Vom Hörsaal in die Warteschleife: Warum Akademikerinnen in Bremen um den Berufseinstieg kämpfen
Ein Studienabschluss, gute Noten, Regelstudienzeit – und trotzdem erst einmal Warten. In Bremen und Niedersachsen suchen drei Akademikerinnen nach dem Ende ihres Studiums nach einer beruflichen Perspektive. Ihre Wege könnten unterschiedlicher kaum sein, der gemeinsame Nenner ist ernüchternd: Ein Hochschulabschluss allein ist noch keine Eintrittskarte in einen sicheren Beruf.
Eine Absolventin der Psychologie hat ihr Studium in zehn Semestern mit Bestnoten beendet. Seit Monaten sucht sie nun einen Platz für die therapeutische Weiterbildung. Obwohl der Bedarf an psychischer Unterstützung hoch ist, scheint es nur wenige Weiterbildungsplätze zu geben. Das ist die Sorte Warteschleife, in der Zeugnisse und Fleiß plötzlich erstaunlich wenig helfen.
Drei Abschlüsse, drei mühsame Starts
Eine Lehramtsabsolventin möchte Grundschulkinder unterrichten. Fünf Jahre Studium und das Referendariat liegen hinter ihr, nun fehlt die feste Stelle. Im Land Bremen seien solche Stellen rar, deshalb sucht sie in Niedersachsen nach einer Verbeamtung. Die Alternative wäre eine befristete Vertretungsstelle – mit dem Risiko, dass die Ferien unbezahlt bleiben könnten.
Die dritte im Bunde ist Journalistin. Trotz unsicherer Berufsaussichten und der im Medienbereich verbreiteten unbezahlten Tätigkeiten hat sie eine Stelle angenommen. Künstliche Intelligenz beeinflusst und verändert ihr Berufsfeld. Von den drei Akademikerinnen ist sie die Einzige mit einer festen Beschäftigung, allerdings als befristete Volontärin.
Auch die Constructor University in Bremen wird im Zusammenhang mit Unterstützungsangeboten für den Berufseinstieg ihrer Absolventinnen und Absolventen genannt. Am Standort Constructor Bremen zeigt sich damit ein Problem, das weit über einzelne Lebensläufe hinausreicht: Der Übergang vom Hörsaal in den Beruf ist nicht automatisch glatt. Manchmal beginnt er mit Bewerbungen, Absagen und einer ziemlich langen Geduldsprobe.
Ein Arbeitsmarkt, der gerade Luft holt
Die Zahlen für den deutschen Arbeitsmarkt 2025 passen zu diesem Eindruck. Deutschlands Wirtschaft blieb in einer länger anhaltenden Schwächephase. Das reale Bruttoinlandsprodukt wuchs laut Schätzung der Deutschen Bundesbank um 0,1 Prozent, nachdem es in den beiden Vorjahren geschrumpft war. Die Erwerbstätigkeit lag im Jahresdurchschnitt bei 46,0 Millionen und damit 5.000 niedriger als 2024.
Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg von Juni 2024 bis Juni 2025 zwar um 48.000 auf 34,9 Millionen. Doch Teilzeit nahm zu, Vollzeit ging zurück. Mehr Beschäftigte gab es vor allem im Dienstleistungssektor; im Produzierenden Gewerbe wirkten sich Transformation und Wirtschaftsschwäche aus. Die Beschäftigung ausländischer Staatsangehöriger stieg, die deutscher Staatsangehöriger sank demografisch bedingt.
Parallel kletterte die Arbeitslosigkeit im dritten Jahr in Folge: auf durchschnittlich 2,9 Millionen Menschen, 161.000 mehr als 2024. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,3 Prozent, 0,3 Prozentpunkte höher. Die Unterbeschäftigung stieg um 50.000 auf 3,6 Millionen. Auch die Nachfrage ließ nach: Im Schnitt waren 632.000 gemeldete Stellen registriert, 62.000 weniger als im Vorjahr. 1,461 Millionen neue Stellenmeldungen bedeuteten einen Rückgang um 39.000 – der niedrigste Wert der vergangenen 25 Jahre. Rund 300.000 Menschen waren 2025 im Jahresdurchschnitt in Kurzarbeit, nach 298.000 im Jahr 2024.
Akademikerinnen und Akademiker stehen dabei weiterhin besser da als andere Qualifikationsgruppen, aber der Abstand wird kleiner. Die Akademiker-Arbeitslosenquote stieg erstmals seit 2007 über drei Prozent, auf 3,3 Prozent. Die Zahl arbeitsloser Akademikerinnen und Akademiker nahm um 46.000 auf 355.000 zu – ein Plus von 16 Prozent, gegenüber sechs Prozent bei der Gesamtarbeitslosigkeit. In einem weiteren Wert der Statistik wird für 2025 von 335.000 arbeitslosen Akademikerinnen und Akademikern gesprochen, ebenfalls dem höchsten bisherigen Stand; der Anstieg gegenüber 2024 wird mit 46.000 angegeben.
