Blutspenden am Uni-Saarland-Campus: Warum bei Thrombozyten die Uhr tickt
Am Campus der Uni Saarland klingt der Herbst nicht nur nach nassen Wegen und hustenden Menschen. Auch die Blutreserven geraten unter Druck. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ruft deshalb gesunde Menschen zum Blutspenden auf. Die erste Erkältungswelle und die Herbstferien lassen das Spendenaufkommen sinken.
Im Zuständigkeitsbereich des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost – Berlin, Brandenburg, Sachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg – reichen die Vorräte derzeit für weniger als drei Tage. Für eine zuverlässige Versorgung wären vier bis fünf Tage nötig. Auch in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland wird weniger gespendet.
Beim Blutspendedienst West können die Kliniken aktuell noch versorgt werden; dort reichen die Reserven für etwas mehr als vier Tage. Viel Luft ist das trotzdem nicht. Die Bestände könnten rasch schrumpfen, zumal in einigen Bundesländern die Herbstferien laufen oder bereits vorbei sind, während sie anderswo erst beginnen.
Kein bundesweiter Notstand – aber wenig Spielraum
Nach Angaben des bayerischen Blutspendedienstes gibt es keinen bundesweiten Engpass und keinen Konservennotstand. Ziel sei vielmehr, Engpässe zu verhindern und den Kreis der Spender zu erweitern. Das DRK betont, wie wichtig eine kontinuierliche Spendenbereitschaft gerade während Erkältungswellen und Ferienzeiten ist.
Blut wird täglich gebraucht: nach Unfällen, bei Operationen und zur Behandlung schwerer Erkrankungen. Es lässt sich nicht einfach auf Vorrat produzieren. Thrombozyten, die unter anderem in der Krebstherapie eingesetzt werden, halten etwa vier Tage – je nach Präparat und Lagerung sind es bei Poolpräparaten vier bis fünf Tage, bei Apheresepräparaten fünf bis sieben Tage.
Wer mindestens 18 Jahre alt und gesund ist, darf Blut spenden. Vorher sollte ein Termin gebucht werden. Ausreichend essen und trinken, einen Ausweis einpacken – mehr Organisation ist für den ersten Schritt nicht nötig. Nach einer Erkältung oder einem fieberfreien grippalen Infekt ist eine Spende ungefähr eine Woche nach dem Abklingen der Symptome möglich. Nach Infekten mit Fieber, einer Influenza oder der Einnahme von Antibiotika gilt: frühestens vier Wochen warten.
Warum Blutprodukte nicht ewig lagern
Blutprodukte haben je nach Bestandteil unterschiedliche, gesetzlich geregelte Haltbarkeiten. Erythrozytenkonzentrate, kurz EK, bleiben mit SAGM-Additivlösung bei +2 bis +6 °C bis zu 42 Tage verwendbar. Ohne diese Lösung sind es 21 bis 28 Tage. SAGM besteht aus Kochsalz, Adenin, Glukose und Mannitol: Adenin unterstützt die ATP-Synthese, Glukose liefert Energie, Mannitol schützt die Zellmembran. Additivlösungen verlängerten die Haltbarkeit damit von ursprünglich 21 auf 42 Tage.
Ganz unberührt bleibt eine rote Blutkonserve während der Lagerung trotzdem nicht. Erythrozyten verlieren unter anderem Verformbarkeit, ATP und 2,3-DPG. Unter 0 °C können Eiskristalle eine Hämolyse auslösen; über 6 °C wird unter anderem das Wachstum von Yersinia enterocolitica begünstigt. Deshalb gehören EK in überwachte medizinische Kühlschränke, nicht in den Haushaltskühlschrank, bei dem Temperaturschwankungen an der Tagesordnung sind.
Thrombozyten sind noch heikler. Sie werden bei +20 bis +24 °C und ständiger Bewegung gelagert. Kälte aktiviert sie irreversibel, ohne Bewegung können sie verklumpen. Die Raumtemperatur erhöht allerdings zugleich das Risiko bakterieller Vermehrung. Das größte Sicherheitsrisiko bei TK ist die bakterielle Kontamination; in Deutschland werden sie deshalb bakteriologisch untersucht. Eine allgemeine Pflicht zur Pathogeninaktivierung von Thrombozyten gibt es derzeit nicht. Verfahren wie INTERCEPT oder Mirasol erhöhen die Sicherheit, können die Haltbarkeit durch zusätzlichen oxidativen Zellstress aber geringfügig verkürzen.
