Jana Schneider gewinnt Schach-Gold bei der Hochschulweltmeisterschaft in Liaocheng
Jana Schneider aus Deutschland ist Hochschulweltmeisterin. Bei der FISU World University Championship im chinesischen Liaocheng blieb die Deutsche Meisterin im klassischen Schach ungeschlagen und holte 7,5 Punkte aus neun Partien – einen Zähler mehr als ihre Verfolgerinnen. Für die Universität Würzburg ist der Erfolg auch deshalb interessant, weil Schneider ihre Masterarbeit in Psychologie dort im Sommer abgeschlossen hat.
Das Turnier fand im Arcadia International Hot Spring Hotel in Liaocheng, in der chinesischen Provinz Shandong, statt. Rund 230 Studierende aus 26 Ländern und Regionen waren für die Schach- und Bridge-Wettbewerbe angekündigt. Vor dem Start lief Schneider mit Teilen der Delegation 6,6 Kilometer. Danach hatte sie drei Tage Muskelkater, bezeichnete den gemeinsamen Lauf aber trotzdem als positives Erlebnis.
Schneider entscheidet das komplizierte Endspiel
In den ersten drei Tagen wurden jeweils zwei klassische Partien gespielt, um 9 und 14 Uhr. Am vierten Tag folgten die siebte klassische Runde und anschließend neun Blitzpartien. Die klassische Bedenkzeit betrug 60 Minuten plus 30 Sekunden pro Zug – auf die kurzfristig verkürzte Bedenkzeit musste sich die deutsche Delegation erst einstellen.
Der entscheidende Moment kam in der siebten Runde. Schneider besiegte die topgesetzte Chinesin WIM Yan Tianqi in einem komplizierten Endspiel. Mit ihrer Stellung war sie zunächst unzufrieden, setzte sich dann aber durch. Am Ende standen für sie sechs Siege und drei Remis zu Buche, ihr Elo-Zuwachs betrug rund 32 Punkte. Hinter der Siegerin landeten WFM Lucia Sevcikova, FM Liwia Jarocka und Yan Tianqi mit jeweils 6,5 Punkten.
Für Schneider war es die erste Studierenden-WM. Zwei Wochen zuvor hatte sie ihr Studium abgeschlossen. Seit dem 1. Oktober arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bamberg und möchte dort in Arbeits- und Organisationspsychologie promovieren. Im Verein spielt sie für den SC Bavaria Regensburg in der zweiten Liga Süd und für den SC Bad Königshofen in der Frauenbundesliga.
Ganz ohne kleinen Dämpfer blieb der Wettbewerb nicht: Im Blitzturnier kam Schneider mit 4,5 Punkten aus neun Partien auf Platz 14. Yan Tianqi gewann dort mit acht Punkten. Gespielt wurde neun Runden lang mit drei Minuten plus zwei Sekunden pro Zug.
Engel sammelt vier Medaillen
Auch Luis Engel erwischte ein starkes klassisches Turnier. Der an der Bucerius Law School in Hamburg Jura studierende Großmeister – seit 2020 trägt er den Titel – startete mit 5,5 Punkten aus sechs Partien und führte bis zur Schlussrunde. Gegen den späteren Sieger GM Pang Tao aus China spielte Engel mit Schwarz remis. Pang Tao zog mit sieben Punkten an ihm vorbei, Engel kam auf 6,5 Punkte und belegte punktgleich mit IM Stepan Hrbek Platz zwei.
In der achten Runde, so Engels eigene Einschätzung, hatte er den Gewinn einer gewonnenen Stellung verpasst. Gegen Pang Tao zahlte sich dann die gemeinsame Vorbereitung mit Trainer Dmitrij Kollars aus: Engel erhielt mit Schwarz gute Chancen, die Partie endete dennoch remis. Im Blitz holte Engel sieben Punkte aus neun Partien und gewann ebenfalls Silber. Zusammen mit den beiden Mannschaftstiteln kam er auf vier Medaillen.
Im klassischen Männerturnier mit 39 Teilnehmern und neun Runden wurde Tobias Kölle mit 5,5 Punkten Zwölfter, Nikolas Wachinger belegte mit ebenfalls 5,5 Punkten Rang acht. Bei den Frauen kam Lara Schulze auf 6,5 Punkte und wurde nach Feinwertung Fünfte. Sie war punktgleich mit der Silber- und der Bronzemedaillengewinnerin; ein Buchholzpunkt fehlte ihr zu Silber. Svenja Butenandt erreichte mit fünf Punkten Platz zwölf.
Im Blitz holte Butenandt mit sieben Punkten Silber, Kölle mit ebenfalls sieben Punkten Bronze. Schneider wurde Vierzehnte, Schulze Zwanzigste und Wachinger mit sieben Punkten Dreizehnter.
Sieben Medaillen für die deutsche Delegation
Das sechsköpfige deutsche Team beendete die Hochschulweltmeisterschaften mit sieben Medaillen: dreimal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze. Deutschland gewann die Mannschaftswertung sowohl im klassischen Schach als auch im Blitz – jeweils vor China und Polen.
In der klassischen Teamwertung wurden die drei bestplatzierten deutschen Spielerinnen und Spieler aus den Einzelturnieren gewertet. Deutschland kam auf 20,5 Punkte und eine Rangsumme von acht. China folgte mit 19,5 Punkten, Polen mit 18,5 Punkten.
Auch im Blitz lag Deutschland bei 21 Punkten vorn. China erzielte zwar ebenfalls 21 Punkte, musste sich wegen der Rangsumme von sieben mit Platz zwei begnügen. Polen wurde Dritter. Die vier deutschen Blitz-Einzelmedaillen von Engel, Kölle und Butenandt sowie die Teammedaille machten das schnelle Format für die Delegation richtig ergiebig.
Trainer Dmitrij Kollars bereitete alle sechs deutschen Aktiven auf ihre Partien vor und arbeitete dafür häufig bis zum frühen Morgen. Die Teammitglieder halfen einander bei der Vorbereitung und beim Übersetzen, außerdem verbrachten sie Zeit mit dem deutschen Bridge-Team. Die Delegation lobte Organisation, Spielbedingungen und Unterbringung. Trotz des engen Zeitplans blieben Ausflüge in die Altstadt und ein Kulturprogramm möglich.
Von Würzburg über Bamberg nach Samarkand
Schneider hatte bei der Schacholympiade 2026 in Samarkand 5,5 Punkte aus neun Partien erzielt; die deutschen Frauen belegten dort Platz 29. Nun folgte in Liaocheng der größte Einzelerfolg ihrer bisherigen Hochschulzeit. Ihr Gold war zugleich das erste deutsche Gold bei einer Studierenden-WM seit dem Titel von Fiona Sieber 2022 in Antwerpen.
Der Deutsche Schachbund sieht im Hochschulschach eine Möglichkeit, den Kontakt junger Menschen zum Schach beim Wechsel an eine Hochschule zu erhalten und internationale Erfahrungen zu ermöglichen. In diesem Fall führte der Weg von der Universität Würzburg weiter an die Universität Bamberg – und auf das oberste Treppchen in China.
Die Flüge und die Unterkunft finanzierte das Bundeskanzleramt, das Honorar von Kollars übernahm der Deutsche Schachbund. Nach neun klassischen Partien, neun Blitzrunden, frühen Vorbereitungsstunden und vermutlich noch etwas mehr Kaffee konnte die deutsche Delegation in Liaocheng schließlich durchatmen.
