Am 1. November 2026 sind Zehntausende junge Menschen dem Aufruf der Initiative „Gen Z regelt“ gefolgt und in mehr als 30 Städten auf die Straße gegangen. Nach Angaben der Organisatoren versammelten sich rund 120.000 Menschen. Auch an der Uni Europa war der Protest ein Gesprächsthema: Es ging um Geld für Schulen, steigende Lebenshaltungskosten, soziale Gerechtigkeit und konsequenteren Klimaschutz.

„Gen Z“ bezeichnet die Altersgruppe der heute 14- bis 29-Jährigen. Die Initiative fordert außerdem mehr Investitionen in Bildung, mehr politische Mitbestimmung junger Menschen, bezahlbares Leben und eine Ablehnung der Wehrpflicht. Zunächst blieb es bei friedlichen Kundgebungen. Später kippte die Stimmung in mehreren Städten – und die Bilder von Gewalt überlagerten die Anliegen vieler Demonstrierender.

Friedlicher Protest, dann Ausschreitungen

Reporter berichteten, Extremisten und Randalierer hätten sich gezielt unter die friedlichen Teilnehmenden gemischt. Einige Kundgebungen wurden gestoppt oder aufgelöst. Nach dem offiziellen Ende der Demonstrationen kam es vor allem in Frankfurt am Main, Hamburg, Berlin und Köln zu Ausschreitungen und Zusammenstößen mit der Polizei. Einsatzkräfte wurden mit Gegenständen und Pyrotechnik beworfen, Wasserwerfer eingesetzt.

In Frankfurt schlugen Randalierer in der Innenstadt Schaufenster ein und plünderten Geschäfte. Auf der Einkaufsstraße Zeil wurden Läden ausgeraubt; ein Waffengeschäft wurde angegriffen. Die Polizei stellte dort zwei Waffen sicher und nahm mehrere Verdächtige fest. Mehr als 1.000 Polizisten, darunter Spezialeinsatzkräfte, waren im Einsatz. Wasserwerfer, gepanzerte Fahrzeuge und ein Hubschrauber kamen hinzu. Einsatzkräfte wurden mit Molotowcocktails und anderen Gegenständen beworfen, Teile der Innenstadt abgesperrt.

Mehr als 30 Menschen wurden in Frankfurt vorläufig festgenommen, rund 100 weitere kontrolliert. Die Polizei meldete erhebliche, noch nicht bezifferte Sachschäden. Am frühen Sonntagmorgen beruhigte sich die Lage. Zuvor hatten rund 8.000 Menschen überwiegend friedlich demonstriert. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein kündigte Konsequenzen für die Verantwortlichen an. Hessens Innenminister Poseck (CDU) versprach eine konsequente Verfolgung der Straftaten.

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Frankfurt sei ein Anziehungspunkt für viele Jugendliche aus der Region, erklärte Poseck. Besonders am Wochenende träfen sich dort auch Jugendliche mit Migrationshintergrund. Einige Gruppen hätten versucht, die Einkaufsmeile Zeil für sich zu beanspruchen. Die Polizei müsse gezielter gegen gewalttätige Gruppen vorgehen, konsequent durchgreifen und die Strukturen hinter den jungen Gewalttätern aufklären, sagte der Innenminister. Er verband das mit dem Thema Integration und forderte von Zugewanderten die Anerkennung deutscher Werte sowie die Einhaltung der Rechtsordnung. Bei der inneren Sicherheit setze er auf eine klare Linie; gewalttätige Gruppen dürften nicht das Stadtbild beherrschen.

Berlin: Demonstration vorzeitig beendet

In Berlin eskalierte eine Demonstration unter dem Motto „Gen Z hat genug!“. Der Zug startete am Rosenthaler Platz und bewegte sich in Richtung Prenzlauer Berg. Laut Polizei wuchs die Teilnehmerzahl von zunächst 700 auf bis zu 3.500. Propalästinensische und Antifa-Symbole waren zu sehen, zahlreiche Menschen vermummten sich mit Sturmhauben und Palästinaçhüchern. Es wurden antikapitalistische, antiisraelische und deutschlandfeindliche Parolen skandiert.

Bengalos und Böller wurden gezündet. Die Polizei registrierte Sachbeschädigungen, Körperverletzungen sowie Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz. Nach Steinwürfen und dem Einsatz von Pyrotechnik beendete sie die Demonstration vorzeitig. Die vorläufige Bilanz: 56 Festnahmen, 27 leicht verletzte Polizeibeamte, bis zu 3.500 Demonstrierende und rund 1.500 zusätzliche Einsatzkräfte stadtweit. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt forderte harte Strafen und ein konsequentes Vorgehen. Die Verantwortlichen müssten identifiziert und zur Rechenschaft gezogen werden.

