Tornadoflaute 2026: DWD zählt bislang nur 31 bestätigte Fälle in Deutschland
Über Deutschland hat es in diesem Jahr bislang deutlich seltener gedreht: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) zählte bis Ende September 2026 insgesamt 31 bestätigte Tornados. Das liegt klar unter dem langjährigen Mittel von 49 bestätigten Tornados pro Jahr. Für uns an der Uni Saarland ist dabei auch der Blick auf die Region interessant: Im Saarland wurde kein bestätigter Tornado registriert.
Die Hauptsaison reicht in Deutschland von Mai bis September. Danach treten Tornados nur noch selten auf. DWD-Tornadoexperte Marcus Beyer führt die geringe Zahl 2026 vor allem darauf zurück, dass geeignete Wetterlagen fehlten. Am Boden braucht es warme, feuchte Luft, darüber kalte Luft – und zusätzlich Windscherung, also eine Zunahme oder Änderung von Windgeschwindigkeit und Windrichtung mit der Höhe. Heuer kam diese Kombination nur selten zusammen.
Wenig Gewitter, viele trockene Phasen
Langanhaltende Hochdruck- und Dürrephasen sorgten 2026 in vielen Regionen für wenige Gewitter und damit auch für wenige Tornados. Jahre mit niedrigen Tornadozahlen weisen laut DWD häufig eine ausgeprägte Dürre auf. Schon am 31. Juli waren erst 13 Tornados bestätigt; der Wetterdienst sprach damals von einer deutlich unterdurchschnittlichen Saison. Auch August und September konnten noch neue Fälle bringen, zudem bestand die Möglichkeit, dass Verdachtsfälle nachträglich bestätigt werden.
Wie stark die Zahlen von den Großwetterlagen abhängen, zeigt der Blick zurück: Seit 2000 schwankte die Zahl der bestätigten Tornados erheblich. Im ebenfalls von Dürre geprägten Jahr 2018 wurden 26 bestätigt – auch damals fehlten passende Bedingungen für häufigere Entwicklungen. Ganz anders 2006: Damals registrierte der DWD 121 bestätigte Tornados.
Schwerpunkte in Norddeutschland
Die meisten bestätigten Fälle entfielen 2026 auf Niedersachsen mit neun Tornados, dicht gefolgt von Hessen mit acht. Je drei wurden in Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Thüringen gezählt. Je einen Fall gab es in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Baden-Württemberg. Keine bestätigten Tornados meldeten Sachsen-Anhalt, Bayern und das Saarland.
Allerdings ballte sich das Geschehen auffällig: 17 der insgesamt 31 bestätigten Tornados ereigneten sich am 19. August. Der erste Fall des Jahres wurde erst am 3. Juni nahe Borkum registriert – eine Wasserhose. Vom 3. Juni 2026 wurden dort sogar drei Wasserhosen beobachtet. Damit begann die Tornadosaison so spät wie seit 2000 nicht mehr. Der bisherige Rekord stammte vom 24.05.2003, als bei Großenhain ein Tornado registriert wurde.
Am 1. Juli 2026 folgte eine weitere Wasserhose über dem Bodensee. Sie wurde von Friedrichshafen aus fotografiert und vielfach über die WarnWetter-App dokumentiert. Am 26. Juli bildete sich südlich von Cuxhaven eine rotierende Gewitterzelle. Wetterradardaten zeigten die Rotation, die sich im Verlauf verstärkte. Wegen der niedrigen Wolkenuntergrenze und günstiger Umgebungsbedingungen entstanden nach aktuellem Untersuchungsstand mindestens drei Tornados.
Die Sache ist noch nicht ganz ausermittelt: Fachleute prüfen, ob weitere Schäden auf eine längere Schadensspur hindeuten. Auch die genaue Stärke der Tornados wird noch bestimmt. Einer könnte möglicherweise IF2 erreicht haben, entsprechend 220 ± 60 km/h.
Wie Fälle bestätigt werden
Für die Bewertung arbeitet die Tornadoexpertengruppe des DWD im Netzwerk TOREX, dem Tornadoexpertenverbund Deutschland. Die Fachleute sichten Meldungen aus sozialen Medien, der Presse und privaten Zuschriften. Schadensmuster werden mit Wetterradardaten und Bildmaterial abgeglichen; die Stärke ergibt sich aus der objektiven IF-Skala.
Verdachtsfälle können an tornado@dwd.de gemeldet werden. Welche weiteren Fälle in den kommenden Tagen und Wochen noch dazukommen, ist derzeit offen.
Neue Hinweise aus dem September
Die Tornadoliste nennt für 2026 bisher 33 bestätigte Fälle, einen plausiblen Fall und 98 Verdachtsfälle. Die abweichende Zahl gegenüber der DWD-Zählung erklärt sich durch den unterschiedlichen Bearbeitungsstand und die laufende Bewertung der Meldungen.
Am 18. September 2026 gegen 12:50 Uhr MESZ wurde ein mögliches trichterförmiges Gebilde beobachtet. Es soll sich etwa zwei Minuten gehalten und anschließend sehr schnell aufgelöst haben. Weitere Angaben dazu liegen im vorliegenden Eintrag nicht vor.
Gegen 19:57 Uhr MESZ kam eine Meldung aus dem Raum 74653 Diebach: Möglicherweise wurde dort ein Tornado beobachtet. Wegen der Entfernung und eines Waldes ließ sich jedoch nicht feststellen, ob es eine Trichterwolke oder tatsächlich ein Tornado war. Schäden sind nicht angegeben.
Aus dem Raum 17153 Stavenhagen in Mecklenburg-Vorpommern wurde am selben Abend gegen 20:15 Uhr MESZ sehr starker Wind gemeldet. Auf Feldern lagen zahlreiche umgestürzte Bäume; Gärten sowie Trampoline, Zelte und Pavillons wurden beschädigt oder fortgerissen.
Bereits gegen 10:20 Uhr MESZ waren nach einem schweren Unwetter örtlich begrenzt starke Schäden festgestellt worden. Ein weiterer, räumlich getrennter Bereich mit erheblichen Waldschäden lag hinter dem Naturbad am Radweg zwischen Worblingen und Bohlingen. Die vollständige Beschreibung dieses Eintrags ist abgeschnitten.
