Heute ist der 1. Oktober 2026 – und damit der „Tag des Kaffees“. Während auf dem Campus der Uni Europa die ersten Tassen dampfen, verweist die Kaffeeindustrie auf ihre enorme Bedeutung für Deutschland und Europa. Hinter dem schnellen Kaffee am Morgen steckt schließlich eine weit verzweigte Wirtschaft: vom Import über die Rösterei bis zum Café, zur Büroküche und zum Automaten im Bahnhof.

Der Deutsche Kaffeeverband beziffert die Wirtschaftsleistung der deutschen Kaffeewirtschaft einschließlich Ausstattern und Dienstleistern auf 70,2 Milliarden Euro. Rund 517.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze hängen dem Verband zufolge mit der Branche zusammen. Die Zahlen stammen aus der Studie „Economic Impact of Coffee in Europe“, die 2026 von Europe Economics im Auftrag der European Coffee Federation erstellt wurde.

Deutschland als Drehscheibe für Kaffee

Eine wichtige Rolle spielt Deutschland beim Weg der Bohne nach Europa: 34,4 Prozent der Kaffeeimporte aus Nicht-EU-Ländern gelangen über Deutschland in das EU-Zollgebiet. 2025 waren das rund 1,01 Millionen Tonnen – mehr als eine Million Tonnen Kaffee. Deutschland übernimmt dabei unter anderem Import, Handel, Verarbeitung, Transport, Verkauf und Ausschank. Ein Teil des Kaffees wird nach der Verarbeitung wieder exportiert, der übrige Teil hierzulande getrunken.

Rund 517.000 Tonnen Röstkaffee wurden in Deutschland produziert. Das entsprach 27,3 Prozent der europäischen Röstkaffeeproduktion. Auch technisch sitzt einiges im Land: Die beiden weltweit größten Anlagen zur Entkoffeinierung von Kaffee befinden sich in Bremen.

Die direkte Wirtschaftsleistung der deutschen Kaffeewirtschaft beträgt 36,6 Milliarden Euro. Darin enthalten sind Einfuhr, Handel, Verarbeitung, Verkauf, Zubereitung und Ausschank. Zum Außer-Haus-Markt gehören Cafés, Restaurants, Hotels, Bäckereien und Arbeitsplätze; bei der Berechnung werden auch Umsätze für Zubereitung, Service und Bewirtung anteilig berücksichtigt.

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Weitere 33,6 Milliarden Euro entstehen bei Ausstattern und Dienstleistern. Dazu zählen Hersteller von Kaffeemaschinen sowie Röst- und Anlagentechnik, Unternehmen für Verpackung, Transport und Logistik, Wartungsbetriebe und weitere Dienstleister. Der Deutsche Kaffeeverband vertritt nach eigenen Angaben rund 380 Unternehmen entlang der Kaffee-Wertschöpfungskette – darunter Händler, Makler, Röstereien, Hersteller von löslichem Kaffee, Entkoffeinierer, Maschinenhersteller, Logistiker und Labore.

Zwischen Bohne, Vollautomat und Bürobecher

Wie sich der Kaffeekonsum verändert, zeigen die Zahlen für 2025. Der deutsche Kaffeemarkt blieb stabil, der Absatz von Röstkaffee lag bei etwa 456.000 Tonnen und damit 1,5 Prozent unter dem Vorjahr. Der Umsatz stieg dennoch um 23,5 Prozent auf 8,98 Milliarden Euro.

Vor allem ganze Bohnen legen zu. Mit 193.800 Tonnen erreichte dieses Segment einen Rekordabsatz. In den vergangenen zehn Jahren sank der Absatz von gemahlenem Kaffee um rund 38 Prozent, während der Absatz ganzer Bohnen um 130 Prozent stieg – mehr als eine Verdoppelung. Der Kaffeeverband nennt dafür die wahrgenommene Qualität, die frische Zubereitung und die zunehmende Verbreitung von Vollautomaten. Inzwischen steht in jedem dritten Haushalt ein Vollautomat, der mit ganzen Bohnen betrieben wird. Es brummt, mahlt, zischt – und irgendwo ist natürlich immer gerade Wasser leer.

Auch unterwegs und außerhalb der eigenen vier Wände wird viel getrunken: Der Außer-Haus-Konsum erreichte 2025 mit 125.500 Tonnen einen neuen Höchststand. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2018 lag bei 125.000 Tonnen. Kaffee landete dabei unter anderem in der Gastronomie, in Büros und unterwegs in Bechern zum Mitnehmen.

Neue Impulse erwartet der Verband beim löslichen Kaffee: etwa durch löslichen Kaffee aus hochwertigem Specialty-Kaffee oder durch flüssige Kaffeekonzentrate, die eine einfache und flexible Zubereitung ermöglichen – auch für kalte Kaffeegetränke. Bereits heute wird in Deutschland jede zehnte Tasse mit löslichem Kaffee zubereitet. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Konsum lag bei rund 161 Litern.

Ein Preis, hinter dem harte Arbeit steckt

Die wirtschaftliche Stärke der Branche erzählt allerdings nicht die ganze Geschichte. Kaffeebauern weisen auf schwierige Produktionsbedingungen hin. Maria Elizabeth Rodriguez, Leiterin der nicaraguanischen Kooperative Cosatin für biologischen und fair gehandelten Kaffee, sagte, der hohe Preis ihres Kaffees sei für Menschen in Deutschland ein Problem.

Produzenten müssten inzwischen eigentlich mehr verdienen, erklärte Rodriguez zugleich. In Deutschland sei es aber schwierig, diese Kaffees zu angemessenen Preisen zu verkaufen. Ihre Frage bleibt dabei im Raum: Wüssten Kundinnen und Kunden, wie hart die Arbeit hinter der Kaffeeproduktion steckt?

Kaffee stammt vermutlich ursprünglich aus dem Hochland Äthiopiens. Über die Arabische Halbinsel verbreitete sich der Kaffeehandel nach Europa und später in andere Regionen der Welt. Der Name „Kaffee“ leitet sich vom arabischen Begriff „qahwah“ ab, der unter anderem „belebendes Getränk“ bedeuten kann.

Der „Tag des Kaffees“ findet 2026 zum 21. Mal statt; den bundesweiten Aktionstag gibt es seit 2006. Er soll auf die Vielfalt, Qualität und die Beschäftigten der Branche aufmerksam machen. Der Deutsche Kaffeeverband veröffentlicht die Ergebnisse zum Aktionstag am 1. Oktober 2026 und vertritt seit mehr als 50 Jahren Unternehmen und Organisationen der deutschen Kaffeewirtschaft. Als „Verband des Jahres“ wurde er 2014, 2018 und 2024 ausgezeichnet.