Brandenburgs Arbeitsmarkt wächst – aber der Zuwachs kommt vollständig von ausländischen Fachkräften. Das zeigt der IW-Kurzbericht 59/2026 des Instituts der deutschen Wirtschaft, der auf Sonderauswertungen der Bundesagentur für Arbeit beruht. Verglichen wurden Jahresdurchschnitte von Juli bis Juni. Zehn Jahre später arbeiten in Brandenburg gut 49.100 qualifizierte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mehr; bei deutschen Fachkräften steht dagegen ein Minus von 800.

Die Zahlen passen zu einem Bild, das auch an der TU Cottbus am 28.10.2026 nicht abstrakt wirkt: Alternde Belegschaften, Pendelbewegungen und internationale Beschäftigte gehören längst zum Alltag. In Brandenburg kamen 49.933 ausländische Fachkräfte hinzu. Sachsen legte sogar bei beiden Gruppen zu – 3.661 deutsche und 67.317 ausländische Fachkräfte. Mecklenburg-Vorpommern verlor 12.741 deutsche Fachkräfte, gewann aber 18.223 ausländische. Sachsen-Anhalt und Thüringen verzeichneten trotz Zuwanderung einen Rückgang der qualifizierten Beschäftigung um 6.448 beziehungsweise 12.207 Personen.

Ostdeutschland wächst langsamer – trotz Zuwanderung

In den ostdeutschen Flächenländern lag die Zahl qualifizierter Beschäftigter 2024/2025 nur 3,0 Prozent über dem Stand von 2014/2015. Westdeutschland kam im selben Zeitraum auf 14,6 Prozent. Seit 2019/2020 sank die Beschäftigung im Osten sogar um 1,1 Prozent, während sie im Westen um 3,9 Prozent stieg.

Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil sich die Wirtschaft zwischen 2015 und 2019 in den ostdeutschen Flächenländern ohne Berlin real durchschnittlich um 2,0 Prozent pro Jahr entwickelte. Westdeutschland erreichte 1,7 Prozent, der Bundesdurchschnitt 1,8 Prozent. Von 2020 bis 2025 fiel das Wachstum deutlich magerer aus: Deutschland insgesamt kam auf durchschnittlich 0,05 Prozent pro Jahr, Westdeutschland auf minus 0,01 Prozent, die ostdeutschen Flächenländer immerhin auf plus 0,37 Prozent.

Der demografische Wandel trifft den Osten besonders hart. Deutsche Beschäftigte scheiden altersbedingt aus, die nachrückenden Jahrgänge sind kleiner. Seit 2023 gibt es zudem wieder einen negativen Wanderungssaldo der ostdeutschen Flächenländer gegenüber Westdeutschland. Thüringen verlor 2024 per saldo rund 3.600 Menschen an westdeutsche Bundesländer.

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Ohne Zuwanderung aus EU- und Drittstaaten läge die Zahl qualifizierter Arbeitskräfte in den ostdeutschen Flächenländern laut IW um rund 191.000 beziehungsweise 5,3 Prozent niedriger. Internationale Fachkräfte bremsen den Rückgang also deutlich. Ihr Anteil liegt im Bundesvergleich allerdings weiterhin niedrig und könnte wegen sinkender Zuwanderungspotenziale aus klassischen EU-Herkunftsländern weiter unter Druck geraten.

Bis 2019 trugen vor allem deutsche und EU-Staatsangehörige zum Beschäftigungsaufbau bei. Seit 2019 sinkt die Zahl qualifizierter Beschäftigter mit deutscher Staatsangehörigkeit; EU-Bürger leisten weiter einen positiven, zuletzt aber abnehmenden Beitrag. Beschäftigte aus Drittstaaten gewinnen dagegen an Bedeutung, ihr Beitrag ist inzwischen deutlich positiv.

Brandenburg: Viele Arbeitsplätze, noch mehr Bewegung

Am 30. Juni 2025 gab es in Brandenburg 883.830 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Arbeitsort im Land – 2.189 mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl ausländischer Beschäftigter stieg um 9.245 auf 112.927, ihr Anteil betrug 12,8 Prozent. Rechnerisch sank die Zahl deutscher Beschäftigter um 7.056 auf 770.903.

Die größte ausländische Gruppe stellten Beschäftigte aus Polen mit 42.154 Personen. Es folgten Menschen aus der Ukraine mit 7.543 und aus Rumänien mit 7.009. Aus asiatischen Staaten kamen zusammen 22.748 Beschäftigte, aus afrikanischen Staaten 5.189.

