Berlin-Liga vor dem 6. Spieltag: Wilmersdorf jagt die Tabellenspitze
Der 6. Spieltag der Berlin-Liga steht an – und am Freitagabend könnte der 1. FC Wilmersdorf zumindest vorübergehend an die Tabellenspitze springen. Dafür müsste beim BFC Meteor ein Sieg her. Das Heimspiel trägt Meteor auf dem Sportplatz in der Cornelius-Fredericks-Straße aus. Flutlicht, Freitagabend, Tabellenfrage: Viel mehr Zutaten braucht es im Berliner Amateurfußball manchmal gar nicht.
Wer die Partien genauer verfolgen will, findet zu den jeweiligen Spielen Informationen zu Aufstellungen, Torfolge, Schiedsrichtern, Zuschauerzahlen und Spielerabstimmungen. Je nach Begegnung sind außerdem Bildergalerien und Videos abrufbar. Der umfangreiche Spielplan führt die Vereine unter ihren vollständigen Bezeichnungen, darunter BFC Meteor 06, Sp.Vg. Blau Weiß 1890 Berlin, S.D. Croatia Berlin, SC Staaken 1919, SC Charlottenburg, Berlin Türkspor, FC Internationale Berlin, SV Empor Berlin und SFC Stern 1900. Viele Einträge enthalten den Hinweis „Zum Spiel“; in einzelnen Spielrunden ist jeweils eine Mannschaft als „spielfrei“ ausgewiesen.
Spitzenspiel am Samstagnachmittag
Am Samstagnachmittag empfängt Tabellenführer SV Empor Berlin den TSV Rudow zum Spitzenspiel. Rudow steht auf Rang sieben und hat nur eines der ersten fünf Spiele verloren. Empor dagegen reist – beziehungsweise empfängt – als Mannschaft an, an der momentan niemand vorbeikommt. Für Rudow geht es also nicht bloß um Punkte, sondern um einen kräftigen Schubs nach oben.
Der Aufsteiger SF Johannisthal ist nach fünf Spielen noch ungeschlagen. Bei Blau-Weiß 90, offiziell Sp.Vg. Blau Weiß 1890 Berlin, läuft es dagegen bislang hinter den eigenen Erwartungen. Auch dieses Duell verspricht deshalb eine gewisse Spannung: hier der freche Start des Neulings, dort der Versuch, endlich den eigenen Anspruch auf den Platz zu bekommen.
VfB Fortuna Biesdorf und B.W. Hohen Neuendorf sind mäßig in die Saison gestartet und wollen im Tabellenfeld aufsteigen. Hohen Neuendorf wartet noch auf den ersten Saisonsieg. Im Spiel zwischen FC Internationale Berlin und Berlin Türkspor treffen zwei unterschiedliche Ausgangslagen aufeinander: Aufsteiger Inter hat nach fünf Spielen sieben Punkte und steht auf Rang neun, während Türkspor in den vergangenen beiden Partien insgesamt zehn Tore erzielte.
Ungewohnte Anstoßzeit und Sonntagsprogramm
Viktoria Berlin will nach vier sieglosen Spielen wieder gewinnen. Gegner ist der Frohnauer SC, der ebenfalls noch auf seinen ersten Saisonsieg wartet. Gespielt wird am Samstag in der Osdorfer Straße – zu einer ungewohnten Anstoßzeit. Das kann im Fußball den ganzen Tagesrhythmus durcheinanderbringen: andere Anreise, andere Vorbereitung, irgendwie fühlt sich selbst der erste Zweikampf dann ein wenig verschoben an.
Am Sonntag unternimmt SFC Stern 1900 den nächsten Versuch, den ersten Saisonsieg zu holen. Die bisherige Saison des TSV Mariendorf 1897 verlief wechselhaft. Der SC Charlottenburg ist noch ungeschlagen und liegt auf Rang drei. S.D. Croatia Berlin, der Oberliga-Absteiger, hat aus den ersten fünf Spielen dagegen nur zwei Unentschieden geholt und ist Tabellenletzter.
Der Berliner SC steht auf Rang vier und holte in den ersten fünf Spielen durchschnittlich zwei Punkte pro Partie. SC Staaken 1919 ist schwach in die Saison gestartet, sammelte aber unter der Woche im Pokal Selbstvertrauen. Ob das sofort in der Liga trägt, zeigt sich auf dem Platz – Pokalabende haben ja manchmal ihren eigenen kleinen Zauber, manchmal aber auch nur müde Beine.
Eine Liga mit langer Berliner Geschichte
Die Berlin-Liga ist die höchste Spielklasse des Berliner Fußball-Verbands. Bis 2008 hieß sie Verbandsliga Berlin; seit Einführung der 3. Liga 2008/09 gehört sie zur sechsthöchsten Spielklasse im deutschen Männerfußball. Der Staffelmeister steigt direkt in die Oberliga Nordost auf und wird Berliner Fußballmeister.