Gefrorenes Frischplasma, FFP beziehungsweise GFP, hält sich bei −30 °C oder kälter je nach Hersteller 12 bis 24 Monate. Nach dem Auftauen sind es bei +2 bis +6 °C nur sechs bis 24 Stunden. Plasma muss innerhalb von acht Stunden nach der Blutentnahme eingefroren werden, damit Gerinnungsfaktoren wie Faktor V und VIII erhalten bleiben. Bei nur −18 °C wäre es kürzer haltbar, weshalb medizinische Gefriergeräte mindestens −30 °C erreichen. Kryopräzipitat bleibt bei −30 °C oder kälter bis zu zwölf Monate verwendbar. Granulozytenkonzentrate halten bei +20 bis +24 °C ungefähr 24 Stunden.
Barcode, Kühlkette und ein strenger Blick auf die Konserve
Für den Transport kommen validierte Transportboxen zum Einsatz. Bei Thrombozyten müssen sie die Bewegung aufrechterhalten; Temperaturdatenlogger zeichnen mögliche Abweichungen auf. Jede Konserve trägt ein Verfallsdatum und einen eindeutigen Barcode. Die Rückverfolgbarkeit vom Spender bis zum Empfänger ist nach dem deutschen Transfusionsgesetz vorgeschrieben, Kliniken müssen die Vergabe von Blutprodukten mindestens 30 Jahre dokumentieren.
Abgelaufene Konserven dürfen weder verwendet noch nachträglich verlängert werden. Rötlich-braune Überstandsflüssigkeit kann auf Hämolyse hindeuten, auch Trübung, Flocken oder Gasbildung sind Warnzeichen. Solche Präparate werden aus dem Verkehr gezogen und vernichtet. Blutprodukte zählen dabei zu den Abfällen, die gemäß den geltenden Richtlinien für infektiöse Abfälle entsorgt werden.
Empfohlen werden lückenloses Temperaturmonitoring, das FIFO-Prinzip – zuerst eingelagerte Präparate werden zuerst verwendet –, validierte Transportbehälter, eine Sichtprüfung unmittelbar vor der Transfusion, die sofortige Aussonderung abgelaufener Präparate und vollständige Dokumentation. Ein EK, das länger als etwa 30 Minuten bei Raumtemperatur außerhalb der Kühlung war, darf in der Regel nicht mehr transfundiert werden; maßgeblich sind die internen Vorgaben der jeweiligen Einrichtung. Der Anteil abgelaufener EK liegt laut Artikel je nach Klinik und Blutspendedienst bei unter drei Prozent.
Engpässe entstehen besonders bei Thrombozyten, weil ihre kurze Haltbarkeit die Bedarfsplanung erschwert. Sie dürfen nicht gekühlt werden, sonst werden sie irreversibel aktiviert und können unbrauchbar werden. Gerade hier fühlt sich Vorratshaltung ein bisschen wie Jonglieren an: zu wenig ist gefährlich, zu viel lässt sich nicht beliebig aufheben.
Was Studien und Regeln zur Versorgung sagen
Studien wie ABLE aus dem Jahr 2015 und TRANSFUSE aus dem Jahr 2017 fanden keinen signifikanten klinischen Unterschied zwischen frischen und älteren Erythrozytenkonzentraten. Andere Untersuchungen sehen bei bestimmten Hochrisikopatienten mögliche Vorteile frischerer Präparate. Die Datenlage ist nicht abschließend.
Transfusionen unterliegen in Deutschland dem Transfusionsgesetz, der Hämotherapie-Richtlinie und der Überwachung durch das Paul-Ehrlich-Institut. Die von der Bundesärztekammer bereitgestellte Richtlinie zur Hämotherapie 2023 liegt als PDF vor; der gelieferte Text dieser Quelle enthält allerdings ausschließlich komprimierte Binärdaten, ein lesbarer Nachrichtenartikel ist darin nicht verfügbar.
Für Menschen am Uni-Saarland-Campus bleibt der praktische Teil überschaubar: Termin buchen, gesund erscheinen, essen, trinken, Ausweis mitnehmen. Der Rest passiert hinter Türen, in überwachten Kühlschränken und mit Barcodes, Temperaturdaten und langen Dokumentationspflichten. Und während irgendwo gerade eine Maschine leise summt, läuft die Uhr für manche Blutbestandteile schon wieder.
