Ein Ort, an dem sonst Spezialfahrzeuge stehen und gearbeitet wird, öffnet seine Tore: Die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) feiern am Samstag, 10. Oktober 2026, das 100-jährige Bestehen des Betriebshofs Waltherstraße. Von 10 bis 18 Uhr können Besucherinnen und Besucher das Gelände besichtigen, der Eintritt ist frei. Werkstätten, Technikbereiche und Freiflächen sind zugänglich – für viele dürfte allein dieser Blick hinter die Kulissen den Weg wert sein.

Zu sehen gibt es außerdem eine Fahrzeugschau mit einem Schienenschleifwagen und einem Fahrleitungsmesswagen. DVB-Mitarbeiter erklären, wie Straßenbahn-Oberleitungen montiert und Gleise vermessen werden. Das klingt zunächst nach Arbeit im Hintergrund, wird vor Ort aber schnell konkret: Stahl, Strom, Schienen – und jede Menge Technik, die im Alltag meist einfach funktionieren muss.

Historische Fahrzeuge auf der Strecke

Der historische Gotha-Zug des Straßenbahnmuseums fährt von 10.15 bis 17.15 Uhr halbstündlich vom Betriebshof ins Stadtzentrum und zurück. Erwachsene zahlen fünf Euro, Kinder drei Euro; eine Familienkarte kostet zwölf Euro.

Auch der Büssing-NAG 900N von 1938 dreht seine Runden. Der älteste erhaltene Linienbus Dresdens fährt stündlich eine kurze Strecke um den Block, bei großem Andrang häufiger. Der Bus war bereits in mehreren Hollywood-Produktionen als Kulisse zu sehen – ein ziemlich bewegtes Leben für ein Fahrzeug, das inzwischen fast neun Jahrzehnte auf dem Buckel hat.

Musik, Basteln und Emil Emsig

Auf der Bühne treten zunächst ein DJ und die DVB-Band auf. Ab 13.30 Uhr spielt der Dresdner Liedermacher Kay-Uwe Jahn, gegen 15 Uhr folgt der DVB-Chor. Danach ist der Gitarrist Nicolas Gohla an der Reihe. Alle Musiker sind Mitarbeiter der DVB.

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Kinder können basteln, spielen und in einer Foto-Box mit dem Baumaskottchen „Emil Emsig“ posieren. An Ständen gibt es Speisen und Getränke, rund um die Bühne stehen Sitzgelegenheiten bereit. Je nach Wetter dürfte es dort also entweder nach Kaffee, Bratwurst und Sommerfest oder nach Jacken, nassem Asphalt und schnell leer getrunkenen Bechern riechen.

Vom modernsten Straßenbahnhof zum Spezialstandort

Nach einjähriger Bauzeit wurde der Betriebshof am 5. Oktober 1926 eröffnet. Damals galt die Anlage als modernster Straßenbahnhof Dresdens. Sie bestand aus sieben Stahlbetonhallen mit Glas-Oberlichtern, 28 jeweils 80 Meter langen Abstellgleisen, einer eigenen Fahrschule, einer Werksküche und sechs Wohnhäusern. Die Nähe zum Stadtzentrum machte kurze Wege zu den Einsätzen möglich.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Waltherstraße besonders stark bombardiert. Der Betriebshof war der am stärksten beschädigte Straßenbahnhof Dresdens. Ab 1946 wurde er wieder aufgebaut. Bis zur Eröffnung des neuen Betriebshofs in Gorbitz 1996 blieb die Waltherstraße ein wichtiger Bestandteil des Dresdner Straßenbahnnetzes.

Seit 1996 dient der Standort hauptsächlich als Werkstatt und Abstellort für Spezialfahrzeuge. Genau diese Mischung aus Gegenwart und Verkehrsgeschichte macht den Tag der offenen Tür reizvoll: Manche Fahrzeuge erzählen von früher, andere sorgen dafür, dass der Straßenbahnbetrieb heute läuft.

Anreise und Umleitung

Wegen der Veranstaltung ändert die Straßenbahnlinie 1 am Samstag ihren Linienweg. Sie wendet nicht wie üblich im Betriebshof, sondern fährt ab Bahnhof Mitte über Friedrichstraße zur Waltherstraße und anschließend über Schäferstraße und Bahnhof Mitte weiter nach Prohlis.

Zur Anfahrt eignet sich außerdem die Buslinie 68 mit Halt direkt an der Waltherstraße. Wer mit der Linie 1 kommt, sollte die geänderte Führung einplanen – sonst wird aus dem geplanten Festbesuch womöglich erst einmal eine kleine Stadtrundfahrt.

Der historische Gotha-Zug kommt vom Straßenbahnmuseum Dresden. Der gemeinnützige, ehrenamtlich arbeitende Verein bewahrt, restauriert und präsentiert historisch bedeutende Straßenbahnen. Zu seiner Sammlung gehören neben Fahrzeugen auch historische Pläne, Zeichnungen, Fotos und Schriften zum Straßenbahnwesen.

Der Fuhrpark umfasst derzeit 41 Fahrzeuge mit Bedeutung für die Geschichte der Dresdner Straßenbahn. Sie stammen aus dem Zeitraum von 1902 bis 1985. Ein Teil wird und wurde mit großem Zeitaufwand restauriert, damit die Tradition der Dresdner Straßenbahnen erhalten bleibt und anschaulich wird. Beim Fest an der Waltherstraße lässt sich diese Geschichte nicht nur anschauen, sondern gleich auf Schienen erleben.

Foto: H. Jacob