Walhalle wird zum Konzertsaal: Uraufführung von Whales and Traders in Kiel
Im Zoologischen Museum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) wird es am Donnerstag, 5. November, musikalisch: Um 19:00 Uhr setzt die Karl-August-Möbius-Gesellschaft ihre Nachtkonzert-Reihe fort. Der Abend ist zugleich das Jubiläumskonzert zum zehnjährigen Bestehen des Kieler Kammermusik-Ensembles Moments Musicaux.
Das Trio bilden Andrea-Elisabeth Recknagel an der Flöte, Claudia Gotthardt am Akkordeon und Bettina Günst am Violoncello. Ihre Besetzung ist eher ungewöhnlich – und genau darin liegt der Reiz des Abends. Auf dem Programm stehen bekannte und unbekannte, alte und neue Werke.
Neue Musik zwischen Walhalle und Walen
Den Höhepunkt bildet die Uraufführung von „Whales and Traders“. Die Hamburger Komponistin Christine K. Brückner hat das Werk eigens für den Jubiläumsabend im Zoologischen Museum komponiert. Es ist für Flöte, Violoncello und Akkordeon geschrieben und entstand 2026.
Seit 2017 findet die Konzertreihe in der Walhalle des Museums statt. Sie verbindet Wissenschaft und Kunst: Klassische Musik erklingt in wechselnden Besetzungen im historischen Ambiente des naturkundlichen Museums, zwischen Sammlungsstücken und der besonderen Akustik des Raums. Für das neunte Nachtkonzert wurde das Kieler Trio Moments Musicaux engagiert.
Veranstaltet wird der Abend von der Karl-August-Möbius-Gesellschaft, dem CAU-Forschungsschwerpunkt Kiel Life Science (KLS) und dem Zoologischen Museum Kiel. Ein Konzertsaal ist das Museum nicht – und gerade deshalb dürfte der Abend ein wenig anders knistern als ein gewöhnlicher Termin im Kalender.
Eine Komponistin zwischen Minimal Music und Marionettentheater
Christine K. Brückner, geboren am 13. Juni 1967 in Hamburg, ist deutsche Komponistin. Ihr Werk reicht von Kammermusik für kleine und große Besetzungen über Opern, Chor- und Gesangsstücke und Solowerke bis zu Tanz- und Kammermusiktheater. Bei Aufführungen ihrer Werke sitzt sie häufig selbst am Klavier oder Akkordeon.
Ihre Musik verbindet Einflüsse aus Minimal Music, Klassik, Popmusik und verschiedenen ethnischen Musikrichtungen. Nach Instrumental- und Kompositionsunterricht studierte Brückner Komposition und Musiktheorie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg; 1992 schloss sie das Studium mit Diplom ab. Mehrfach nahm sie an den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik teil und führte dort eigene Werke auf.
Seit der Gründung ist sie Mitglied der Gesellschaft für Neue Musik Hamburg, seit 2026 als deren zweite Vorsitzende. Als Komponistin war sie unter anderem an den Festivals „Fließende Grenzen“, „Pur Oder Plus“ und „Orchesterakademie Hamburg“ beteiligt.
Auch abseits klassischer Konzertformate ist Brückner unterwegs. 1997 und 1998 spielte sie mit Nicola Kruse (Violine) und Claudius Molter (Flöte) im Ensemble für Neue Musik „Timaion“. Seit 1998 trat sie mit der Sängerin Sabrina Junker als Duo „The Ginger Girls“ an verschiedenen Orten auf. Von 2001 bis 2010 spielte sie mit Susanne Hahn in der Band „Lilak Nilak“, die vor allem im Hamburger „Foolsgarden“ auftrat.
Dort lernte sie den Holzbildhauer und Marionettenspieler Thomas Zürn kennen und komponierte mehrere Musiken für dessen Theater. Seit 2010 tritt sie regelmäßig als Musikerin in Thomas Zürns Marionettentheater auf, seit 2012 auch im Jenischhaus in Hamburg. Von 2008 bis 2016 gehörte sie außerdem dem Ensemble FarbKlang mit Katja Reusch, Katja Langbehn, Usha Hoernes und Volker Linde an. Das Ensemble veranstaltete Konzerte und tänzerisch inszenierte Konzerte in und um Kiel.
