Bremen rückt auf Rang 12: Wirtschaftskraft zwischen Top-Unternehmen und Concept-Store
Bremen ist im deutschen Standortranking einen Schritt nach vorn gegangen. Mit 429,87 Punkten belegt die Stadt Rang 12 und verbesserte sich gegenüber der Vorversion um einen Platz. Für die aktuelle Einordnung am 2.10.2026, hier an der Uni Bremen, ist das eine durchaus greifbare Zahl: Hinter ihr stehen viele große Arbeitgeber, aber auch mittelständische Betriebe, Hochschulen und neue Geschäftsideen.
2025 lebten in Bremen 586.271 Menschen. Damit war die Stadt die zehntgrößte Deutschlands. Am Standort waren 302.219 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze registriert. Sieben Hochschulen gibt es in Bremen, darunter die Universität Bremen. Zwischen Hörsaal, Hafen und Innenstadt liegen also nicht nur kurze Wege, sondern auch ganz unterschiedliche Teile der Stadtwirtschaft.
Viele große Namen, viel Umsatz
181 deutsche Top-Unternehmen haben ihren Sitz in Bremen. Im Unternehmensranking erreicht die Stadt damit Rang 9. Auf 100.000 Einwohner kommen 30,87 Top-Unternehmen; bundesweit entspricht das Rang 2325. Die öffentliche Standortbewertung ergibt im Durchschnitt die Note 2,9.
Zusammen erzielen die gelisteten Top-Unternehmen 42.899,7 Mio. Euro Umsatz und beschäftigen weltweit 144.500 Menschen. Die durchschnittliche Wertschöpfung liegt bei 296,88 Tsd. Euro je Arbeitnehmer. Das Verhältnis von Arbeitsplätzen zur Einwohnerzahl beträgt 0,52, womit Bremen bundesweit Rang 636 erreicht.
Der größte Arbeitgeber am Standort ist KAEFER SE & Co. KG mit 33.000 Beschäftigten. Das durchschnittliche Gründungsjahr der Top-Unternehmen liegt bei 1949. Am weitesten zurück reicht die BREMER TAGESZEITUNGEN AG mit ihrem Ursprung im Jahr 1743. Das jüngste gelistete Unternehmen ist die 2016 gegründete Team Beverage AG.
Auch der Mittelstand fällt ins Gewicht: Bremen zählt 84 der 10.000 wichtigsten deutschen Mittelständler und liegt damit bundesweit auf Rang 8. Neun deutsche Weltmarktführer haben ihren Standort in der Stadt. Dazu gehört die Sikora AG, Weltmarktführer für Mess-, Kontroll- und Testgeräte für Drähte, Kabel, Schläuche und Rohre.
57 Bremer Unternehmen befinden sich in ausländischem Besitz. Das bedeutet bundesweit Rang 10. Ein Beispiel ist die ArcelorMittal Bremen GmbH, deren Eigentümerfamilie die indische Mittal-Familie ist. Außerdem sind 17 der 2.500 wichtigsten Investoren aus dem DACH-Raum in Bremen gelistet – Rang 12 in Deutschland. Dazu zählt die nordwest nordwest Kapitalbeteiligungsgesellschaft der Sparkasse Bremen mbH.
In Trend- und Zukunftsmärkten sind 35 Bremer Unternehmen aktiv. CTS EVENTIM AG & Co. KGaA arbeitet unter anderem in den Bereichen Vertriebsautomation, Marktplatzmodelle, E-Commerce und Homing. 20 Unternehmen aus Bremen gelten als Hidden Champions.
Die zehn umsatzstärksten gelisteten Unternehmen
- Diersch & Schröder GmbH & Co. KG: 5.000 Mio. Euro Umsatz (2023), 1.000 Beschäftigte. Das 1920 gegründete Familienunternehmen ist in Mineralöl, neuen Energien, Chemie und IT tätig.
- ZECH Bau SE: 4.500 Mio. Euro Umsatz (2023), 13.614 Beschäftigte. Das Unternehmen ist Komplettanbieter rund ums Bauen.
