Jüdische Kunstsammlungen zwischen Moderne, Raubkunst und Erinnerung
Am 24. Oktober 2026 geht es im Bucerius Kunst Forum in Hamburg um Kunst, Besitz und die Menschen dahinter. Von 15:00 bis 16:00 Uhr führt ein öffentlicher Rundgang durch die Ausstellung „Von Monet bis Picasso. Jüdische Kunstsammler:innen in Deutschland“. Die Führung dauert mindestens 30 Minuten und widmet sich jüdischen Kunstsammler:innen sowie ihrem Einfluss auf die Moderne.
Zu sehen sind unter anderem Werke von Paul Cézanne, Claude Monet, Paula Modersohn-Becker, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein und Pablo Picasso. Die Ausstellung erzählt dabei nicht nur von Bildern, die heute in Museen hängen, sondern auch von den Wegen, die diese Werke genommen haben – oft unter Druck, Gewalt und Verlust.
15 Sammlungen, rund 100 Werke
Das Bucerius Kunst Forum zeigt die Ausstellung ab Herbst 2026. Im Mittelpunkt stehen 15 bedeutende Kunstsammlungen deutscher Jüdinnen und Juden aus der Zeit vor 1945. Rund 100 heute weltweit verstreute Meisterwerke der Moderne werden dafür wieder an einem Ort zusammengeführt. Leihgaben kommen unter anderem aus New York, Hawaii, Tokio und Jerusalem; einige Werke kehren dadurch erstmals wieder nach Deutschland zurück.
Der zeitliche und stilistische Bogen reicht vom Realismus und Impressionismus über den Expressionismus bis zur Neuen Sachlichkeit. Die Ausstellung rekonstruiert die Sammlungen und untersucht zugleich, welche Rolle jüdische Sammler:innen bei der Etablierung und Verteidigung moderner Kunst spielten. Zwischen den Bildern stehen historische Dokumente, Porträts und Hinweise auf die Lebenswege ihrer Besitzer:innen.
Vorgestellt werden Familien, Paare und Einzelpersonen – darunter die Familie Hirschland, Paul und Clothilde Schüler, Max Meirowsky, Rosa Schapire und Margarete Mauthner. Auch Rosa Schapire und Max Emden gehören zu den Sammler:innen, deren Geschichten die Ausstellung sichtbar macht. Zeitzeugnisse dokumentieren ihre Biografien und die Verfolgung während des Nationalsozialismus.
Wenn eine Sammlung auseinandergerissen wird
Entrechtung, Enteignung, Verfolgung, Vertreibung, Exil und Ermordung: Die Ausstellung benennt, was mit den Sammler:innen geschah, und zeigt auch die Zerschlagung ihrer Sammlungen. Die Wege einzelner Kunstwerke werden bis in die Gegenwart verfolgt. Umfangreiche Recherchen beschäftigen sich mit Objektbiografien, die durch Gewalt häufig fragmentiert wurden.
Damit führt der Rundgang direkt zu Fragen der Provenienzforschung und der Restitution von NS-Raubkunst. Hinter einem Gemälde kann eine lange, schmerzhafte Geschichte liegen – manchmal steht sie in einem Dokument, manchmal in einer Lücke. Kuratiert wird die Ausstellung von Dr. Kathrin Baumstark und Stefan Koldehoff.
Die Angaben zur Führung erfolgen ohne Gewähr und werden möglicherweise nicht automatisch aktualisiert.
Weiterdenken: „Zwischen NS-Raubkunst, Restitution und Erinnern“
Wie über Moderne gesprochen wird, welche institutionellen Kontinuitäten und Zäsuren den Umgang mit jüdischen Sammler:innen vor und nach 1945 geprägt haben und welche Verantwortung Museen, Politik und Justiz beim Umgang mit NS-Raubgut und Restitution tragen – diese Fragen stehen auch bei der Tagung „Zwischen NS-Raubkunst, Restitution und Erinnern“ im Raum. Sie findet am 18. und 19. Februar 2027 statt und bringt Forschung und Praxis in einem fachübergreifenden Diskurs zusammen.
In vier großen Panels diskutieren Expert:innen aus Politik, Museen, Journalismus, Universitäten, Kunsthandel und Recht. Die Themen heißen Provenienz und Aufarbeitung, Kanon und Deutungshoheit sowie Erinnern und Verantwortung. Zum interdisziplinären Programm gehören wissenschaftliche Panels, Impulsvorträge und Beiträge Hamburger Kultur- und Forschungseinrichtungen zu aktuellen institutionellen Perspektiven und Ausstellungsprojekten.
Begleitend sind Führungen durch die Ausstellung, eine Lesung von Dmitrij Kapitelman und ein Konzert des Jewish Chamber Orchestra Hamburg am Ende des ersten Tages vorgesehen. Tickets kosten bis 15. Januar 2027 im Early-Bird-Verkauf 35 Euro. Ab 16. Januar 2027 beträgt der reguläre Preis 75 Euro, für Studierende 15 Euro.
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