Für Bremen nennt die Statistik 4,8 Prozent Arbeitslosenquote unter Akademikerinnen und Akademikern, bei 11,6 Prozent über alle Qualifikationen hinweg. In Bremen-Nord liegt der Anteil arbeitsloser Akademiker zudem über dem Bundesdurchschnitt. Im Osten Deutschlands betrug die akademische Arbeitslosenquote im Schnitt 4,3 Prozent, in Westdeutschland 3,0 Prozent. Süddeutschland kam besonders günstig weg, Stadtstaaten wiesen höhere Werte auf. Zum Vergleich: In Mecklenburg-Vorpommern standen 8,0 Prozent insgesamt 3,7 Prozent bei Akademikerinnen und Akademikern gegenüber.
Mehr Hochschulabsolventen, weniger Einstiegsstellen
Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Akademikerinnen und Akademikern wuchs trotzdem weiter – um 160.000 auf 7,2 Millionen, während sie insgesamt zurückging. Zuwächse kamen besonders aus Medizin und Pharmazie, IT und Sozialwesen. Psychologie und juristische Berufe verzeichneten hohe prozentuale Zuwächse, in den Naturwissenschaften stagnierte die Beschäftigung.
Im Juni 2025 hatten rund 7,2 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss. Gegenüber Juni 2024 waren das zwei Prozent mehr; insgesamt stieg die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nur um 0,1 Prozent. Innerhalb von 25 Jahren hat sich die Zahl dieser Beschäftigten mehr als verdoppelt. Ihr Anteil an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag 2025 bei 21 Prozent, im Jahr 2000 waren es 11 Prozent.
Medizin und Pharmazie legten absolut um 11.000 Stellen zu, IT um 10.000 beziehungsweise zwei Prozent, das Sozialwesen um 6.000, Bau und Architektur um 4.000. In den Wirtschaftswissenschaften kamen 3.000 Stellen hinzu – deutlich weniger als in den Vorjahren. Auch Psychologie und Rechtswissenschaften verzeichneten deutliche prozentuale Zuwächse. Beim IT-Wachstum fiel der Zuwachs allerdings deutlich geringer aus als früher; als möglicher Einfluss gilt der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz bei Programmieraufgaben.
Die Nachfrage nach hochqualifizierten Kräften ging deutlich zurück. 2025 wurden 188.000 Stellenangebote für hochkomplexe Tätigkeiten neu gemeldet, acht Prozent weniger als im Vorjahr. Für komplexe Spezialistentätigkeiten waren es 191.000, etwa so viele wie 2024 beziehungsweise ein Prozent mehr. Rückläufig war die Nachfrage in fast allen Berufsfeldern, besonders stark absolut in Informatik und Ingenieurwesen. Mehr Stellenmeldungen gab es nur in Medizin und Pharmazie sowie bei Lehrberufen.
Im Monatsdurchschnitt waren 59.000 Stellen für Expertinnen und Experten und 80.000 für Spezialistinnen und Spezialisten gemeldet. Da Unternehmen offene Stellen nicht vollständig melden müssen, liegt die tatsächliche Nachfrage höher. Im vierten Quartal 2025 wurden rund 43 Prozent der offenen Stellen bei Vermittlungseinrichtungen gemeldet. Insgesamt waren rund 96.000 Stellen für hochkomplexe Tätigkeiten offen, 2.000 weniger als im Vorjahr; bei komplexen Spezialistenaufgaben waren es rund 212.000, 11.000 mehr. Die Gesamtzahl offener Stellen sank um 144.000.
Am häufigsten wurden Wirtschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler gesucht: Rund 43.000 Stellenmeldungen entfielen auf Management, Handel, Finanzen und Wirtschaft. Danach folgten technisches Ingenieurwesen, Sozialwesen, IT sowie Bau und Architektur. Besonders kräftig gingen die Meldungen in Informatik, Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, Publizistik und Verwaltung zurück. Akademische Expertenstellen waren 2025 durchschnittlich 95 Tage vakant, zwei Tage länger als 2024; Stellen für Fachkräfte mit Berufsausbildung blieben im Mittel 140 Tage offen.
Besonders lange Vakanzzeiten gab es in Medizin und Pharmazie sowie Bau und Architektur. Kürzer war die Suche in Verwaltung und Bibliotheken, bei Lehrkräften und in Naturwissenschaften. Die Bundesagentur für Arbeit stellte 2025 in 25 akademisch geprägten Berufen Engpässe fest, 2019 waren es noch 40. Engpässe bestanden unter anderem in Medizin und Tiermedizin, Sozialarbeit und Sozialpädagogik, Pflege und Heilerziehungspflege, Bauplanung und Bauüberwachung, Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Buchhaltung und Versicherungen, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie bei leitenden Tätigkeiten in Verkauf und Gastronomie.
13 Berufe, darunter Softwareentwicklung, Pharmazie und Rechtsberatung, galten
