Heute, am 2. November 2026, beginnt in Berlin eine Woche voller Gespräche, Filme, Ausstellungen und Musik zwischen Japan und Deutschland. Der Auftakt findet im Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin (JDZB) statt: Um 17:30 Uhr führt die Ausstellung „Perspektiven in Resonanz – Japanisch-Deutsche Dialogausstellung“ durch das Atrium, anschließend läuft im Saal um 18:30 Uhr der Film „Share no Hōsoku“ („A Matter of Sharing“, 『シェアの法則』) von Shinji Kuma.

Die #MovieNight dauert von 17:30 bis 21:30 Uhr. Die Bibliothek des JDZB ist geöffnet, der Eintrittsort liegt in der Saargemuender Str. 2, 14195 Berlin. Gezeigt wird die japanische Originalfassung mit englischen Untertiteln (OmeU). Der Film aus dem Jahr 2022 dauert 107 Minuten; der Bildnachweis lautet © 2022 Japan Concierge Inc.

Ein Sharehouse als kleine Gesellschaft

Im Mittelpunkt stehen Haruyama und seine Frau, die in einem umgebauten Einfamilienhaus in Tokyo ein Sharehouse betreiben. Menschen unterschiedlichen Alters, verschiedener Berufe und Nationalitäten leben dort zusammen. Es kracht gelegentlich, klar – zugleich helfen sich die Bewohnerinnen und Bewohner im Alltag.

Als Kiyoko, die Hausmeisterin und Mutterfigur des Hauses, ins Krankenhaus muss, übernimmt ihr Mann Hideo ihre Aufgaben. Der verschlossene, strenge Hideo tut sich zunächst schwer mit den anderen Bewohnern. Das Zusammenleben und einige unerwartete Ereignisse bringen seine Haltung jedoch langsam ins Rutschen. „Share no Hosoku“ basiert auf einem gleichnamigen Theaterstück.

Am 3. November geht es um 18:00 Uhr im Foyer des Konzertsaals der UdK Berlin, Hardenbergstraße/Ecke Fasanenstraße, 10623 Berlin, um „Was bleibt vom Körper? – Materialität + Technologie“. Çagla Ilk und Melanie Rou miguière steuern Beiträge bei; moderiert wird der Abend von Prof. Mathilde ter Heijne.

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Im Anschluss folgt am 4. November um 19:00 Uhr in der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin das „Büro der öffentlichen Sache: Teilhabe“. Gregor Gysi und Manos Tsangaris sprechen über demokratischen Streit in der Öffentlichkeit und mögliche Lernprozesse zwischen Kunst und Politik. Ein sperriger Titel, vielleicht – aber die Frage sitzt mitten im Alltag.

Gespräche, Künstlerinnen und eine Pianistin

Am 5. November beginnt um 19:00 Uhr im Haus am Kleistpark, Grunewaldstraße 6–7, 10823 Berlin, ein Artist Talk mit der Kunst- und Bildwissenschaftlerin Dr. des. Judith Ostermann. Das Gespräch findet im Rahmen der Ausstellung „Silberstreif. Daniela Friebel“ statt.

Der 6. November bringt um 15:00 Uhr ein englischsprachiges Gespräch mit Sophie Calle in den Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Invalidenstraße 50, 10557 Berlin. Die Veranstaltung gehört zur Reihe „Gespräche mit internationalen Künstler*innen“.

Am 7. November folgt um 16:00 Uhr das Gespräch „Zur Einheit“ mit Dr. Jenny Graser, Kuratorin am Museum der bildenden Künste Leipzig, und dem Künstler Eric Meier. Schauplatz ist die Galerie Alte Schule im Kulturzentrum Adlershof, Dörpfeldstraße 54–56, 12489 Berlin; der Termin gehört zur Ausstellung „Die Kids sind nicht alright! 2“.

Zum Abschluss der Veranstaltungsfolge setzt die Pianistin Maria Nemtsova am 8. November um 19:00 Uhr bei einem Lecture-Konzert in der PANDA platforma, Knaackstraße 97, 10435 Berlin, Yayoi Kusamas Welt in Beziehung zu Musik von Karen Tanaka, Meredith Monk, Kate Moore und weiteren Komponistinnen. Der Abend findet im Rahmen von „Panda Women“ statt. Erst Film, dann Streit, dann Klavier – Berlin kann solche Wochen.