Ihre Geschichte hängt eng mit der Berliner Teilung zusammen. Vor der Deutschen Wiedervereinigung gab es in Berlin getrennte höchste Spielklassen: in West-Berlin die Oberliga, in Ost-Berlin die Bezirksliga. Am 20. November 1990 wurden die Ost-Berliner Vereine des Deutschen Fußball-Verbands in den für West-Berlin zuständigen Berliner Fußball-Verband integriert. Ziel war eine gemeinsame, eingleisige höchste Spielklasse für ganz Berlin.
Zur Saison 1990/91 wurde die Ost-Berliner Bezirksliga abgeschafft und als zweite Staffel in die West-Berliner Landesliga eingegliedert; zunächst blieben die Staffeln nach West und Ost getrennt. Nach der Saison 1990/91 wurde die Oberliga Berlin aufgelöst. Zur Saison 1991/92 kamen ihre Mannschaften in die Staffeln Nord und Mitte der neu geschaffenen Oberliga Nordost. Die Landesliga Berlin bestand zunächst weiterhin in zwei Staffeln, nun aber nicht mehr getrennt nach West und Ost.
Zur Saison 1992/93 nahm die eingleisige Verbandsliga Berlin den Spielbetrieb auf. Bei ihrer Einführung war sie die vierthöchste deutsche Spielklasse – hinter Bundesliga, 2. Bundesliga und Oberliga Nordost, vor der Landesliga Berlin. Nach der Wiedereinführung der Regionalligen als dritthöchste Spielklasse 1994 wurde die Verbandsliga eine Ebene niedriger eingestuft.
Von der Verbandsliga zur Berlin-Liga
Nach der Saison 2007/08 wurde die neue eingleisige 3. Liga eingeführt. Dadurch rückten die Regionalligen von der dritten auf die vierte Ebene, auch die Spielklassen des Nordostdeutschen Fußball-Verbands wurden jeweils um eine Ebene nach unten gestuft. In der Saison 2007/08 qualifizierte sich der Berliner Meister direkt für die NOFV-Oberliga Nord. Der Zweitplatzierte erhielt in zwei Relegationsspielen gegen den Zweitplatzierten der Verbandsliga Sachsen-Anhalt eine zusätzliche Aufstiegschance. Der SV Lichtenberg 47 verlor diese Relegation gegen die zweite Mannschaft des 1. FC Magdeburg und stieg nicht auf.
Seit der Saison 2008/09 heißt die Liga Berlin-Liga. Zur Saison 2017/18 erwarb „11Teamsports“ die Namensrechte; seitdem lautet der Name 11Teamsports Berlin-Liga. Für die Berlin-Liga 2026/27 sind 19 Mannschaften qualifiziert. Im deutschen Ligensystem liegt sie auf der sechsten Ebene: über ihr stehen 1. Bundesliga, 2. Bundesliga, 3. Liga, Regionalligen und Oberligen; darunter folgen je nach Landesverband Landesligen, Verbandsligen, Bezirksligen, Kreisligen sowie A-, B-, C- und gegebenenfalls D-Klassen.
Die Ewige Tabelle umfasst 79 Mannschaften, die seit 1992 in der Liga spielten. Der TSV Rudow hat die meisten Teilnahmen und führt sie an; der 1. FC Schöneberg erzielte bislang die wenigsten Punkte. Tennis Borussia Berlin gewann die Liga sowohl mit der ersten als auch mit der zweiten Mannschaft, der BFC Dynamo war ebenfalls mit zwei Mannschaften vertreten.
Die meisten Teilnehmer kamen aus Charlottenburg-Wilmersdorf und Tempelhof-Schöneberg – jeweils zehn Mannschaften. Pankow stellte mit drei Mannschaften die wenigsten Teilnehmer. In der Saison 2024/25 nahm mit Blau-Weiß Hohen Neuendorf erstmals eine Mannschaft aus Brandenburg an der Berlin-Liga teil.
Auch die Rekordlisten haben ihre festen Namen: Türkiyemspor erzielte 1999/2000 mit 144 Toren die meisten Treffer in einer Saison und kam dabei auf eine Tordifferenz von plus 113. Sparta Lichtenberg erzielte bereits dreimal mehr als 100 Tore in einer Spielzeit. Club Italia kassierte 2012/13 mit 244 Gegentoren die meisten Treffer in einer Saison und hält aus derselben Spielzeit mit minus 207 den Negativrekord bei der Tordifferenz. Jetzt aber erst einmal: Cornelius-Fredericks-Straße, Osdorfer Straße, Sonntag – und die nächste Runde Berliner Fußball.
