Viadrina feiert 35 Jahre: Professor Woijciechowski spricht aus Leidenschaft!
Am 15. Juli 2026 war der Senatssaal der Europa-Universität Viadrina ein Ort des Austausches und der Reflexion. Anlässlich des 35. Gründungsjahres der Universität las Dr. Krzysztof Wojciechowski aus seinem Buch „Traum Grenzuniversität“. Die Lesung, moderiert von Dr. Anja Hennig, zog etwa 100 Gäste an, darunter Zeitzeug*innen und Weggefährt*innen, die sich für die deutsch-polnische Zusammenarbeit engagieren.
Wojciechowski, der als Verwaltungsdirektor des Collegium Polonicum tätig ist, sprach leidenschaftlich über die Herausforderungen und Erfolge der Anfangs- und Aufbaujahre. Besonders thematisierte er die Schwierigkeiten der grenznahen Kooperation, welche häufig mit der Notwendigkeit einhergingen, unterschiedliche Universitätskulturen zu managen. „80 bis 90 Prozent meiner Arbeit fließen in die Koordination verschiedener Interessen“, so der Direktor. Dies verdeutlicht den komplexen Charakter seiner Rolle und die Relevanz des Collegium Polonicum für die Region.
Ein Blick in die Vergangenheit
Die Entstehung des Collegium Polonicum in den 1990er Jahren war geprägt von vielen Herausforderungen, darunter Zigarettenschmuggel und strengen Grenzkontrollen. Die Skepsis eines Staatssekretärs im Brandenburgischen Wissenschaftsministerium über die Gründung einer Universität in dieser Region war nur ein Hindernis auf dem Weg. Wojciechowski selbst zeigte sich 1991 überrascht von den Verhältnissen in Słubice, die zu diesem Zeitpunkt keineswegs einladend waren.
Doch der Wunsch nach einer deutsch-polnischen Zusammenarbeit ließ nicht locker. Waldemar Pfeiffer plante ein Begegnungszentrum in Słubice, jedoch fehlten die finanziellen Mittel. Der Durchbruch kam mit engagierten Anträgen bei der EU und Wojciechowskis persönlicher Initiative, die ihn sogar dazu bewegte, joggend über die Grenze zu gehen, um die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit von seinem Konzept zu überzeugen. Diese Anstrengungen führten dazu, dass das Projekt in die Liste der prioritär zu finanzierenden Vorhaben des polnischen Sejm aufgenommen wurde. Heute gilt das Collegium Polonicum als eine der größten finanziellen Investitionen Polens im Bildungssektor dieser Zeit.
Der heutige Nutzen
Was hat sich seit diesen bewegten Anfangsjahren verändert? Heute ist das Collegium Polonicum nicht nur eine akademische Einrichtung für grenzüberschreitende Zusammenarbeit, sondern auch ein Zentrum für Forschung, Lehre und kulturelle Veranstaltungen. Diese Einrichtung wird von der Republik Polen und dem Land Brandenburg getragen, basierend auf einem Vertrag vom 2. Oktober 2002. Die Hauptaufgabe des Collegium Polonicum ist es, die deutsch-polnische Forschung und Lehre zu fördern, was durch ein vielseitiges Studienangebot für junge Menschen aus der Region, dem Ausland und weltweit geschieht.
Wojciechowski ruft dazu auf, mehr Selbstbewusstsein für die bisher erreichten Leistungen zu entwickeln. Er fordert, dass die alltägliche Zusammenarbeit in der deutsch-polnischen Kooperation als wertvoll angesehen wird. Auch die Bildung von Clustern sieht er als notwendig an, um die geistige und kulturelle Entwicklung in der Region weiter zu stärken.
Die Lesung von Dr. Wojciechowski war nicht nur ein Rückblick auf die Entstehung des Collegium Polonicum, sondern auch ein eindringlicher Appell an die Anwesenden, die Erfolge zu würdigen und die Zukunft aktiv zu gestalten. In einer Zeit, in der die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mehr denn je notwendig ist, bleibt die Europa-Universität Viadrina ein zentraler Akteur im deutsch-polnischen Dialog.
Für eine detaillierte Information über die Europa-Universität Viadrina und ihre Projekte ist es empfehlenswert, die Website der Europa-Universität sowie die Seite des Collegium Polonicum zu besuchen.