2011 gründete Brückner mit der Violinistin Dorothea Geiger das Duo „Die besondere Note“. Dort tritt sie bis heute als Pianistin und Akkordeonistin auf. Überhaupt begleitet sie ihre eigenen Werke seit der Studienzeit oft selbst – eine Praxis, die Komponieren und Aufführen ziemlich unmittelbar zusammenbringt.
Opern, Chöre und kleine Werkzyklen
Ihre Oper „Der Basilisk“ entstand 1989/90 nach einem Libretto von Anna Lioba Metz und Christine K. Brückner. Die rund 1 Stunde 30 Minuten dauernde Oper wurde am 5. Oktober 1990 im Forum der Hamburger Musikhochschule uraufgeführt. Die Kammeroper „diamond way“ folgte 1995/96 nach einem Libretto von Danny Antonelli; ihre Uraufführungen fanden 1999 in Dresden und Kiel statt. Die deutschsprachige Fassung erklang am 15. Mai 1999 in der Kleinen Szene der Semperoper Dresden, die englische Originalfassung am 30. Mai 1999 im Orchesterprobensaal der Kieler Oper.
Zu Brückners Kammermusik gehören „Saitiriadijaouwahah“ (1994) für Violine, Flöte und Klavier, „Diamond dance“ (1996/97) für Flöte, Violine, Violoncello und Klavier, „Die Wege“ (1999) als Klaviertrio, „Sitanar“ (2002) für Sextett, „Tsetono“ (2004) für Flöte und Klavier, „El Nino, Rotating“ (2007) für Akkordeonorchester sowie „Viaggo sul mare“ (2008) für Flöte, Klarinette und Gitarre.
Seit 2004 entstanden mehrere kirchliche Chorwerke: „Die Seligpreisungen“, „La Pavane – eine Weihnachtsgeschichte“, „Pamietamy – Erinnern“, „Requiem für die Verschwundenen“ und „Sieben Gesänge über den Tod“. Aufgeführt wurden diese Werke unter anderem in Rellingen, Künzelsau, Hamburg und Berlin.
Zwischen 2017 und 2026 schrieb Brückner kleinere Werkzyklen: „Minimalistische Miniaturen“ für Flöte und Klavier, „Herbstbilder“ für Tenor und Klavier sowie „Vier Lieder über die Sehnsucht“ für Countertenor und Akkordeon. In der ausführlicheren Werkübersicht stehen außerdem „La Pavane – eine Weihnachtsgeschichte“ (2014/15) für Mezzosopran, Bariton, vierstimmigen Chor, Flöte, Violoncello und Klavier, „Pamietamy – Erinnern“ (2018) für Violine, Violoncello, Klavier und gemischten Chor, „Requiem für die Verschwundenen“ (2019/20) für vierstimmigen Chor und Klavier, „Sieben Gesänge über den Tod“ (2021) für a-cappella-Chor, „Tanz der Pachamama“ (2022) für Akkordeon und Gitarre, „Brich an, Du schönes Morgenlicht“ (2023) für gemischten Chor und Orgel, „Uhambo“ (2023) für Gitarrenensemble, Marimbaphon, Vibraphon, große Trommel und Pauken sowie „Vier Gesänge über das Glück“ (2025) für a-cappella-Chor.
Bei den Vokalwerken finden sich „Es ist Nacht“ (2000) für Sopran und Klavier und „Die Rosen“ (2006) für zwei Frauenstimmen und Klavier. „Herbstbilder“ (2018/19) für Tenor und Klavier umfasst „Herbstbild“, „Septembermorgen“, „Graues Land“, „Im Herbste“, „Solch ein lauer weißer Tag“ und „Herbst-Gefühl“. 2026 entstanden außerdem „Vier Lieder über die Sehnsucht“ für Countertenor und Akkordeon, mit weiteren Fassungen für Countertenor und Klavier sowie Mezzosopran und Klavier: „Improbe Amor“, „Awake, O Northwind“, „My Love Is Like to Ice and I to Fire“ und „Seit ich ihn gesehen“.
Vom Klaviersolo bis zur veröffentlichten Ausgabe
Auch die Solowerke zeigen die Spannweite: „Kazeeah“ (1990), „Break 3“ (1993), „Kahuythin“ (1997), „Wiegenlied für die Liebe“ (2010/11), „Sioux Ghost Dance“ (2019), „Tanz der Pachamama“ und „A Christmas Carol for Peace“ (beide 2022), „Kerzenschimmer“ (2023) für Altblockflöte solo, „Provence“ (2024) und „Kleine Etüde“ (2025), jeweils für Klavier, gehören