Eine Beziehung mit vielen Schichten

Der kulturelle Faden zwischen Japan und Deutschland wirkt heute selbstverständlich, ist historisch aber keineswegs glatt. Die Beziehungen gelten traditionell als freundschaftlich und waren dennoch wechselhaft. Erste Kontakte entstanden im 17. Jahrhundert durch Deutsche im Dienst der Niederländischen Ostindien-Kompanie. Caspar Schamberger förderte das japanische Interesse an westlicher Medizin, während Andreas Cleyer und George Meister europäische Gelehrte auf die japanische Flora aufmerksam machten. Engelbert Kaempfer beschrieb Japan umfassend in seinen Werken von 1712 und 1727; Philipp Franz von Siebold knüpfte im 19. Jahrhundert daran an und beeinflusste die moderne Japanologie.

Der japanische Gelehrte Arai Hakuseki erwähnte Deutschland um 1715 als „Zerumania“. Westliche Weltkarten machten politische und geografische Verhältnisse interessierten Kreisen in Japan bekannt. Die ersten offiziellen Beziehungen zwischen einem deutschen Staat und Japan entstanden durch die preußische Mission unter Graf von Eulenburg: Am 24. Januar 1861 wurde ein Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag geschlossen.

Angeregt hatte den Vertragsabschluss der Kaufmann Louis Kniffler, der 1859 das erste deutsche Unternehmen in Japan gründete. 1861 wurde er preußischer Vizekonsul in Nagasaki – der erste dauerhaft akkreditierte Konsularbeamte eines deutschen Staates in Japan. 1862 besuchte eine Gesandtschaft des japanischen Shogunats den preußischen König Wilhelm I. in Berlin. 1873 reiste die Iwakura-Mission nach Deutschland und übernahm dort Anregungen für die Modernisierung des japanischen Staates.

Auch die deutsche diplomatische Vertretung in Japan wurde schrittweise aufgewertet. Max von Brandt war zunächst Konsul, später Generalkonsul und Ministerresident; Karl von Eisendecher wurde 1880 zum Gesandten erhoben. Während der Meiji-Zeit von 1868 bis 1912 arbeiteten zahlreiche deutsche Berater und Lehrer in Japan: die Juristen Albert Mosse und Hermann Roesler, der Historiker Ludwig Riess, die Ärzte Erwin Bälz und Julius Scriba, der Geologe Heinrich Edmund Naumann sowie der Mineraloge Curt Adolph Netto.

Der Militärberater Klemens Wilhelm Jacob Meckel arbeitete ab 1885 drei Jahre am japanischen Generalstab und an der Armeehochschule und trug zur Modernisierung der japanischen Armee bei. Japanische Offiziere ließen sich zunehmend im Deutschen Kaiserreich ausbilden: 1902 waren 28 von 42 japanischen Offizieren in Europa in Deutschland, bis zum Ersten Weltkrieg stieg ihre Zahl auf mehr als 450.

1873 gründeten Deutsche in Japan die Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (OAG), 1913 deutsche Jesuiten in Tokio die Sophia-Universität. Auch die japanische Verfassungsentwicklung wurde von Deutschland beeinflusst: Itō Hirobumi beriet sich dort mit Rudolf von Gneist und Lorenz von Stein. Die Meiji-Verfassung von 1889 orientierte sich unter anderem an der preußischen Verfassung und trat 1890 in Kraft.

Brüche, Krieg und vorsichtige Annäherung

Nach dem Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg verschlechterte sich das Verhältnis. Deutschland forderte 1895 gemeinsam mit Frankreich und Russland in der Triple-Intervention den Verzicht Japans auf territoriale Erwerbungen auf dem chinesischen Festland. Die deutsche Propaganda Wilhelms II. zur „Gelben Gefahr“ verschärfte die Spannungen; die Hunnenrede und das sogenannte „Knackfuß-Gemälde“ prägten das Bild einer vermeintlichen asiatischen Bedrohung.

Zusätzlichen Ärger brachte 1904 der Doggerbank-Zwischenfall. Russische Kriegsschiffe beschossen irrtümlich britische Fischerboote. Dass deutsche Schiffe Russland mit Kohle belieferten, wertete Japan als Verletzung der Neutralität.

Am 23. August 1914 erklärte Japan Deutschland den Krieg und unterstützte damit das Vereinigte Königreich im Rahmen der anglo-japanischen Allianz. Japan eroberte nach der Belagerung von Tsingtau die deutsche Kolonie Kiautschou sowie deutsche Besitzungen auf den Karolinen, Marianen und Marshallinseln. Deutsche Kriegsgefangene blieben bis 1920 in Japan, einige anschließend dort. Der Versailler Vertrag übertrug Japan die deutschen Rechte über Tsingtau und deutsche Pazifikgebiete nördlich des Äquators als Völkerbundmandate.

1920 wurde Wilhelm Solf deutscher Botschafter in Japan, die diplomatischen Beziehungen wurden wieder aufgenommen. In der Zwischenkriegszeit lag der Schwerpunkt auf kultureller Zusammenarbeit: Kulturabkommen entstanden, 1926 das Japan