An der Uni Frankfurt geht es heute, am 14.10.2026, um eine Arbeit, die meistens dann gebraucht wird, wenn anderen die Worte fehlen: Die TelefonSeelsorge Frankfurt (Oder) hilft Menschen in Lebenskrisen und seelischer Not. Jährlich kommen dort mehr als 5.000 Anrufe an. In den vergangenen 30 Jahren waren es rund 150.000.

Am anderen Ende sitzen Ehrenamtliche. Sie hören zu, wenn Einsamkeit, Verzweiflung oder Suizidgedanken im Raum stehen. In manchen Fällen lagen bei den Anrufenden bereits Tabletten bereit. Viel mehr als ein Gespräch können die Mitarbeitenden oft nicht anbieten – aber manchmal ist genau dieses Gespräch der Moment, der noch Hoffnung offenhält.

30 Jahre TelefonSeelsorge in Frankfurt (Oder)

Sozialminister René Wilke würdigte am 10. Oktober 2026 bei einem Festakt die Arbeit der TelefonSeelsorge Frankfurt (Oder) und übernahm die Schirmherrschaft der Veranstaltung. Die Einrichtung nahm am 28. Oktober 1996 ihren Betrieb auf und besteht damit seit 30 Jahren.

Getragen wird sie von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, dem Erzbistum Berlin, dem Bund Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland, dem Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und dem Caritasverband für das Erzbistum Berlin. Rund 110 Ehrenamtliche waren dort bislang tätig. Aktuell engagieren sich 26 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie drei Auszubildende.

Bevor sie ans Telefon gehen, werden die Ehrenamtlichen nach einem Auswahlverfahren in einer 200-stündigen Ausbildung auf ihre Tätigkeit vorbereitet. Das ist nötig, denn die Gespräche werden anspruchsvoller: Die psychischen und psychosozialen Belastungen der Anrufenden nehmen zu. Weitere Ehrenamtliche werden deshalb gesucht.

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Im vergangenen Jahr wurden 5.265 Seelsorgegespräche geführt. Häufig ging es um Einsamkeit und Isolation oder um Probleme in familiären Beziehungen. Auch Depressionen, Ärger, Aggressionsgefühle, Stress, emotionale Erschöpfung und Ängste wurden als Anrufgründe genannt. Die Beratung ist kostenlos und anonym; sie gilt Problemen aller Art, Lebenskrisen und seelischer Not.

Wenn Einsamkeit nicht einfach wieder verschwindet

Das Thema Einsamkeit war bei der TelefonSeelsorge schon vor der Corona-Pandemie häufig. Der Anteil entsprechender Telefonate stieg von rund 20 Prozent im Jahr 2019 auf seitdem konstant etwa 22,5 Prozent. Den Höchstwert gab es 2020: über 23 Prozent, überwiegend während des ersten Lockdowns.

Alleinsein und Einsamkeit sind dabei nicht dasselbe. Alleinsein kann freiwillig sein, gewünscht und sogar richtig angenehm. Einsamkeit dagegen wird als unerwünschte Mangelerfahrung erlebt. Das eine ist ein äußerer Umstand, das andere ein persönliches Erleben. Nicht jeder alleinlebende Mensch ist einsam – und nicht jeder einsame Mensch lebt allein. Entscheidend ist vor allem die Qualität der Beziehungen, nicht ihre Anzahl oder Häufigkeit.

Vorübergehende Einsamkeitsgefühle können nach einem Umzug, einem neuen Arbeitsplatz oder am Beginn einer neuen Lebensphase auftauchen und wieder abklingen. Hält das Gefühl an, spricht man von chronischer Einsamkeit. Dann wird es gesundheitlich heikel: Das Depressionsrisiko steigt um das Elffache, das Risiko für Zwangserkrankungen um das Zehnfache. Soziale Phobien können sich verstärken, Einsamkeit kann zu Suchtverhalten führen. Untersuchungen zeigen außerdem, dass sie im Gehirn ähnlich wie körperlicher Schmerz verarbeitet wird.

Anna-Nicole Heinrich, Präses der EKD, beschäftigt sich in einem Video mit Strategien gegen Einsamkeit bei jungen Menschen. Einsame Menschen kennen Möglichkeiten zur sozialen Kontaktaufnahme meist ebenso wie Beratende. Nur sind diese Wege für sie oft nicht leicht zugänglich. Die ehrenamtlich Mitarbeitenden der TelefonSeelsorge geben deshalb keine einfachen Ratschläge. Sie gehen sensibel auf Betroffene ein, hören zu und bieten menschlichen Kontakt – ohne großes Rezeptbuch, ohne schnelle Lösung.

Der direkte Kontakt am Telefon kann Einsamkeit lindern und sie für manche Betroffene erträglicher machen. Das grundlegende Problem löst er nicht. Dass Einsamkeit gesellschaftlich stärker thematisiert wird, kann den Umgang damit trotzdem erleichtern und zeigen: Mit dieser Belastung ist niemand völlig allein.

Rund um die Uhr erreichbar

Die TelefonSeelsorge ist 24 Stunden täglich an 365 Tagen im Jahr unter den Nummern 0800-1110111 und 0800-1110222 erreichbar. Für jemanden, der nachts wachliegt, Angst hat oder keinen Ausweg sieht, ist das keine Kleinigkeit.

Das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, kurz MASGZ, fördert die TelefonSeelsorge Frankfurt (Oder) jährlich mit knapp 61.000 Euro. Seit 2020 kamen zusätzlich rund 142.500 Euro aus Lottomitteln hinzu.

Neben Frankfurt (Oder) und Cottbus gibt es in Potsdam einen dritten Standort. Betrieben wird er von der Hoffbauer-Stiftung. Das MASGZ unterstützt ihn jährlich mit 44.100 Euro; seit 2020 wurden dafür knapp 187.600 Euro aus Lottomitteln bewilligt.