Bundeskanzler Friedrich Merz will ausländisches Kapital nach Deutschland holen. Dafür hat er rund 200 Vertreter aus Großunternehmen, Investmentbanken und Fonds zum „Invest in Germany Summit“ nach Berlin eingeladen. Heute, am 19.10.2026, trifft sich die internationale Wirtschaftsszene an der ESMT Berlin – im ehemaligen DDR-Staatsratsgebäude, das inzwischen Sitz der Privatuniversität ist.

Erwartet werden unter anderem Bernard Mensah von der Bank of America, BlackRock-Chef Larry Fink, der kuwaitische Staatsfondsleiter Scheich Saoud Salem Abdulaziz Al-Sabah sowie die Investorin Jeanette Fürstin zu Fürstenberg von General Catalyst. Auch Führungskräfte deutscher Unternehmen wie Mercedes, Bayer und Siemens stehen auf der Gästeliste. Ein dichtes Programm, viele Anzüge, vermutlich reichlich Kaffee.

Huang trotz scharfer Deutschlandkritik auf dem Podium

Bei der Auftaktveranstaltung am Montagabend im Berliner „Kraftwerk“ soll Nvidia-CEO Jensen Huang gemeinsam mit Merz auf dem Podium auftreten. Das ist durchaus bemerkenswert: Wenige Tage zuvor hatte Huang den deutschen Wirtschaftsstandort kritisiert und erklärt, Deutschland sei technologisch weit zurückgefallen.

Die Bundesregierung plant nach Berichten aus dem Umfeld des Gipfels offenbar einen möglichen Vertrag mit Nvidia. An dem geplanten Projekt sollen sich auch deutsche Unternehmen beteiligen. Details dazu sind bislang nicht genannt.

Wie viel ausländisches Kapital bereits im Land steckt

Die Investitionsoffensive trifft auf einen Bestand, der längst beträchtlich ist. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank beliefen sich die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland zum Jahresende 2024 auf 1.034 Milliarden Euro, wenn das direkte inländische Investitionsobjekt betrachtet wird – kurz IRSA. Bei der ersten operativen Einheit, der URSA, waren es 739 Milliarden Euro.

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Die Differenz hängt unter anderem damit zusammen, welche Bilanzen einbezogen werden. IRSA berücksichtigt die Bilanz des direkten Investitionsobjekts. URSA schaut durch Holdinggesellschaften hindurch und erfasst die Bilanzen der ersten operativen Unternehmen. Dabei werden nur erste operative Einheiten berücksichtigt, an denen über abhängige Holdinggesellschaften eine Mehrheitsbeteiligung besteht. Indirekte Beteiligungen von insgesamt unter 50 Prozent bleiben außen vor.

Geografisch konzentrieren sich die Direktinvestitionen stark auf westliche Bundesländer. Hessen, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hamburg sind die fünf größten Standorte. Auf sie entfallen 85 Prozent des IRSA- beziehungsweise 81 Prozent des URSA-Gesamtvolumens.

Beim Blick auf die erste operative Einheit sinken die Direktinvestitionsvolumina in den meisten Bundesländern durchschnittlich um 23 Prozent. Zuwächse gab es nur in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen und Sachsen – dort lagen sie zwischen 1 und 37 Prozent. In westlichen Ländern laufen Investitionen tendenziell stärker über inländische Holdinggesellschaften, während in den östlichen Ländern ein größerer Anteil des Anlagevolumens direkt auf erste operative Einheiten entfällt. Weil die Direktinvestitionsbeträge im Osten vergleichsweise gering sind, verändert dieser Unterschied den gesamtdeutschen Differenzbetrag allerdings nur wenig.

Die Niederlande sind nicht immer der eigentliche Ursprung

Wer nach dem Sitzland des direkten Beteiligungsgebers sortiert, landet vor allem bei den Niederlanden und Luxemburg. Das klingt zunächst nach einer klaren Herkunftsangabe, ist es aber nicht unbedingt: Beide Länder dienen häufig als Holdingstandorte, über die Kapital weitergeleitet wird.

