden Berliner Stellungnahmen zur Zusammenarbeit mit israelischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftseinrichtungen war am 17.10.2026 nicht direkt lesbar. Die Website der Humboldt-Universität konnte Anubis-JavaScript nicht laden; als mögliche Ursache wird eine Überlastung des Servers genannt. Nutzer sollen die Seite neu laden.

Anubis schützt den Server vor umfangreichem automatisiertem Abrufen durch KI-Unternehmen. Das System arbeitet mit einem Proof-of-Work-Verfahren nach dem Vorbild von Hashcash: Für einzelne Nutzer soll die zusätzliche Rechenlast gering bleiben, bei massenhaftem automatisiertem Abrufen steigt der Aufwand deutlich.

Die Betreiber bezeichnen Anubis als vorläufige Lösung, während Verfahren zur Erkennung von Headless-Browsern weiterentwickelt werden. Die Erkennung soll unter anderem anhand der Schriftartdarstellung erfolgen. Dafür sind moderne JavaScript-Funktionen erforderlich; Plugins wie JShelter können diese Funktionen deaktivieren und sollen für diese Domain ausgeschaltet werden.