In Deutschland erreichen nur 11 Prozent der Mädchen und 21 Prozent der Jungen die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), sich täglich mindestens 60 Minuten körperlich zu bewegen. An bayerischen Schulen wird deshalb über zusätzliche Bewegungsangebote ebenso diskutiert wie über Gesundheitsfachkräfte an Schulen in sozialen Brennpunkten.

Die Grünen im bayerischen Landtag brachten dazu im Juli eine Initiative ein. Ministerpräsident Markus Söder lehnte sie ab. Eine Charité-Studie zu Modellprojekten in Brandenburg und Hessen zeigte unterdessen, dass teilnehmende Schulen von einer besseren gesundheitlichen Versorgung und weniger krankheitsbedingten Fehlzeiten bei Schülerinnen und Schülern profitierten. Laut HBSC-Studie berichtet etwa die Hälfte der Mädchen und rund ein Drittel der Jungen über psychosomatische Beschwerden.

Bewegung bekommt einen festen Platz im Schultag

An der Münchner Grundschule an der Margarethe-Danzi-Straße ist Bewegung längst nicht auf den Sportunterricht beschränkt. Sie steckt auch in Deutsch, Mathematik sowie Heimat- und Sachunterricht. Genau dort stellten Ministerpräsident Markus Söder, Gesundheitsministerin Judith Gerlach und Kultusministerin Anna Stolz vor dem bayerischen Präventionstag am 12. Oktober 2026 ihre Pläne vor.

Ab dem kommenden Schuljahr plant Stolz eine tägliche Bewegungshalbstunde an allen Grundschulen und eine dritte Sportstunde für die ersten Klassen. An bayerischen Grundschulen gehört damit ab sofort täglich mindestens eine halbe Stunde Bewegung fest zum Schultag. Jede Schule kann die Zeit flexibel gestalten: mit kurzen Bewegungspausen im Klassenzimmer, Einheiten auf dem Pausenhof oder Sportangeboten gemeinsam mit Vereinen. Teilnehmen sollen alle Schülerinnen und Schüler.

Die Ziele klingen schlicht, sind im Alltag aber ziemlich wichtig: motorische Entwicklung fördern, Selbstbewusstsein stärken, Konzentration und Ausgeglichenheit verbessern und Freude an Sport und Bewegung vermitteln. Das Motto lautet „Tigerstark mit Timi“. Das Tiger-Maskottchen soll Kinder zum Mitmachen bringen; ein Animationsvideo und angeleitete Bewegungsvideos können im Unterricht oder in den Pausen laufen. Arme heben und senken, vier Schritte gehen und sich drehen, stampfen, Hände kreisen, mit den Füßen tippen – dazu kommt ein Mitsingvideo. Ein bisschen Bewegung, ein bisschen Musik, und schon ist der Klassenraum nicht mehr ganz so still.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die 30 Minuten lassen sich aus verschiedenen Bausteinen zusammensetzen: im Unterrichtsvormittag, bei fächerunabhängigen Bewegungsinitiativen, in außerunterrichtlichen Angeboten oder im schulischen Ganztag. Angebote und Unterstützungsmaßnahmen sollen fortlaufend erweitert werden.

Von „LeBe!“ bis Sportverein

Sportunterricht bleibt ein zentraler Bestandteil der Bewegungs-Halbestunde. Sport ist das einzige verpflichtende Bewegungsfach an Schulen, vermittelt sportliche Grundfähigkeiten und soll den Weg zu lebenslangem Sporttreiben öffnen.

Das Programm „LeBe!“ – „Lernen durch Bewegung“ – verbindet Unterrichtsinhalte mit kurzen Übungen im Klassenzimmer. Die Aufgaben sind an Lehrplaninhalte gekoppelt und sollen Konzentration und Lernen unterstützen. Viele Übungen sind bereits verfügbar, weitere sollen folgen.

Bei „Voll in Form I“ lautet das Motto „täglich bewegen – gesund essen – leichter lernen“. Das Programm verankert tägliche Bewegungsphasen und Gesundheitsaspekte im Schulalltag. Schulen und Lehrkräfte können dafür ein Karteikartenset mit konkreten Anleitungen beziehen.

