Bremen feiert die Einheit zwischen Staatsakt, Straßenfest und Demokratie-Appell
Heute, am 3. Oktober 2026, ist Bremen Deutschlands Bühne: Das Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit zieht sich durch die Innenstadt, an der Schlachte, am Osterdeich, am Weserstadion und auf der Überseeinsel. Auch an der Universität Bremen wird man an diesem Feiertag kaum an den großen Feierlichkeiten vorbeikommen – überall Musik, Gespräche, Absperrungen und Menschen, die irgendwohin wollen.
Nach Gottesdienst und Festakt geht das Programm weiter: mit Konzerten, Informationsangeboten und Aktionen. Auf der Ländermeile am Osterdeich stellen sich alle 16 Bundesländer vor – mit Informationen, regionalen Speisen, Getränken und Musik. Ein ziemlich dichter Mix, bei dem vermutlich niemand hungrig oder ohne neuen Gesprächsstoff nach Hause geht.
Festakt mit klaren Worten
Der zentrale Festakt in der Bremer Glocke wurde von der Schauspielerin Katja Riemann moderiert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warnte in seiner Rede vor einem Scheitern der Demokratie und forderte einen entschiedeneren Kampf gegen politische Extremisten und deren Diffamierung der Bundesrepublik.
Populistische Parteien aller politischen Richtungen, sagte Steinmeier, destabilisierten die parlamentarische Demokratie. An die Bundesregierung appellierte er, eine überlegte, stetige, professionelle und belastbare Regierungspolitik zu verfolgen. Nur so ließen sich die ökonomischen und sozialen Ursachen der Verunsicherung bekämpfen.
Auch Bürgermeister Andreas Bovenschulte rief zur Verteidigung der Demokratie auf. Auf der Bühne standen außerdem die Bremer Philharmoniker unter der Leitung von Dirigent Marko Letonja, die Tanzgruppe Moms.Undercover sowie die Tänzerinnen und Tänzer Neele Buchholz und Tomas Bünger. Der Bremer Grün-Gold-Club trat mit 30 Tänzerinnen und Tänzern zu „Music Was My First Love“ auf.
Unter den Gästen waren Bundeskanzler Friedrich Merz, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bundesverfassungsgerichtspräsident Stephan Harbarth sowie Altbundeskanzler Gerhard Schröder mit seiner Ehefrau. Steinmeier, Merz, Klöckner und Harbarth trugen sich in das Goldene Buch der Stadt Bremen ein.
Musik bis in den späten Abend
Am Abend wird es musikalisch – und zwar an mehreren Stellen gleichzeitig. Um 17:30 Uhr spielen Ron Williams & Jörg Seidel auf der Bühne Schlachte. Tiffany Aris folgt um 18:00 Uhr auf der Radio-Bremen-Bühne.
- 19:30 Uhr: Die Fantastischen Vier, Radio-Bremen-Bühne auf dem Domshof
- 20:30 Uhr: Afterburner, Bühne Überseeinsel
- 20:30 Uhr: Below Zero, Bühne Ansgari
- 20:30 Uhr: Flo Mega, Bühne Osterdeich
- 21:30 Uhr: The Stereolines, BLG-Container-Bühne
- 22:00 Uhr: Mia mit Sängerin Mieze Katz, Bühne Osterdeich
Für das Konzert der Fantastischen Vier sind nur rund 10.000 ausgeloste Ticketinhaber zugelassen. Wer kein Ticket ergattert hat, kann die Show zusätzlich im Livestream verfolgen. Der Festakt in der Bremer Glocke lässt sich im Re-Live anschauen.
Das Bürgerfest selbst wurde in der Sendung „Gemeinsam feiern“ live vom Bremer Marktplatz übertragen. Moderiert wurde sie von Linda Zervakis und Felix Krömer.
Feiern unter strengen Sicherheitsvorkehrungen
Für die Feierlichkeiten gelten umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen. Dazu gehören Polizeisperren und Scharfschützen auf dem Rathausdach. Das wirkt im Festtrubel zunächst beinahe surreal: hier Musik und Länderstände, dort Sicherheitskräfte mit aufmerksamem Blick.
Viele Besucherinnen und Besucher verfolgten den Gottesdienst im Dom über Videowände. Anschließend gingen die politischen Gäste von dort zur Glocke und kamen unterwegs mit Menschen ins Gespräch.
Der 3. Oktober erinnert an den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 und ist deshalb gesetzlicher Feiertag. Nach der Wiedervereinigung war auch der 9. November als Feiertag erwogen worden. Wegen der Reichspogromnacht von 1938 wurde dieses Datum jedoch nicht gewählt.
In Bremen treffen an diesem Tag Erinnerung, Staatsakt und Straßenfest direkt aufeinander: Glocken und Reden, Musik am Wasser, regionale Speisen am Osterdeich – und dazwischen die ganz praktische Suche nach dem nächsten Eingang, der richtigen Bühne oder einem freien Stück Gehweg.
