Uni Saarland, 2. Oktober 2026 – Europas Sommer 2025 hat Spuren hinterlassen: trockene Flussbetten, flirrende Hitze und Rauch, der Millionen Menschen die Luft nahm. Laut dem Bericht zum Zustand des europäischen Klimas 2025 von Weltwetterorganisation (WMO) und EU-Klimadienst Copernicus gab es Rekordtemperaturen, weniger Schnee und Eis, Waldbrände und eine außergewöhnlich starke Erwärmung der Meere.

Europas Flüsse führten im Sommer so wenig Wasser wie seit Beginn der Aufzeichnungen 1992 nicht mehr. Im Juli und August wurden an Rhein, Donau, Po, Loire, Rhône und Seine rekordnahe oder rekordniedrige Abflussmengen gemessen. Rund 70 Prozent der Flüsse lagen unter dem langjährigen Mittel, die Pegel waren fast das gesamte Jahr zu niedrig.

Hitze an Land, Wärme im Meer

Für Europa war der Sommer laut Copernicus der drittwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. In Westeuropa wurde sogar der wärmste Sommer registriert: Die Durchschnittstemperatur lag bei 21,7 °C und damit 2,5 °C über dem Mittelwert von 1991 bis 2020. Bis zum Ende des Sommers waren 52 Prozent der europäischen Landfläche einer sehr starken Hitzebelastung ausgesetzt – dort entsprachen die gefühlten Temperaturen mindestens 38 °C.

In Westeuropa wurden an 17 Tagen in mindestens 60 Prozent der Region mehr als 30 °C gemessen. Zum Vergleich: 2003 waren es elf solcher Tage, 2025 sieben. Mindestens 95 Prozent Europas erlebten überdurchschnittlich hohe Temperaturen; auch die Jahrestemperatur lag in 95 Prozent der Regionen über dem Durchschnitt. In Norwegen, Schweden und Finnland folgten 21 Hitzetage aufeinander, am Polarkreis wurden teilweise mehr als 30 Grad Celsius gemessen.

Rund um Europa heizte sich zugleich das Meer auf. Die durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur erreichte zum vierten Mal in Folge einen Rekordwert. Entlang großer Teile der Atlantikküste sowie im westlichen und zentralen Mittelmeer wurden Rekord- oder Beinahe-Rekordwerte gemessen. 96 Prozent der europäischen Region waren mindestens von starken marinen Hitzewellen betroffen. Das kann die nächtliche Abkühlung in angrenzenden Küstengebieten bremsen und die Luftfeuchtigkeit erhöhen – die Luft steht dann förmlich warm im Zimmer.

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Europa erwärmt sich seit den 1980er-Jahren doppelt so schnell wie die Erde insgesamt, erklärte WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo. Florian Pappenberger, Generaldirektor des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage, bezeichnete Europa als den Kontinent, der sich derzeit am schnellsten erwärmt. Samantha Burgess vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen führt die stärkere Erwärmung Europas unter anderem auf veränderte atmosphärische Zirkulationen zurück, die sommerliche Hitzewellen begünstigen.

Wasser wird zur Engstelle

Das Niedrigwasser setzte mehrere Bereiche gleichzeitig unter Druck: Bewässerung, die Kühlung von Kernreaktoren, Wasserkraft, Süßwasserversorgung und Energieversorgung. Atomkraftwerke könnten bei zu wenig Kühlwasser ihre Leistung vorübergehend reduzieren oder Reaktoren abschalten müssen. Schmelzende Gletscher und niedrige Wasserstände könnten langfristig auch die Wasserkrafterzeugung beeinträchtigen.

Die Schneebedeckung lag fast ein Drittel unter dem langjährigen Durchschnitt. Der grönländische Eisschild verlor 139 Milliarden Tonnen Eis. Für Deutschland bedeutete der Sommer eine Hitzewelle, während Südeuropa großflächige Waldbrände erlebte. Anhaltende Trockenheit und wiederholte Hitzewellen begünstigten eine außergewöhnlich intensive Waldbrandsaison.

Bis zum 2. September war die in der EU verbrannte Fläche fast doppelt so groß wie der Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2025. Der Copernicus-Klimabericht nennt europaweit mehr als eine Million zerstörte Hektar – so viel wie nie zuvor. Besonders betroffen waren Spanien und Frankreich. Deutschland, Spanien, Zypern, Großbritannien und die Niederlande verzeichneten die höchsten Waldbrandemissionen seit Beginn der Aufzeichnungen. Millionen Menschen waren dadurch gefährlicher Luftverschmutzung ausgesetzt; Rauch hängt nicht nur über den Flammen, sondern zieht weit über Grenzen hinweg.

Energie zwischen Sonne und Fluss

Die Folgen sind nicht überall gleich. Sauberere Luft enthält weniger Partikel, an denen sich Wolken bilden. Dadurch erreicht mehr Sonnenstrahlung die Erdoberfläche, was die Produktion von Solarenergie begünstigen kann. Im vergangenen Jahr deckten erneuerbare Energien gut 46 Prozent des europäischen Strombedarfs, Solarenergie erreichte mit 12,5 Prozent einen neuen Rekordanteil.

Der Haken liegt bei den Gewässern: Weniger Wasser bedeutet weniger Spielraum für Wasserkraft und mehr Stress für Kraftwerke, Landwirtschaft und Städte. Die vielen Stellschrauben greifen ineinander, manchmal ziemlich unangenehm.

WMO und Copernicus warnen außerdem vor einem Verlust der Artenvielfalt durch den Klimawandel. In der EU gibt es zwar Schutzmaßnahmen, ihre Umsetzung müsse jedoch beschleunigt und ausgeweitet werden. Der Bericht fasst die Arbeit von rund 100 Mitwirkenden zusammen und soll Erkenntnisse für politische Entscheidungen liefern; Hitzewellen, extreme Stürme und Hochwasser belasteten bereits Gesellschaft und Wirtschaft.

Saulo hält es wegen des Rekordanstiegs der Treibhausgaskonzentration für praktisch unmöglich, die globale Erwärmung dauerhaft auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die globale Temperatur lag 2024 bei etwa 1,55 Grad und 2025 bei 1,48 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Sie fordert robuste Klimaschutzmaßnahmen, damit eine Überschreitung des 1,5-Grad-Ziels möglichst gering und kurz bleibt.

Und dann ist da noch der Blick nach vorn: Klimamodelle prognostizieren für Herbst 2026 ein El-Niño-Ereignis. Möglich sei auch ein besonders starkes „Super-El-Niño“ mit weltweiten Auswirkungen, die Europa ebenfalls betreffen könnten. An der Uni Saarland fühlt sich das gerade nicht nach ferner Klimastatistik an, sondern nach dem nächsten Wetterbericht.

Quelle: Saarbrücker Zeitung
Quelle: Der Spiegel
Quelle: tagesschau