Am 18. Oktober 1984 stand Freddy Quinn im Hamburger Operettenhaus als Johnny Kröger auf der Bühne. Für diese Rolle, so berichtete man damals, hätte er notfalls sogar auf seine Gage verzichtet. Das Musical „Große Freiheit Nr. 7“ war für ihn keine beliebige Produktion: Seine Figur entsprach Hannes Kröger, jenem Seemann und Sänger, den Hans Albers 1944 in Helmut Käutners gleichnamigem Film gespielt hatte.

Im Musical verlegte Autor und Regisseur Karl Vibach die Geschichte in die unmittelbare Nachkriegszeit, genauer: in das Hamburg während der britischen Besetzung. Quinn sang, spielte und führte das Publikum mitten hinein ins Hippodrom auf St. Pauli. Dort gab es Matrosen, Werftarbeiter, eine Hafenrundfahrt, „Santa Lucia“ – und sogar ein lebendes Kamel. Das Tier bekam laut „Welt am Sonntag“ Sonderapplaus. Mehr Hamburg-Theater geht kaum.

Ein Abend mit Matrosen, Kamel und tosenden Beifall

Die Uraufführung wurde kräftig bejubelt. Die „Welt am Sonntag“ schrieb von „tosendem Beifall“, das „Hamburger Abendblatt“ nannte die Premiere eine „stürmisch gefeierte“ Uraufführung. Besonders Freddy Quinn erhielt großen Applaus. Unter den Gästen waren laut „Spiegel“ Ilse Werner, Udo Lindenberg und Rudi Carrell.

Quinn hatte sich die Rolle gewünscht; sie war für ihn geschrieben worden. Kritiker verglichen seine Darstellung mit Hans Albers’ Filmrolle und hoben vor allem seinen Gesang sowie seine Auftritte im Hippodrom hervor. Auf der Bühne steppte ein Matrosenballett, Werftarbeiter spielten ein „Ketelklopper“-Konzert, dazu kamen bekannte Musikstücke, vor allem aus dem angloamerikanischen Raum. Genannt wurden außerdem „Frühlingsrauschen“ und der Titelsong „Große Freiheit“.

Die Hafenrundfahrt mit dem Lied „Santa Lucia“ gestaltete Quinn gemeinsam mit der italienischen Touristin, gespielt von Maria Sari. Den Titelsong komponierte Quinns Melodie selbst; zahlreiche bekannte Lieder ergänzten die neue Musik. Die Ausstattung stammte von Karl-Hermann Joksch und Ilse-Marianne Wittneben, die Choreografie von Tom Fletcher. Alfred Hause übernahm die musikalische Leitung.

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Johnny Kröger zwischen Gisa, Anita und der See

Die Bühnenhandlung folgt in großen Zügen Käutners Filmvorlage. Der ehemalige Seemann Johnny Kröger arbeitet als Stimmungssänger im Hippodrom auf St. Pauli. Dort begegnet er Gisa Häuptlein, der Verlobten des verstorbenen jüngeren Bruders des Stimmungssängers Hannes. Johnny nimmt sie unter seine Obhut und verliebt sich in sie.

Leicht wird die Sache nicht. Anita Schröder, die Besitzerin des Hippodroms, liebt Johnny ebenfalls. Und der Werftarbeiter Willi Appeldorn interessiert sich für Gisa. Am Ende überlässt Johnny sie seinem Konkurrenten Willi und geht wieder zur See.

In der Hauptbesetzung spielten Ingrid Ohlenschläger die Anita Schröder, Angelika Saremba die Gisa Häuptlein, Gernot Kleinekemper den Werftarbeiter Willi Appeldorn, Axel Olsson Hein Kiekbusch und den „Seebär“, Sönke Schütt den Schiffskoch Fiete Brinkmann, Gertrud Angerstein Frau Kasbohm und eine Bettlerin, Andreas von Steegen den Conférencier im Hippodrom, Iris Malow das Animiermädchen Margot und Willy Witte Käpt’n Claasen, den Vorsitzenden des Seegerichts.

Weitere Rollen übernahmen unter anderem Karl-W. Walther, Siegfried Walt, Claus Frankl, Maria Sari, Ulla Evrahr, Kay Ewen, Martin Menner, Roger Pahl, Loy Leatherman und Gerd Marohn. Zum Ensemble gehörten außerdem Ballett, Hippodrom-Damen, Werftarbeiter, Matrosen, Polizisten und weitere Nebenfiguren. Das Buch schrieb Karl Vibach, die Gesangstexte stammten von Helmut Käutner, Ralph Arthur Roberts, Karl Vibach, S. P. Mareike, Reinhard Deutsch und Victor Bach. Die Musik kam von Werner Eisbrenner, Ralph Arthur Roberts, Ricci Ferra und anderen.

