Am Donnerstag, 1. Oktober 2026, war das Kultur- und Kongresszentrum in Weingarten voller neuer Gesichter: Die Pädagogische Hochschule Weingarten begrüßte zum Wintersemester 2026/27 insgesamt 755 Erstsemestrige. Damit sind nun 3030 Studierende an der Hochschule eingeschrieben – deutlich mehr als noch im Sommer.

Willkommen geheißen wurden die Studienanfänger von Rektorin Prof. Dr. Karin Schweizer und Dr. Josef Kraus, dem ersten ehrenamtlichen Stellvertreter des Oberbürgermeisters. Für Schweizer war der Termin ein besonderer: Kurz vor ihrem Ruhestand war es ihre letzte Begrüßung der Erstsemestrigen.

Ein Koffer für den Studienstart

Die Rektorin stellte die Schwerpunkte der PH in Lehre, bildungswissenschaftlicher Forschung und Wissenstransfer vor. Auch Klimafreundlichkeit spielte eine Rolle. Genannt wurden der Studiengang Umweltbildung, Lehrveranstaltungen zur Bildung für nachhaltige Entwicklung im Lehramt sowie umweltbezogene Projekte weiterer Fächer.

Dr. Josef Kraus lud die neuen Studierenden ein, Weingarten kennenzulernen. Vereine, städtische Initiativen und Feste wie der Heilig-Blut-Ritt oder die Fasnet bieten dafür reichlich Gelegenheit.

Corinna Pedrazzoli begrüßte die Erstsemestrigen gemeinsam mit Claudia Kownatzki und dem Team der Studienberatung. Für die Einführung ins Studium hatte das Team einen Koffer mit symbolischen Gegenständen dabei: ein Kissen für Ankommen und Wohlfühlen, ein Handykabel für Vernetzung und ein Buch als Zeichen für Studium und Bildung. Ein bisschen sinnbildlich, ja – aber vermutlich näher am Studienalltag, als man zunächst denkt.

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Einige der neuen Studierenden erzählten, was sie nach Weingarten geführt hat. Mario Göppel aus Ulm studiert Lehramt für die Sekundarstufe I. Eda Özver, ebenfalls aus Ulm, hat sich für das Grundschullehramt entschieden, weil sie gern mit Kindern arbeitet. Jana Kirchgesner wählte Weingarten wegen der überschaubaren Hochschulgröße, der Region und der Möglichkeit, Praxiserfahrung zu sammeln.

Hanna Przibylla möchte Lehrerin für die Sekundarstufe I werden. Vor dem Studium absolvierte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr an einer Schule. Konstantin Kravets kommt als Lehrer aus der Ukraine und nimmt am IGEL-Programm der Akademie für Wissenschaftliche Weiterbildung teil. Er besucht zusätzliche Lehrveranstaltungen, um eine Zulassung für den Schuldienst in Deutschland zu erhalten, und studiert als Sportlehrer ein zweites Fach.

Viele beginnen mit dem Bachelor

Von den 755 Erstsemestrigen starteten 458 ein Bachelorstudium. 174 davon entschieden sich für Grundschullehramt, 134 für Lehramt Sekundarstufe I, 54 für Bewegung und Ernährung, 52 für Elementarbildung, 19 für Logopädie, 17 für Medien- und Bildungsmanagement und acht für Umweltbildung.

In Masterstudiengänge schrieben sich 282 Studierende ein. Davon entfallen 91 auf Grundschullehramt, 81 auf Lehramt Sekundarstufe I und 110 auf sonstige Masterstudiengänge. Am Programm für migrierte Lehrkräfte nehmen 15 Studierende teil.

Zum Vergleich: Im Sommersemester 2026 waren rund 2600 Studierende an der PH eingeschrieben. Im Wintersemester 2025/26 waren es 3013. Der aktuelle Stand von 3030 liegt also knapp darüber.

Lehramtsstudium unter Druck

Trotz des Zuwachses zum aktuellen Semesterstart verzeichnet die PH Weingarten deutlich weniger Lehramtsstudierende als früher. Im Wintersemester 2019 waren dort gut 2500 Lehramtsstudierende eingeschrieben, inzwischen sind es knapp 500 weniger – ein Rückgang von etwa 20 Prozent. Bundesweit betrifft diese Entwicklung Hochschulen mit Lehramtsausbildung.

Besonders dünn ist die Nachfrage in naturwissenschaftlichen Fächern. In Chemie gab es vor vier Jahren nur zwei Studienanfänger, im vergangenen Jahr stieg die Zahl auf zehn.

Ein Sprecher der PH nennt den demografischen Wandel und damit weniger junge Menschen als Gründe. Auch die Corona-Pandemie habe sich auf das Image des Lehrerberufs ausgewirkt. Lehrende berichten zudem, dass das Unterrichten stressiger werde. Übermäßiger Handykonsum erschwere bei manchen Schülerinnen und Schülern die Konzentration, soziale Probleme könnten zu aggressivem Verhalten führen, und einige Schüler hätten unzureichende Deutschkenntnisse.