Auch die Pause wird umgebaut, zumindest ein Stück weit. Die „Bewegte Pause“ nutzt Spiele, Bewegungselemente und selbst organisierte Angebote für Bewegung und Erholung. Ein Regelrahmen soll dabei soziale Kompetenz und Eigenverantwortung fördern – also nicht nur wildes Herumlaufen, obwohl das natürlich auch dazugehört.

Über „Sport-nach-1“ kommen Schulen mit Sportvereinen zusammen, insbesondere in Kooperation mit dem Bayerischen Landessportverband (BLSV). Nach dem Unterricht gibt es freiwillige Angebote wie Sportarbeitsgemeinschaften. Das erleichtert den Zugang zum Vereinsleben und kann sportliche Talente fördern. Im Ganztag unterstützen außerdem externe Trainerinnen, Trainer und Übungsleitende zusätzliche Sport- und Bewegungsangebote.

Weitere Möglichkeiten sind zusätzliche Sportarten, Schulsportwettbewerbe, Projekte mit Sportvereinen und Hochschulen, Workshops sowie Kooperationen für eine gesunde Schulverpflegung. Sport-Grundschulen zeigen, wie sich Sport, Bewegung und gesunde Ernährung im Schulalltag verbinden lassen. Zum Schuljahr 2026/27 wurden 200 weitere Grundschulen als „Sport-Grundschule“ ausgezeichnet; sie erhalten zusätzliche Unterstützung.

Mehr Unterricht, Ernährung und Prävention

Grundschüler sollen ab dem nächsten Schuljahr über vier Schuljahre hinweg insgesamt sechs zusätzliche Wochenstunden Unterricht erhalten. Vorgesehen sind vor allem Deutsch und Mathematik, aber auch Sport und Musik. Hintergrund sind schwache Ergebnisse bei bundesweiten Bildungsvergleichen. Die zusätzlichen Stunden werden von der Zusage weiterer Lehrkräfte begleitet.

Ernährungsministerin Michaela Kaniber arbeitet ergänzend an Programmen zur Ernährungsbildung – von der Kita bis zu weiterführenden Schulen. Für den bayerischen Präventionstag 2026 wurden landesweit fast 400 Veranstaltungen angemeldet. Nach einer Schul-Premiere 2025 können diesmal alle Bürger teilnehmen. Gesundheitsministerin Gerlach stellte außerdem das Mitmachbuch „Lino und Mumpitz“ vor.

Die Staatsregierung verweist auf einen Masterplan Prävention mit zehn strukturellen und zehn gesundheitlichen Zielen, mehr als 250 konkreten Vorhaben und einer Präventionspool-Datenbank mit über 400 Einträgen. Das klingt nach einer ziemlich vollen Schublade – entscheidend wird sein, was davon im Klassenzimmer, auf dem Hof und bei den Kindern tatsächlich ankommt.

Forschung soll in der Schule landen

Die Technische Universität München und die AOK Bayern haben das dreijährige Projekt BaLko zur Stärkung gesundheitsbezogener Kompetenzen bayerischer Lehrkräfte abgeschlossen. Mehr als 1.400 Lehrkräfte nahmen an der Forschung teil. Daraus entstand eine kostenlose App mit Reflexions- und Übungselementen für Lehrkräfte.

AOK Bayern und TUM betonen, wie wichtig schulische Prävention ist und dass wissenschaftliche Erkenntnisse in praktische Hilfen überführt werden müssen. Der Ort dafür liegt nahe: TUM München. Der übermittelte Inhalt der zusätzlichen Bestandsaufnahme des Bundesgesundheitsministeriums zu Bewegung bei Kindern und Jugendlichen besteht allerdings aus komprimierten PDF-Rohdaten und enthält keinen lesbaren Nachrichtenartikel.

Stand des Artikels ist der 27. Februar 2026; heute ist der 6. Oktober 2026.