- ArcelorMittal Bremen GmbH: 3.065,2 Mio. Euro Umsatz (2021), 2.696 Beschäftigte. Das integrierte Hüttenwerk deckt die Produktion von der Roheisenerzeugung bis zur Feinblechverarbeitung ab.
- CTS EVENTIM AG & Co. KGaA: 2.359 Mio. Euro Umsatz (2023), 2.813 Beschäftigte. Das Unternehmen ist ein großer europäischer E-Commerce-Anbieter für Ticketing.
- KAEFER SE & Co. KG: 2.300 Mio. Euro Umsatz (2023), 33.000 Beschäftigte. Die Tätigkeitsfelder reichen von Isolierung, Zugangstechnik und Korrosionsschutz bis zu passivem Brandschutz und Innenausbau für Industrie, Marine, Offshore und Bau.
- Röhlig Logistics: 1.900 Mio. Euro Umsatz (2022), 2.548 Beschäftigte. Angeboten werden See- und Luftfracht sowie Projekt- und Kontraktlogistik.
- Unternehmensgruppe Lürssen: 1.524 Mio. Euro Umsatz (2021), 2.800 Beschäftigte. Das Unternehmen übernimmt Neubau, Reparatur und Refit von Yachten und Marineschiffen sowie After-Sales-Dienstleistungen.
- Zech Group SE: 1.338 Mio. Euro Umsatz (2020), 9.300 Beschäftigte. Die Geschäftsbereiche umfassen Bau, Immobilien, Hotels, Umwelt/Technologie, Industrie und internationale Aktivitäten.
- OHB SE: 1.001,5 Mio. Euro Umsatz (2024), 2.962 Beschäftigte. Der börsennotierte deutsche Raumfahrtkonzern arbeitet schwerpunktmäßig an Satelliten, bemannter Raumfahrt, Sicherheit und Aufklärung.
- Greenyard Fresh Germany GmbH: geschätzter Umsatz von 1.000 Mio. Euro, 1.000 Beschäftigte. Das Unternehmen ist ein großer Obst- und Gemüsehändler in Deutschland und Österreich.
Zwischen Standortnote und Concept-Store
Das Standortranking veröffentlichen Die Deutsche Wirtschaft und die Deutsche Exzellenzprüfung GmbH seit 2020, jeweils zweimal jährlich. Grundlage sind die Zahl der Top-Unternehmen am Standort sowie eine öffentliche Bewertung von sieben Standortfaktoren. Die Note 2,9 erzählt dabei nur einen Teil der Geschichte. Der andere Teil zeigt sich in Projekten, die eher nach Baustelle, Ladenlokal und langem Papierkram klingen.
Im Rahmen eines Wettbewerbs zur Innenstadtentwicklung wurde ein „Concept-Store“ gesucht, der innovative Anbieter unter einem Dach vereint. Die Wirtschaftsförderung Bremen suchte zunächst eine Ladenfläche von 500 bis 1.000 Quadratmetern. Bedingung war eine Reduzierung der Kaltmiete um 50 Prozent.
Die Fläche wurde von der Wirtschaftsförderung Bremen GmbH angemietet und anschließend per Untermietvertrag weitergegeben. Eine Jury bewertete die eingereichten Konzepte nach Schlüssigkeit, Nutzungsvielfalt, Innovationsgrad, Alleinstellungsmerkmal, Frequenzrelevanz, Innenstadttauglichkeit sowie wirtschaftlicher und ökologischer Nachhaltigkeit.
Der Teilnahmebogen wurde 120-mal aufgerufen. 33 Konzepte gingen ein, 22 Besichtigungen fanden statt. Gewonnen hat „ekofair“. Das Konzept erhielt die Fläche als erstes Fairkaufhaus Bremens für 13 Monate miet- und nebenkostenfrei.
Dazu kamen Zuschüsse für Ladenbau und Personal. Außerdem wurden Beratung, Vernetzung, Marketing und Digitalisierung durch die Wirtschaftsförderung Bremen zugesagt. Ein bisschen Planung, ein bisschen Mut – und hoffentlich weniger Leerstand in der Innenstadt.
Die Zahlen stammen aus dem Standortranking von Die Deutsche Wirtschaft.