Studien zufolge möchten viele junge Menschen der Generation Z sich außerdem nicht lebenslang an einen Beruf binden, etwa im Beamtenverhältnis. Das passt schlecht zu einem Berufsbild, das lange Zeit gerade mit Sicherheit und Dauerhaftigkeit geworben hat.

Die PH Weingarten plant deshalb zielgruppenorientiertes Marketing, innovative Digitalprojekte sowie eine Weiterentwicklung und Veränderung der Studiengänge. Außerdem sollen die Kontakte und Kooperationen mit Schulen der Region intensiver werden. Junge Menschen sollen frühzeitig für den Lehrerberuf gewonnen, in der Region ausgebildet und dort gehalten werden – denn im ländlichen Raum ist der Lehrermangel besonders problematisch.

Die Hochschule beteiligt sich an der Initiative „Alternative Wege ins Lehramt“, um Quereinsteiger zu gewinnen. Zusätzlich bietet sie ausländischen Pädagogen ein Programm zur Vorbereitung auf den Einsatz an deutschen Schulen an. Dazu passt auch das IGEL-Programm, in dem migrierte Lehrkräfte zusätzliche Lehrveranstaltungen besuchen können.

Bundesweit fehlen Lehrkräfte

Die Weingartener Entwicklung trifft auf einen angespannten Arbeitsmarkt. In Deutschland herrscht Lehrkräftemangel, mehrere Bundesländer können offene Stellen nur schwer besetzen. Die Kultusministerkonferenz prognostizierte für 2024 rund 17.400 fehlende Lehrkräfte. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wird laut KMK in den kommenden Jahren nur langsam kleiner; erst 2033 könnte es bundesweit erstmals einen leichten Überschuss geben.

2024 war in Brandenburg und Sachsen-Anhalt fast jede zweite Einstellung eine Person ohne formale Lehramtsausbildung. Regional sind die Unterschiede groß: Einige Länder besetzen mehr als jede vierte Stelle mit nicht formal qualifizierten Personen, andere nur selten. Seiteneinsteiger wurden 2024 besonders häufig in beruflichen Fächern wie Metalltechnik, Elektrotechnik und Sozialpädagogik eingesetzt, außerdem in naturwissenschaftlichen Fächern und im Deutschunterricht.

Die Zahl der Lehrkräfte ist in den vergangenen Jahren gestiegen, zugleich ist der Lehrkräftebestand jünger geworden. Dadurch könnte die Gesamtzahl zunächst gehalten oder sogar weiter erhöht werden. In Sachsen-Anhalt und Thüringen zeichnet sich allerdings wegen einer bevorstehenden Pensionierungswelle ein hoher Bedarf an Neueinstellungen ab.

Der künftig steigende Bedarf hängt vor allem mit den wachsenden Schülerzahlen infolge des Geburtenanstiegs in den 2010er-Jahren zusammen. Der Anstieg hat bereits die Grundschulen erreicht: 2023 und 2024 wurden so viele Kinder eingeschult wie seit 2003 nicht mehr. Noch im laufenden Jahrzehnt werden die höheren Schülerzahlen die weiterführenden Schulen erreichen. Bis 2035 erwartet die KMK bundesweit mehr als neun Prozent zusätzliche Schülerinnen und Schüler, für die Sekundarstufe I knapp zwölf Prozent.

Zusätzlichen Druck können eine stärkere Förderung leistungsschwächerer Schülerinnen und Schüler – auch zum Ausgleich pandemiebedingter Lernlücken –, mehr Kinder mit Hochschulreife und damit ein höherer Bedarf in der Sekundarstufe II sowie Zuwanderung erzeugen, etwa infolge des Kriegs in der Ukraine.

Der Mangel verteilt sich allerdings nicht gleichmäßig auf alle Schularten und Fächer. Besonders betroffen sind laut KMK die Sekundarstufe I und berufliche Schulen. An Grundschulen könnte sich die Lage im Laufe der 2020er-Jahre entspannen; für Grundschulen und die Sekundarstufe II erwartet die KMK in den kommenden Jahren sogar ein Überangebot.

Eine im Januar 2024 veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung kam zu dem Ergebnis, dass Engpässe an Grundschulen bereits 2024 überwunden sein könnten. Bis 2035 könnten demnach rund 45.800 ausgebildete Grundschullehrkräfte mehr verfügbar sein als benötigt werden.

Im Kern wird die Lehrkräftelücke auf ein langjähriges Ausbildungsdefizit zurückgeführt. In der Vergangenheit hätten deutlich mehr Menschen ein Lehramtsstudium aufnehmen müssen. Eine länderübergreifende Koordination der Lehrkräfteausbildung fehlte bislang: Jedes Bundesland legt selbst fest, wie viele Studienplätze für künftige Lehrkräfte angeboten werden. Mehrere Länder bilden nicht einmal genügend Lehrkräfte für ihren eigenen Mindestbedarf aus.

Das Saarland liefert dafür ein auffälliges Beispiel. 2023 wurden dort fast doppelt so viele Personen in den Vorbereitungsdienst aufgenommen, wie im selben