Regional klaffen die Anteile auseinander. In Teltow-Fläming waren 20,9 Prozent der Beschäftigten ausländisch, in Oder-Spree 13.876 von 67.871, also 20,4 Prozent. Dahme-Spreewald kam auf 16,1 Prozent beziehungsweise 10.864 Beschäftigte, Spree-Neiße auf 10,8 Prozent beziehungsweise 3.679 und Cottbus auf 9,7 Prozent beziehungsweise 4.712. In Oberspreewald-Lausitz lag der Anteil bei 8,0 Prozent, das entsprach 3.043 Beschäftigten. Elbe-Elster hatte mit 4,5 Prozent beziehungsweise 1.468 Personen den niedrigsten Anteil im Land. Die Kreisangaben beziehen sich jeweils auf den Arbeitsort.

Knapp 160.000 internationale Fachkräfte arbeiten in den ostdeutschen Flächenländern in Engpassberufen. Dazu zählen Berufskraftfahrer und Ärzte, Pflegeberufe, die Kraftfahrzeugtechnik, Köche und Beschäftigte im Gastroservice. Gerade dort merkt man den Personalmangel nicht erst in einer Statistik, sondern beim Warten auf einen Termin, beim Schichttausch oder wenn der Bus eben nicht fährt.

Brandenburg gewinnt seit Jahren mehr Menschen aus Berlin, als es dorthin verliert. Der Wanderungssaldo lag 2023 bei plus 16.750, 2024 bei plus 15.413 und 2025 bei plus 12.452. Im Jahr 2025 kamen aus Berlin per saldo 3.922 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie 6.593 Menschen zwischen 30 und 50 Jahren. Bei den 18- bis unter 30-Jährigen verlor Brandenburg allerdings 1.506 Menschen an Berlin; 2024 waren es 612.

Durch Wanderung gewann Brandenburg 2025 insgesamt 16.625 Einwohner. Aus dem Ausland kamen per saldo 7.579 Menschen. Cottbus verlor im selben Jahr per saldo 29 Menschen an Berlin – kein dramatischer Ausschlag, aber einer, der im regionalen Kleinklein sichtbar bleibt.

Pendeln gehört zum System

Am 30. Juni 2025 arbeiteten 241.727 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Wohnort in Brandenburg in Berlin. Umgekehrt pendelten 100.994 Beschäftigte aus Berlin nach Brandenburg. Von den 323.358 Auspendlern in andere Bundesländer arbeitete knapp drei Viertel in Berlin. Rund ein Drittel der etwa 1,02 Millionen Beschäftigten mit Wohnort in Brandenburg arbeitete außerhalb des Landes.

Besonders stark ist die Verflechtung in Dahme-Spreewald: 30.194 von 74.793 Beschäftigten arbeiteten außerhalb Brandenburgs, gut 40 Prozent. In Cottbus waren es 4.843 von 38.014, in Spree-Neiße 5.504 von 42.275, in Oberspreewald-Lausitz 7.741 von 41.889 und in Elbe-Elster 7.683 von 38.251. Für die einzelnen Kreise weist der Bericht nicht aus, wie viele dieser Auspendler konkret nach Berlin arbeiten.

Auch die Altersstruktur erklärt, warum jeder zusätzliche Beschäftigte so ins Gewicht fällt: Von den 883.830 Beschäftigten mit Arbeitsort in Brandenburg waren 231.753 mindestens 55 Jahre alt, also 26,2 Prozent. Mindestens 60 Jahre alt waren 119.276, entsprechend 13,5 Prozent. Nur 79.665 Beschäftigte waren jünger als 25 Jahre, ein Anteil von 9,0 Prozent.

Das IW führt den Rückgang deutscher Fachkräfte vor allem auf das altersbedingte Ausscheiden der Babyboomer zurück. Der tatsächliche Beitrag Zugewanderter könnte zugleich höher sein, als die Statistik zeigt, weil Eingebürgerte als Deutsche geführt werden. Von 2015 bis 2025 wurden bundesweit rund 1,8 Millionen Menschen eingebürgert, davon 2025 rund 332.500.

Was bis 2029 auf den Arbeitsmarkt zukommt

Das Fachkräftemonitoring des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales untersucht Arbeitskräfteangebot und -bedarf sowie mögliche Engpässe und Überschüsse. Grundlage ist das wissenschaftlich unabhängige QuBe-Projekt von BIBB, IAB und GWS, das seit 2007 Qualifikations- und Berufsprojektionen erstellt. Einbezogen werden unter anderem die beschleunigte Digitalisierung, Klimawandel und Dekarbonisierung, Zeiten- und Energiewende sowie Unsicherheiten im Außenhandel, insbesondere durch die US-Zollpolitik. Ein interdisziplinärer wissenschaftlicher Projektbeirat berät die Ergebnisse; sie dienen als empirische Grundlage für die Fachkräftestrategie der Bundesregierung.

Die Mittelfristprognose betrachtet jeweils die kommenden fünf Jahre,