Uni Bremen, 25.09.2026 – Die US-Wissenschaftsbehörde NOAA steht unter Druck. Anfang 2025 entließ die US-Regierung rund ein Zehntel ihrer Belegschaft. Nach einem Bericht über die Vorgänge war das Ziel, den wissenschaftlichen Kern der Behörde zu zerschlagen. Für die Forschung geht es dabei nicht bloß um Stellen, sondern um Daten, die über Jahrzehnte gesammelt wurden.

Die National Oceanic and Atmospheric Administration verfügt über mehr als 10.000 Beschäftigte, 17 Schiffe, drei Wettersatelliten sowie mehrere Dutzend Labore und Forschungszentren. Ihre Archive enthalten umfangreiche Langzeitdaten zu Wetter, Klima, Atmosphäre und Ozeanen. Frank Oliver Glöckner von der Universität Bremen betont, dass solche Zeitreihen nötig sind, um kurzfristige Wetterereignisse von längerfristigen Klimaveränderungen unterscheiden zu können.

Entlassungen per E-Mail

Das US-Handelsministerium entließ an einem Donnerstagnachmittag unerwartet Hunderte NOAA-Mitarbeiter. Die Betroffenen erhielten per E-Mail die Nachricht, dass ihr Arbeitsverhältnis noch am selben Tag enden werde. Die meisten galten formal noch als Beschäftigte in der Probezeit – darunter neu eingestellte oder kürzlich beförderte Menschen. Teilweise traf es sogar Mitarbeiter, die trotz dieses Status bereits mehr als zehn Jahre bei der NOAA gearbeitet hatten.

Bei den Weiterbeschäftigten saß der Schock tief. Sie äußerten Bestürzung über den Verlust von institutionellem Wissen und jahrzehntelanger Erfahrung. Auch Mitarbeiter des NOAA-Umweltmodellierungszentrums waren betroffen. Dort entstehen wichtige Wetter-, Meeres- und Klimavorhersagen.

Andrew Rosenberg, ehemaliger stellvertretender Direktor des NOAA National Marine Fisheries Service, sagte, es habe keinen Plan gegeben, wie die wissenschaftlichen Arbeiten und Dienstleistungen fortgeführt werden sollten. Kritiker erwarten deshalb, dass die Behörde erheblich unterbesetzt sein wird. Lebensrettende Wetter- und Unwettervorhersagen könnten darunter leiden.

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Warnungen vor Folgen für Sicherheit und Forschung

Experten und ehemalige NOAA-Beamte warnten vor möglichen Folgen für die öffentliche Sicherheit, die Wetter- und Unwettervorhersage, die Klimaforschung, den Naturschutz, das Meeresmanagement und die Umweltüberwachung. Die Abgeordneten Gabe Amo und Zoe Lofgren verwiesen auf Risiken für die nationale und öffentliche Sicherheit und warnten sogar vor möglichen Todesfällen.

Auch die Rechtmäßigkeit der Entlassungen wurde infrage gestellt. Senator Chris Van Hollen bezeichnete sie in einem Brief an Handelsminister Howard Lutnick als „offensichtlich rechtswidrig“. Die Union of Concerned Scientists legte ein Schreiben vor, das von mehr als 2.500 Wissenschaftlern unterzeichnet wurde. Darin forderten sie, die NOAA-Mitarbeiter und ihre Finanzierung zu erhalten.

Der ehemalige NOAA-Forschungsdirektor Craig McLean und der frühere NOAA-Administrator Rick Spinrad kritisierten die Kürzungen scharf. Sie warnten vor Gefahren für Menschenleben und Eigentum, aber auch für die wissenschaftliche Reputation der USA und deren internationales Ansehen. Die Trump-Regierung äußerte sich trotz der zunehmenden Kritik bislang nicht zu den Entlassungen.

Warum Europas Forschung mitbetroffen ist

Die möglichen Schäden reichen weit über die Vereinigten Staaten hinaus. Gefährdet ist der Erhalt wichtiger NOAA-Datensätze, deren Bedeutung international ist. In Europa versuchen Institutionen deshalb, bedrohte US-Forschungsdaten zu sichern.

Das Problem betrifft nicht nur Wetter und Klima. Auch bedeutende Datensammlungen aus der Medizin, den Sozialwissenschaften und anderen Forschungsbereichen liegen in den USA. Dahinter stehen jahrzehntelange Forschungskooperationen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten. Gespeichert wurden die Daten häufig in den USA, weil dort große Cloud-Anbieter – sogenannte Hyperscaler – ansässig waren.

Die geopolitischen Risiken dieser Speicherorte wurden dabei nicht ausreichend berücksichtigt. Nun zeigt sich, wie schnell aus einer praktischen Speicherentscheidung eine wissenschaftspolitische Baustelle werden kann. Zwischen Serverfarmen, Behördenakten und alten Messreihen geht es um Material, das sich nicht einfach nachproduzieren lässt: Jeder fehlende Messpunkt kann eine Zeitreihe beschädigen, jede verlorene Erfahrung die Einordnung neuer Daten erschweren.

In Bremen dürfte man diese Entwicklung aufmerksam verfolgen. Gerade dort, wo Forschende langfristige Veränderungen in Atmosphäre und Ozeanen untersuchen, sind verlässliche Archive keine Nebensache. Sie sind das Gedächtnis der Forschung – und derzeit liegt dieses Gedächtnis teilweise in den Händen einer Behörde, deren wissenschaftlicher Betrieb durch Entlassungen ins Wanken geraten ist.