Barrikaden in Hamburg, Unruhen in Köln

In Hamburg eskalierte die Lage rund um den Hauptbahnhof, besonders im Stadtteil St. Georg. Randalierer errichteten brennende Barrikaden und griffen Polizeikräfte mit Steinen, Flaschen und Pyrotechnik an. Straßenabsperrungen, Bauzäune und Mülltonnen wurden auf die Fahrbahn gezogen. Über Stunden kam es zu Auseinandersetzungen. Pfefferspray und Wasserwerfer wurden eingesetzt.

Durch eine umgestürzte Feuerwerksbatterie wurden ein Kind und eine Polizistin verletzt. Das Kind erlitt einen Schock, musste aber nicht ins Krankenhaus. Ein Bundespolizist wurde durch einen Böller verletzt. Rund 120 Menschen nahm die Polizei vorläufig fest, etwa 1.300 Einsatzkräfte waren im Einsatz. Nach Polizeiangaben hatten sich gewaltbereite Personen unter friedliche Demonstrierende gemischt.

In Köln wurde eine Kundgebung am Konrad-Adenauer-Ufer gegen 16 Uhr beendet. Bildung, Wehrpflicht und bezahlbares Leben standen dort im Mittelpunkt. Einzelne Teilnehmende vermummten sich und zündeten Pyrotechnik, anschließend wurden Polizeikräfte angegriffen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein und kontrollierte mehrere Hundert Menschen. Ein Polizist wurde an der Hand verletzt und danach dienstunfähig.

Am Abend kam es auf der Domplatte nahe dem Hauptbahnhof erneut zu Unruhen. Laut dpa beteiligten sich rund 200 teils randalierende Personen. Einsatzkräfte wurden mit Flaschen und Fahrrädern beworfen, mindestens eine Person verletzt und fünf Personen in Gewahrsam genommen. Ein geworfener E-Scooter zerstörte in einer Nebenstraße eine Fensterscheibe. Die Polizei leitete mehrere Strafverfahren ein, unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs und tätlicher Angriffe auf Einsatzkräfte.

Rund um den Dom und den Hauptbahnhof zogen laut WDR weitere Gruppen nach dem offiziellen Ende der Demonstration in die Südstadt und randalierten dort. Der Kölner Polizeipräsident Johannes Hermanns erklärte, friedlich für ihre Zukunft demonstrierende junge Menschen seien von Extremisten unterwandert worden.

Distanzierung und politische Reaktionen

Die Organisatoren hatten zu gewaltfreien Protesten aufgerufen. Am Samstagabend distanzierte sich „Gen Z regelt“ auf Instagram von jeder Form von Gewalt sowie von gewalttätigen Handlungen anderer Gruppen oder Einzelpersonen. Die Initiative erklärte, für friedlichen Protest, demokratische Werte und freie Meinungsäußerung zu stehen. Nach dem Ende der Kundgebungen habe sie keinen Einfluss auf die Ereignisse gehabt.

Der Vorsitzende des Bundespolizei-Bereichs, Andreas Roßkopf, sagte, die eigentlichen „Gen Z“-Proteste seien sehr friedlich verlaufen; danach habe sich die Lage in einigen Städten zugespitzt. Sicherheitsbehörden hatten bereits vor den Protesten vor einer Unterwanderung durch gewaltbereite Personen gewarnt. Laut Berichten standen die abendlichen Ausschreitungen offenbar nicht mit den Zielen der Nachmittagsproteste in Verbindung. In Frankfurt sollen viele kleine Gruppen beteiligt gewesen sein, die vermutlich nicht aus den Demonstrationszügen kamen.

CDU-Generalsekretärin Hoppermann verurteilte die Krawalle. Friedliche Demonstrationen seien für manche ein Deckmantel für Gewalt und Ausschreitungen gewesen, erklärte sie. Hessens Ministerpräsident Rhein sagte, Angreifer in der Frankfurter Innenstadt stellten sich außerhalb der Gesellschaft.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Wiese warnte dagegen, die Ausschreitungen dürften die Anliegen der jungen Menschen nicht überschatten. Die meisten Demonstrierenden seien friedlich gewesen; Sorgen um die Zukunft sowie fehlende Chancen- und Bildungsgerechtigkeit müssten politisch ernst genommen werden. Die SPD-Bundestagsfraktion forderte einen nationalen Bildungsgipfel. Ihre stellvertretende Fraktionsvorsitzende Schmidt nannte gute Bildung und Ausbildung zentrale Anliegen der Proteste und verlangte einen Bildungsgipfel von Bund, Ländern und Kommunen. Bundesbildungsministerin Prien (CDU) solle eine entsprechende Initiative starten.

Wie es weitergehen soll

„Gen Z regelt“ kündigte weitere Demonstrationen am 14. November an. Für den 20. November ist eine Beteiligung an europaweiten Protesten geplant. Ein breites Bündnis, darunter die Bundesschülerkonferenz, ruft für diesen Tag zu einem internationalen Jugendstreiktag auf. Auch in anderen europäischen Ländern gab es Jugendproteste; in Frankreich nahm die Polizei bei erneuten Unruhen am Samstag mehr als 500 Menschen fest.

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