Kritische Infrastruktur unter Druck: Wie Hacker, Sabotage und Schutzlücken Deutschland gefährden
Heute, am 2.11.2026, begann der Tag an der Universität Hamburg mit blockierten Zugängen zur Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Die Demonstrierenden forderten unter anderem mehr Bildungsausgaben und kritisierten Investitionen in die Kriegsindustrie. Währenddessen starteten in Berlin die Koalitionsverhandlungen von Linken, Grünen und SPD; außerdem begann eine internationale KI-Konferenz. In Leipzig begann der Prozess gegen einen 34-Jährigen wegen zweifachen Mordes und 85-fachen versuchten Mordes nach einer tödlichen Amokfahrt. In Frankfurt wurde die Jüdische Akademie eröffnet.
Auch in der CDU ist die Stimmung angespannt. Vor einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz beklagten Kreisvorsitzende schlechte Umfragewerte, Wahlniederlagen, Parteiaustritte und Unzufriedenheit mit der Bundespolitik. Die CDU Schleswig-Holstein will derweil Angela Merkel in die Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten 2027 entsenden. Weitere vorgesehene CDU-Wahlleute sind unter anderem Karin Prien, Daniel Günther und Patrick Wiencek.
Politik zwischen Wahl, Strafrecht und Protest
Merz will der CDU für die Bundespräsidentenwahl eine Kandidatin aus der politischen Mitte vorschlagen. Die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier müsse eine Frau antreten, erklärte der Kanzler. Parallel legte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig einen Gesetzentwurf vor: Sexuell bestimmte Äußerungen oder Gesten sollen künftig unter Strafe stehen, wenn sie einschüchtern oder bedrängen. Vorgesehen sind bis zu ein Jahr Haft oder eine Geldstrafe. CDU-Justizministerin Constanze Geiert kritisierte allerdings unklare rechtliche Grenzen und eine mögliche Überdehnung des Strafrechts.
In Berlin sprechen Linke, Grüne und SPD über eine rot-grün-rote Landesregierung. Elif Eralp und Nina Stahr äußerten sich zuversichtlich und verwiesen auf gemeinsame Positionen bei Mieten, Klima und Wirtschaft. Klimaaktivistin Luisa Neubauer riet den Organisatoren der Gen-Z-Proteste zugleich, ihre Forderungen stärker zu bündeln. Einzelne Gewalttaten würden genutzt, um die gesamte Bewegung zu diskreditieren, kritisierte sie.
Beim Spritpreisdeckel liegt ein erster Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums vor. Demnach soll die Regelung offenbar nur greifen, wenn die Preise im Vergleich zu anderen EU-Staaten überdurchschnittlich stark steigen – und zwar in drei aufeinanderfolgenden Wochen. Bei Versorgungsproblemen könnten Bund und Länder den Deckel aussetzen.
Angriffe, Warnungen und offene Fragen
In der Ukraine starben nach ersten Angaben bei der Ausgabe humanitärer Hilfe in einer Schule im ukrainischen Komyschuwacha mindestens 18 Menschen. Mindestens fünf wurden verletzt, 27 gelten als vermisst. In Gaza meldeten palästinensische Gesundheitsbehörden mindestens drei Tote nach israelischen Luftangriffen in Chan Junis und Al-Mussadar, sechs weitere Menschen seien verletzt worden. Eine Stellungnahme des israelischen Militärs lag zunächst nicht vor.
Israels Armee zog sich laut dem Gouverneur nach etwa einer Woche aus Hebron im Westjordanland zurück. Rund 3.300 vertriebene Bewohner könnten zurückkehren, ihre Häuser seien allerdings weitgehend zerstört. Auslöser des Einsatzes war ein Angriff gewesen, bei dem zwei israelische Soldaten starben und drei verletzt wurden. Iran stellte unterdessen eine Öffnung der Straße von Hormus innerhalb von 48 Stunden in Aussicht, falls die USA iranischen Bedingungen zustimmen. Teheran fordert unter anderem ein Ende der Kämpfe, die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte, die Aufhebung von Ölsanktionen und ein Ende der US-Seeblockade.
Apple informierte Abgeordnete und Regierungsmitglieder über mögliche Kompromittierungen ihrer Geräte durch sogenannte Mercenary Spyware. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik benachrichtigte die Betroffenen; nähere Hintergründe waren zunächst nicht bekannt.
Auch Flugreisende hatten heute wenig Grund für entspannte Nerven: Ein Wizz-Air-Flug von London nach Sofia landete außerplanmäßig in Budapest, nachdem im bosnischen Luftraum eine Bombendrohung das Cockpit erreicht hatte. Die Maschine wurde durchsucht und von zwei ungarischen Kampfflugzeugen eskortiert. Bei der Landung in Perth geriet ein Airbus A350 von Singapore Airlines kurz über dem Boden in Seitenwind und kippte zur Seite. Die Piloten brachen den Landeanflug ab.