Kurze Laufzeit, lange Tournee

Die Hamburger Produktion hielt sich allerdings nicht lange. Schon wenige Monate nach dem Start war Schluss. Im Juni 1985 berichtete die „Hörzu“ von einer „Hamburger Operettenhaus-Pleite“. Wie hoch die Verluste tatsächlich waren, ist heute nicht belastbar bekannt.

Ganz verschwunden war „Große Freiheit Nr. 7“ damit nicht. Freddy Quinn nahm das Stück später wieder auf und ging damit laut Musicallexikon der Universität Freiburg von 1995 bis 2001 jährlich auf Tournee. Im Freiburger Eintrag wird Quinn dabei als Hannes Kröer geführt; in der Hamburger Produktion spielte er Johnny Kröger. Eine Studio-Cast-Aufnahme erschien 1984 bei Polydor unter der Nummer 559 139-2 als 1 CD.

Das Musicallexikon führt das Werk als Hamburger Musical nach dem Film von Helmut Käutner aus dem Jahr 1944. Die Uraufführung fand am 18. Oktober 1984 im Operettenhaus Hamburg in der Bundesrepublik Deutschland statt. Der Eintrag gehört zum Lexikon „Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute“, herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Universität Freiburg. Die letzte inhaltliche Änderung erfolgte am 17. Januar 2022.

Zum Vergleich liegt Käutners Film mit Hans Albers inzwischen ebenfalls wieder vor: 2019 erschien „Große Freiheit Nr. 7“ bei LEONINE auf Blu-ray. Als Literatur nennt das Lexikon Elmar Kraushaars Biografie „Freddy Quinn. Ein unwahrscheinliches Leben“, erschienen 2011 im Atrium Verlag Zürich.

Vom AFN zum Hamburger Operettenhaus

Quinns Johnny Kröger kam nicht aus dem Nichts. In den 1950er Jahren trat Freddy Quinn in Fürth mit Country-Songs vor US-Soldaten auf und sang in Nürnberg beim Radiosender American Forces Network, kurz AFN. 1954 entdeckten ihn Jürgen Roland und Werner Baecker in der Washington Bar auf Hamburg-St. Pauli. Beide arbeiteten als Talentsucher für Polydor.

Polydor finanzierte ihm von 1954 bis 1956 eine Gesangsausbildung an der Musikhochschule Hamburg, unter anderem bei Maja Evans. 1955 erschien seine erste Aufnahme unter dem Pseudonym „Frederico Quinn“ bei Telefunken. Ein Jahr später nahm er bei Polydor „Mary Ann“ und „Heimweh“ auf. „Mary Ann“ war eine Bearbeitung von „Sixteen Tons“, „Heimweh“ basierte auf „Memories Are Made of This“.

„Heimweh“ wurde zum meistverkauften Titel des Jahres in der Bundesrepublik – allerdings mit einem ziemlich holprigen Start. Die erste Auflage verkaufte sich schlecht, weil Rundfunkanstalten das Lied weitgehend ignorierten. Beim Bayerischen Rundfunk zerbrach Moderator Werner Götze die Platte als „Schnulze des Jahres“ vor laufendem Mikrofon. Danach zogen die Verkäufe im Handel stark an. Auf dem Plattenetikett stand bei einem deutschen Interpreten erstmals nur der Vorname. Aus Quinn wurde „Freddy“.

Ebenfalls 1956 nahm Polydor ihn exklusiv unter Vertrag. Beim Grand Prix Eurovision de la Chanson vertrat er Deutschland mit „So geht das jede Nacht“. Da öffentlich nur der Siegertitel bekanntgegeben wurde, ist seine Platzierung nicht überliefert. 1958 nahm Quinn in Japan unter dem Pseudonym „The Manhattans“ eine Single mit „At the Hop“ und „Stood Up“ auf. Im selben Jahr besetzte ihn Jürgen Roland in „Stahlnetz“, Folge „Die Tote im Hafenbecken“, als Spelunkensänger.

Danach spielte Quinn in Musikfilmen meist Hauptrollen, die auf seine Person zugeschnitten waren. Seine Figuren hießen häufig Freddy. Zu seinen Filmpartnern gehörten Walter Scherau, Gustav Knuth, Heidi Brühl, Grethe Weiser, Heinz Erhardt, Gunnar Möller, Ralf Wolter und Rik Battaglia. „Heimweh nach St. Pauli“, erstmals 1963 aufgeführt, erhielt 1965 die Goldene Leinwand für rund drei Millionen Zuschauer innerhalb von 18 Monaten.

Meer, weite Welt, Abschied, Einsamkeit und Fernweh: Daraus bestanden viele seiner Lieder, gesungen mit tief