Die Statistik kennt deshalb auch die sogenannte Ultimate Investing Economy, kurz UIE. Sie ordnet eine Investition dem Sitzland der Konzernspitze zu – also jenem Land, in dem die Investitionsentscheidungen letztlich getroffen werden. Dadurch verändert sich die regionale Verteilung der Kapitalgeber teilweise deutlich. Sogar Deutschland erscheint dann als Ursprungsland von Investitionen.

Die Bestände der ersten operativen Unternehmen nach UIE stiegen von 2011 bis 2023 um 80 Prozent: von etwa 400 Milliarden Euro auf mehr als 700 Milliarden Euro. Dazu trugen Neuinvestitionen, reinvestierte Gewinne, Marktpreiseffekte und Kredite bei.

Chinesische Konzernspitzen verzeichneten in den ersten sieben Jahren dieses Zeitraums besonders hohe Wachstumsraten von jährlich etwa 25 bis 55 Prozent. Ab 2018 verlangsamte sich das Wachstum deutlich. Der Ausgangswert 2011 lag allerdings mit rund 1 Milliarde Euro sehr niedrig. Bis Ende 2017 kletterten die Bestände auf knapp 7 Milliarden Euro, bis Ende 2023 auf rund 9 Milliarden Euro. Der Anstieg stand unter anderem mit Chinas verstärkten Investitionen in ausländische Schlüsseltechnologien und Zukunftsmärkte in Zusammenhang.

Trotz einer nahezu Verzehnfachung seit 2011 machten chinesische Investitionen Ende 2023 nur etwa 1 Prozent der gesamten ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland aus.

Europa bleibt der wichtigste Kapitalgeber

Unternehmen mit Konzernspitze in der EU und in anderen europäischen Ländern hielten 2011 rund 270 Milliarden Euro – mehr als zwei Drittel der ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland. Bis 2023 stiegen die Bestände aus der EU um mehr als 80 Prozent, jene aus anderen europäischen Ländern um mehr als 50 Prozent. Damit blieb das Wachstum hinter dem von Unternehmen mit Konzernspitzen außerhalb Europas zurück, deren Bestände um 90 Prozent zunahmen.

Der europäische Anteil ging leicht zurück, blieb aber dominant: 2023 waren es knapp 65 Prozent beziehungsweise rund 470 Milliarden Euro. Für den Anstieg der außereuropäischen Investitionen waren vor allem Unternehmen mit Konzernspitze in den USA verantwortlich. Ihre Investitionen in Deutschland haben sich seit 2011 mehr als verdoppelt; 2023 entfielen rund 160 Milliarden Euro auf sie. Das entsprach knapp einem Viertel aller Direktinvestitionen und lag damit leicht über dem Anteil von 2011, als er 20 Prozent betrug.

Der Anteil der übrigen Welt sank dagegen von 13 auf 12 Prozent. In absoluten Zahlen wuchs der Bestand dennoch – von rund 50 Milliarden Euro im Jahr 2011 auf etwa 90 Milliarden Euro im Jahr 2023.

Deutschland ist zugleich selbst ein großer Investor im Ausland. Die deutschen Direktinvestitionsbestände außerhalb des Landes stiegen zum Jahresende 2023 gegenüber Ende 2022 nur geringfügig, von 1.694 auf 1.701 Milliarden Euro. Die Aufwertung des Euro führte zu negativen Wechselkurseffekten und bremste den Anstieg.

Den größten Anteil bildete das Beteiligungskapital deutscher Investoren im Ausland mit 1.851 Milliarden Euro. Kreditpositionen verringerten den Bestand per saldo um 150 Milliarden Euro: Den Forderungen von 433 Milliarden Euro standen Verbindlichkeiten von 583 Milliarden Euro gegenüber. Während in Berlin also über neue Geldgeber gesprochen wird, steckt deutsches Kapital längst auf der anderen Seite der Grenze – manchmal in mehreren Holdingschichten, ehe man überhaupt erkennt, wo es angefangen hat.