Kaufhaus in Trouble: Wenn der Onlinehandel die Innenstädte leert
Leere Kaufhäuser, Onlinebestellungen und die bange Frage, wer am Ende noch einen Arbeitsplatz hat: Die Studio-Bühne Braunschweig e.V. bringt mit „Kaufhaus in Trouble“ eine Komödie von Winnie Abel auf die Bühne. Gespielt wird am Samstag, 24. April 2027, um 15:00 Uhr und 19:30 Uhr.
Schauplatz ist das Kultur- und Kommunikationszentrum Brunsviga, Karlstraße 35, 38106 Braunschweig. Der Vorverkaufspreis beträgt 14,00 Euro. Wer schon einmal erlebt hat, wie in einem Kaufhaus gleichzeitig Kasse, Kundschaft und Nerven versagen, dürfte sich in diesem Bühnenchaos schnell zurechtfinden.
Wenn das Kaufhaus aus allen Nähten platzt
Das traditionsreiche Kaufhaus Dickeschanz steht leer, weil die Kundschaft überwiegend online einkauft. Eine Unternehmensberaterin soll den Betrieb retten und plant unter anderem, Mitarbeiter zu entlassen. Gina und Suse kämpfen deshalb um ihre Arbeitsplätze – mit vermutlich mehr Einsatz, als ihnen lieb ist.
Dann tauchen spontan auftretende „Stammkunden“ auf, Missverständnisse häufen sich, und eine Klimaaktivistin klebt sich ins Sortiment. Zusätzlich erscheint die Erbin des Kaufhauses. Aus all dem entwickelt sich ein turbulentes Verwechslungsspiel, bei dem das Warenhaus ordentlich aus dem Takt gerät.
Tickets und Hinweise zum Einlass
Ermäßigungen gelten für Schüler:innen, Studierende, Empfänger:innen von Leistungen nach SGB II oder SGB XII sowie für Empfänger:innen von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.
Personen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 70 und Schwerbehindertenausweis sowie Menschen mit dem Merkzeichen „B“ zahlen den regulären Ticketpreis. Die Begleitperson erhält freien Eintritt. Die Freikarte muss vorab unter 0531 238040 angemeldet werden. Der jeweilige Ermäßigungsnachweis ist unaufgefordert am Einlass vorzulegen.
Warum leere Innenstädte gerade Stoff für die Bühne liefern
Dass ein Kaufhaus wie Dickeschanz in der Komödie leer steht, hat einen realen Hintergrund. Die COVID-19-Pandemie verstärkte den bereits laufenden Strukturwandel im Einzelhandel und machte die strukturellen Herausforderungen für Städte und Zentren deutlicher. Eine Veröffentlichung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung untersuchte erste empirische Auswirkungen der Pandemie und des Onlinehandels auf den Einzelhandel, besonders in Innenstädten.
Dafür wurden in sechs Fallstudien die aktuelle Einzelhandelsstruktur, darunter Leerstände und Nutzungsmischung, erhoben. Rund 2.000 Bürgerinnen und Bürger sowie etwa 230 Gewerbetreibende wurden befragt. Die Innenstädte wiesen weiterhin eine hohe Nutzungsmischung auf; der Einzelhandel spielte dabei nach wie vor eine wichtige Rolle.
Die Zahl der Einzelhandelsbetriebe in den sechs untersuchten Innenstädten sank durchschnittlich um 24 Prozent. Fachmarktstandorte und die gesamten Verkaufsflächen blieben insgesamt stabil. Besonders deutlich gingen die Branchen Bekleidung und Unterhaltungselektronik zurück. Rund 20 Prozent der Befragten kauften seit der Pandemie seltener im Zentrum ein. Gleichzeitig gaben 30 Prozent an, inzwischen auch die Innenstadt aufzusuchen, um das lokale Gewerbe zu unterstützen.
Als Perspektive für die Zentren hebt die Studie ihre Funktion als Begegnungs- und Erlebnisräume hervor. Der Einzelhandel wird darin als innovationsfähig beschrieben, auch in Verbindung mit der zunehmenden Digitalisierung. Das Kaufhaus auf der Bühne bekommt also reichlich Stoff aus der Wirklichkeit – nur dass eine Klimaaktivistin dort nicht zwingend am Kleiderständer kleben muss.
Wissenschaftlich begleitet wurde die Studie durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), die Referate „Stadtentwicklung“ sowie „Digitale Stadt, Risikovorsorge und Verkehr“. Im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen erfolgte die Begleitung durch das Referat „Lebendige Zentren, Nationale Projekte des Städtebaus“.
Auftragnehmer waren Junker+Kruse, Stadtforschung Planung (Dortmund), die HafenCity Universität Hamburg und die Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik. Die Veröffentlichung umfasst unter anderem ein Vorwort, Rahmenbedingungen und Studienstand, empirische Ergebnisse aus sechs Fallstudien, Online-Befragungen in den Fallstudien, Perspektiven der Zentren und Literatur.
Der Zitiervorschlag lautet: Kruse, S.; Kopischke, E.; Krüger, T.; Anders, S.; Flämig, H. (2023): Innenstadt, Onlinehandel und Pandemie. Herausgeber: BBSR, ExWoSt-Informationen 54/1, Bonn. DOI: 10.58007/zf5v-2z87.
Für Studierende an der Uni Hamburg ist der Blick nach Braunschweig damit auch ein kleiner Ausflug in eine Frage, die viele Städte beschäftigt: Was passiert mit den Orten, an denen man früher einfach herumstöberte, jemanden traf oder doch noch etwas kaufte, obwohl man gar nichts gebraucht hatte?