In Bremervörde verletzte sich ein neunjähriges Mädchen an einer etwa fünf Zentimeter langen Stecknadel in einem Schokoriegel. In Gifhorn fand ein Grundschulkind Fremdkörper in Süßigkeiten, ohne davon zu essen. Die Polizei ermittelt; ähnliche Fälle wurden unter anderem aus Hannover, Salzgitter und Bremen gemeldet.
Wenn Kühlanlagen plötzlich auftauen
Hacker versetzten Kühlanlagen in Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland und den Niederlanden in den Abtaumodus. In Belgien waren zunächst etwa 20 Anlagen betroffen, in Frankreich bei einem früheren Angriff rund 150 Geschäfte. In einem schwedischen Markt stiegen die Temperaturen in Kühl- und Gefrierschränken auf bis zu 50 Grad. Die betroffenen Lebensmittel wurden entsorgt.
Solche Vorfälle passen in eine größere Debatte über den Schutz kritischer Infrastruktur. Nach Sabotageakten an Energieanlagen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen wird politisch darüber gestritten, wer Anlagen schützen soll und welche Mittel dafür nötig sind. Das Bundesinnenministerium bewertet kritische Infrastruktur wegen ihrer gesellschaftlichen Bedeutung grundsätzlich als stark gefährdet. Für den Schutz ihrer jeweiligen Einrichtungen sind zunächst die Betreiber verantwortlich, Sicherheitsbehörden unterstützen sie dabei. Das Bundesamt für Verfassungsschutz informiert mögliche Betroffene mit Sicherheitshinweisen, regelmäßigen Sicherheitsbriefings und Gesprächen mit Branchen – auch über die aktuelle Sabotagegefahr.
Zum Bereich der kritischen Infrastruktur zählen Energie und Informationstechnik, Transport und Verkehr, Gesundheit und Wasser, Ernährung, das Finanz- und Versicherungswesen, Staat und Verwaltung sowie Medien. Fällt eine solche Struktur aus, können Versorgungsengpässe oder erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit folgen. Das im März 2026 in Kraft getretene Kritis-Dachgesetz legt erstmals bundesweit und branchenübergreifend Mindestanforderungen für den physischen Schutz fest. Die dafür erforderlichen Rechtsverordnungen hat die Bundesregierung bislang nicht vorgelegt; einen Zeitplan nannte das Innenministerium nicht.
Die Grünen kritisieren diese Lücke. Irene Mihalic erklärte, es sei dadurch unklar, welche Unternehmen welche konkreten Schutzmaßnahmen umsetzen müssten. Sie warf Bundesinnenminister Alexander Dobrindt schwere Versäumnisse vor und sagte, Deutschland sei auf Angriffe auf kritische Infrastruktur nur unzureichend vorbereitet. Noch während der laufenden Haushaltsverhandlungen forderte Mihalic von Dobrindt ein Gesamtkonzept für die innere Sicherheit.
AfD-Außenpolitiker Markus Frohnmaier verlangt eine Stärkung der Bundeswehr und ihre Befähigung zur Amtshilfe, verstärkte Grenzkontrollen sowie mehr Diplomatie mit Moskau angesichts mutmaßlich russischer Sabotageversuche. Als Beispiel nannte er den laut Bundesregierung russisch beeinflussten Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen. Deutschland sei durch seine Unterstützung der Ukraine zur Zielscheibe geworden, sagte Frohnmaier.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul brachte zusätzliche Rechte für Betreiber ins Gespräch: Videoanlagen und der Aufbau eigener Drohnenabwehr könnten helfen. Nicht jedes Umspannwerk könne von der Polizei bewacht werden; Betreiber müssten technisch und rechtlich in die Lage versetzt werden, ihre Anlagen besser zu schützen. Reul hält entsprechende Regelungen grundsätzlich kurzfristig für umsetzbar. Die Deutsche Polizeigewerkschaft erklärte ebenfalls, der Schutz kritischer Infrastruktur sei keine originäre Aufgabe der Polizei. Nach Ansicht ihres Bundesvorsitzenden Heiko Teggatz fehlten weniger technische Möglichkeiten als konsequente Investitionen.
Kerstin Andreae vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft forderte eine Anpassung des Datenschutzes. Kameras sollten rechtssicher auch angrenzende öffentliche Bereiche überwachen dürfen. Der Bundesverband Erneuerbare Energie verlangt außerdem ein Notfall-Backup-System für das Stromnetz. Bioenergie und Wasserkraft seien teilweise schwarzstartfähig und könnten nach einem Stromausfall ohne externe Stromversorgung wieder hochgefahren werden.
In kurzer Folge kam es zu zwei Vorfällen: zur Attacke auf die Stromversorgung des Umspannwerks Turnow-Preilack in Südbrandenburg und zu einer Störung an einem Umspannwerk in Bergheim in Nordrhein-Westfalen. In der Nähe beider Orte wurden laut Behörden Abschussvorrichtungen gefunden. Die Ermittlungen in Brandenburg laufen in alle Richtungen, ein Bekennerschreiben gibt es bislang nicht. In Nordrhein-Westfalen werden laut Reul zwei mögliche Hintergründe geprüft: fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus. Die Ermittler gehen davon aus
