In Hamburg hat die Grippewelle 2026/2027 begonnen. Noch sind die Zahlen niedrig, doch seit Anfang September steigen die Nachweise für Grippe, RSV und COVID-19. Wer sich impfen lassen möchte, kann das bei Hausärztinnen und Hausärzten, in Bezirksämtern sowie in ausgewählten Apotheken erledigen. Die Kosten übernehmen meist die Krankenkassen.

Hamburger Ärztinnen und Ärzte appellieren vor allem an Menschen ab 60 Jahren und an Personen mit Vorerkrankungen, jetzt einen Termin auszumachen. Auch die STIKO empfiehlt die jährliche Grippeimpfung für Risikogruppen, idealerweise im Oktober. Gemeint sind insbesondere Menschen über 60, Schwangere und Personen mit chronischen Erkrankungen. Wer noch nicht geimpft ist, sollte den Termin zeitnah vereinbaren – der Herbst wartet nicht.

Die Zahlen sind noch niedrig

Stand 9. September 2026 lag die Grippe-Inzidenz in Hamburg bei 0,75 pro 100.000 Einwohner, bezogen auf die Kalenderwoche 35. Wöchentlich wurden etwa 14 neue Grippefälle registriert. Die COVID-19-Sieben-Tage-Inzidenz betrug 1,2 pro 100.000, die RSV-Inzidenz 0,11 pro 100.000.

Zum Vergleich: In der Kalenderwoche 7/2026 hatte die RSV-Inzidenz in Hamburg noch bei 7,56 pro 100.000 gelegen. Mit sinkenden Temperaturen im Oktober und November steigen Atemwegsinfektionen erfahrungsgemäß deutlich an. Bis Dezember könnte die Grippe-Inzidenz auf über 40 pro 100.000 klettern. Die Hamburger Sozialbehörde beobachtet die Entwicklung akuter Atemwegserkrankungen und veröffentlicht dazu aktuelle Inzidenzdaten.

Herbst und Winter gelten auch in der RKI-Surveillance als besonders kritische Phasen für Atemwegsinfektionen. In einer Großstadt wie Hamburg kommt hinzu, dass sich Viren in vollen Bussen und Bahnen schnell verbreiten können. Ein bisschen Gedränge, ein Husten im Waggon – und schon ist die Erkältungssaison nicht mehr ganz so weit weg.

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Woran sich Grippe, RSV und COVID-19 unterscheiden

Eine Grippe beginnt meist plötzlich. Typisch sind Fieber über 38,5 °C, ein starkes Krankheitsgefühl, Muskel- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost. Bei RSV verläuft ein Infekt für gesunde Erwachsene meist leichter, oft mit Schnupfen und leichtem Husten. Für Säuglinge und Kinder unter zwei Jahren besteht allerdings ein erhöhtes Risiko für eine schwere Bronchiolitis.

COVID-19 bleibt trotz der niedrigen Inzidenz präsent. Ältere und immungeschwächte Menschen sollten Symptome deshalb ernst nehmen. Einen ersten Test auf eine mögliche Grippe kann man selbst durchführen. Bei unkomplizierten Verläufen ohne Risikofaktoren kann außerdem eine verifizierte digitale ärztliche Beratung den Praxisbesuch ergänzen oder ersetzen. Eine Video-Konsultation kann Symptome einschätzen, Empfehlungen geben und klären, ob eine körperliche Untersuchung nötig ist. Für Risikogruppen ersetzt sie diese Untersuchung nicht.

Leichte Erkältungssymptome ohne Fieber brauchen meist keinen Arztbesuch. Ruhe, ausreichend trinken und warme Kleidung helfen zunächst. Tritt nach drei Tagen keine Besserung ein, kann eine telefonische Beratung sinnvoll sein. Spätestens nach zehn Tagen sollte es deutlich bergauf gehen. Werden die Beschwerden nach einer vorübergehenden Besserung wieder stärker, ist ein Arztbesuch notwendig.

Früher ärztlich beraten lassen sollten sich Menschen über 60 Jahre, Kinder unter zwei Jahren sowie Personen mit Diabetes, Herzerkrankungen oder geschwächtem Immunsystem. Sofortige medizinische Hilfe ist nötig bei Atemnot, schnellem oder pfeifendem Atmen, anhaltendem Fieber über 39 °C, das nicht auf Ibuprofen oder Paracetamol anspricht, sowie bei Verwirrtheit, starken Kopfschmerzen oder Nackensteifigkeit. Auch blaue oder gräuliche Lippen beziehungsweise Fingernägel und eine erneute, stärkere Verschlechterung nach einer Besserungsphase sind Alarmsignale.

Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist unter 116 117 erreichbar. Bei lebensbedrohlichen Notfällen gilt 112.

Wenn die Besserung trügt

Ein Beispiel aus Hamburg-Altona: Ein 66-jähriger Mann entwickelt am 10. September 2026 Fieber von 38,8 °C, trockenen Husten und starke Abgeschlagenheit. Am dritten Tag fühlt er sich zunächst besser. Am siebten Tag kehren Fieber und Beschwerden stärker zurück, die Temperatur steigt auf 39,5 °C, dazu kommt Brustenge beim Atmen.

Wegen seines Alters und der Verschlechterung nach der Besserung sollte er innerhalb von 24 Stunden medizinische Hilfe suchen. Für Risikogruppen gilt: Eine erneute Verschlechterung nach anfänglicher Besserung sollte innerhalb von 24 Stunden ärztlich abgeklärt werden. Fieber über 39 °C über drei Tage erfordert unabhängig vom Alter einen Arztbesuch. Bei Atemnot oder Brustschmerzen sind sofort 116 117 oder 112 zu kontaktieren.

Gerade bei älteren Menschen können Influenza oder COVID-19 innerhalb von 24 bis 48 Stunden in eine behandlungsbedürftige Lungenentzündung übergehen. Das klingt hart, ist aber der Grund, warum „erst mal abwarten“ nicht immer die beste Idee ist.

Was jetzt auf die Herbstliste gehört

In vielen deutschen Unternehmen sind bis zu drei Werktage Krankheitsabwesenheit ohne Attest möglich; ab dem vierten Tag wird meist eine ärztliche Bescheinigung verlangt. Ein Arzttermin am zweiten oder dritten Krankheitstag kann die rechtzeitige Ausstellung eines Attests ermöglichen.

  • Grippeimpfung vereinbaren
  • Die Telefonnummer 116 117 speichern
  • Fieber und Symptome täglich dokumentieren
  • Risikopersonen im eigenen Haushalt berücksichtigen
  • Die zuständige Arztpraxis oder Notaufnahme vorab klären
  • Bei leichten Beschwerden ohne Alarmsignale einen digitalen ärztlichen Erstcheck nutzen

Der Blick auf die Grippeimpfung reicht dabei über die normale Erkältungssaison hinaus. Weltweit haben sich in den vergangenen Jahren hochpathogene aviäre Influenza-Viren (H5Nx) stark ausgebreitet – unter Geflügel, Wasservögeln und anderen Wildvögeln, zunehmend aber auch bei Säugetieren wie Nerzen, Füchsen, Katzen und Robben.

Menschen mit häufigem, direktem Kontakt zu möglicherweise infizierten Tieren können sich gleichzeitig mit saisonalen humanen und zoonotischen Influenzaviren infizieren. Solche Ko-Infektionen sind sehr selten. Durch genetische Veränderungen, ein sogenanntes genetisches Reassortment, könnten jedoch neuartige Influenza-A-Viren entstehen. Ein neues Virus könnte sich dann besser von Mensch zu Mensch übertragen und eine Influenza-Epidemie oder -Pandemie auslösen.

Auch Schweine können humane Influenza-A-Viren vom Menschen aufnehmen. Bei solchen Anthropozoonosen können ebenfalls neue gefährliche Viren entstehen, die anschließend wieder auf Menschen übertragen werden und Pandemien verursachen können.

Vor diesem Hintergrund hat die STIKO ihre Empfehlung zur saisonalen Influenza-Impfung auf weitere Personengruppen in der privaten und wirtschaftlichen Tierhaltung ausgeweitet, einschließlich einer beruflichen Indikation. Damit sollen besonders exponierte Personen geschützt, das Risiko eines genetischen Reassortments zwischen humanen und zoonotischen Influenzaviren verringert und die Wahrscheinlichkeit gesenkt werden, dass neuartige Influenzaviren mit Pandemiepotenzial entstehen. Die entsprechende RKI-Information hat den Stand 17.07.2025.